WÜRZBURG

Meisterkonzerte zwischen Riskantem und Bewährtem

Organist Cameron Carpenter
Cameron Carpenter Foto: dpa

Spannend wird's gleich am Anfang: Cameron Carpenter wird die neue Orgel der Würzburger Musikhochschule – eine gute Woche nach ihrer Einweihung – an die Grenzen treiben: Der US-Amerikaner, der normalerweise sein eigenes Instrument nutzt, hat sich vorgenommen, Messiaen, Dupré und Vierne zu spielen – Franzosen, die für sinfonisch-opulente Musik stehen. Und dafür ist das Instrument in seiner jetzigen Ausbaustufe an sich gar noch nicht ausgelegt.

Das Konzert des 35-Jährigen, der im Outfit ein wenig an den jungen Nigel Kennedy erinnert, markiert am 5. November den Auftakt der „Meisterkonzerte“ der Musikalischen Akademie. Dass es eher unkonventionell losgeht, ist Programm. Johannes Engels, Vorsitzender der Musikalischen Akademie, will der altehrwürdigen Konzertreihe, die es seit 51 Jahren in Würzburg gibt, ein „neues Profil“ verleihen. Dazu gehöre auch, ab und zu ein Risiko einzugehen, so der ehemalige Leiter des Würzburger Kulturamtes.

Ein neues Profil ist nötig. Denn die Konzertreihe musste in der vorigen Saison eine Delle bei den Besucherzahlen hinnehmen. „Wir haben nicht unbedingt schwarze Zahlen geschrieben“, sagt Engels vorsichtig. Wirklich schlimm sei das noch nicht, „aber wenn das wieder passiert, wird's eng.“

Der Besucherrückgang lag wohl auch daran, dass man in die Johanniskirche ausweichen musste, weil der Große Saal der Musikhochschule wegen des Einbaus der Orgel gesperrt war. Doch es ist generell heute schwierig, Abonnements zu verkaufen – auch in anderen Bereichen. Ein Großteil des Publikums will sich nicht mehr binden. Dennoch habe man für die kommende Saison ein paar Abonnenten gewonnen, so Johannes Engels. Natürlich sei auch der Einzelverkauf wichtig. Doch erst Abos geben Planungssicherheit – auch bei den Finanzen.

Die sind bei der Musikalischen Akademie ein entscheidender Punkt. Denn: Der e. V. mit 120 Mitgliedern ist der Förderverein für die Musikhochschule. Er unterstützt unter anderem die Tage der Alten und die Tage der Neuen Musik und hochschulinterne Wettbewerbe, er stiftet Preise, vergibt Studienbeihilfen. In den vergangenen drei Jahren habe der Verein dafür rund 120 000 Euro ausgegeben, so Engels. Der Großteil davon stammt aus den Einnahmen der „Meisterkonzerte“.

Gut besuchte Konzerte sind das Rückgrat der Förderung. Also braucht man bekannte Künstler. Zu teuer darf's aber auch nicht werden, das reduziert den Gewinn und also auch die Förderung. Für Johannes Engels eine Zwickmühle, denn er möchte die Künstler ja auch anständig bezahlen.

In der kommenden Saison (siehe Kasten) können die Meisterkonzerte mit Stars wie dem Pianisten Martin Stadtfeld und eben dem Organisten Cameron Carpenter aufwarten. Und alle Konzerte finden wieder im Großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik statt.

Einzelkarten: Tourist-Information im Würzburger Falkenhaus (Tel. 09 31) 37 23 98. Abos: Tel. (07 11) 55 06 60 77  www.meisterkonzerte-wü.de 

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