Giebelstadt

"Momo" in Giebelstadt: Zeiträubern schlägt die letzte Stunde

Wer kann die Menschheit vor dem Verlust der Zeit und damit vor dem Untergang retten? Das Stück nach Michael Ende begeistert bei den Kinderfestspielen mit Herz und Witz.
Momo (Flora Trahndorff, im Wechsel mit Johanna Hansen) umgeben von Grauen Herren (Anne Hansen, Raoul Migliosi, Oliver Trahndorff, Thomas Mangold). Foto: Mascha Obermeier

 Man kann sie nicht anfassen und festhalten – die Zeit. Und doch wird dieses höchste Gut des Menschen von gerissenen Lügnern bedroht! Wer kann die Menschheit vor dem Verlust der Zeit und damit vor dem Untergang retten?

Das erlebt man flott inszeniert, fantasievoll ausgestattet und begeisternd gespielt in Michael Endes Klassiker „Momo“, der bei den Kinderfestspielen Giebelstadt eine packende Premiere feiert und 850 junge Zuschauer in seinen Bann zieht. Seit mehr als vier Jahrzehnten berührt die spannende, hintergründige und aktionsgeladene Geschichte Junge und Alte. Sie bietet reichlich Ansatzpunkte zum Nachdenken und Diskutieren, sollte Besuchern im Kindesalter aber nicht ohne altersgemäße Vorbereitung geboten werden.

Dann aber gestaltet sich die Aufführung zu einem rund 80-minütigen Vergnügen, das auf drei Säulen basiert.  Zum einen lässt die akribische Regiearbeit von Mascha Obermeier keine Sekunde Langeweile aufkommen. Ihr schwungvoller Stil und die umfassende Ausnutzung der breiten Spielfläche vor der Schlossmauer (Gelungenes Bühnenbild von Hannes Hirth) geben turbulenten Szenen ebenso Raum wie ruhigen, nachdenklichen Phasen. Wenn sich Nino mit Nicola fetzt, ist das genauso stimmig in Szene gesetzt wie die marionettenhaften Bewegungen der an den Fäden der Skrupellosigkeit hängenden Grauen Herrn.

Die Schauspieler schlüpfen hurtig in die verschiedensten Rollen

Zweitens sorgen die bunt ausgestattete Bühne und die originellen Kostüme für optische Anregung. Brigitte Obermeier hat  das Bibigirl (Thomas Mangold) in eine rosa schillernde Puppe mit blecherner Stimme und sich selbst in die beruhigende, vor-sichtige Schildkröte Kassiopeia verwandelt.

Nicht zuletzt stellt sich eine tolle Truppe von begeisternden Schauspielern vor, die hurtig in verschiedene Rollen schlüpfen und dabei ihre Wandlungs- und Anpassungsfähigkeiten beeindruckend unter Beweis stellen. Raoul Migliosi gibt auch einen quirligen Fremdenführer Gigi, Oliver Trahndorff einen beflissenen Frisör Fusi und einen streitbaren Mauerer Nicola.

Anne Hansen stellt (mindestens) zwei Frauen auf die Bühne und Heiko Schnierer den aufgeregten Wirt Nino und den fürsorglichen Zeitbewahrer Meister Hora. Johanna Hansen überzeugt in der Titelrolle als aufmerksame Zuhörerin, die auch Angst und kindgemäße Courage glaubhaft ausdrücken kann. Voll sprühender Spielfreude und absolut textsicher präsentieren sich die Kinder Maria (Lilou Singer) und Paolo (Justus Schuster). Lebhafter Beifall.

Weitere Vorstellungen: Do. , 27. Juni (ausverkauft), Fr., 28. Juni (9.30 Uhr), Sa., 29. Juni (16 Uhr), So., 30. Juni (11 Uhr), Mo., 1. Juli (9.30 Uhr), Di., (9.30 Uhr). Karten: Tel. (09334) 80846 oder info@kinderfestspiele-giebelstadt.de

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