WÜRZBURG

Mozartfest-Nachtmusik als Kirchenkonzert

Wegen des regnerischen Wetters verlegten die Macher des Mozartfestes die zweite Nachtmusik vom Hofgarten der Residenz in die Johanniskirche. Diese Kirche ist in diesem und im nächsten Jahr bei schlechtem Wetter Ausweichquartier von Open-Air-Veranstaltungen beim Mozartfest.

Das bislang übliche Ausweichquartier, der Große Saal der Musikhochschule, stehe wegen des Orgeleinbaus zwei Jahre lang nicht zur Verfügung, so Mozartfest-Intendantin Evelyn Meining zu Beginn des Konzerts in der Johanniskirche. Statt eines Freilichtkonzerts gab es deshalb ein Kirchenkonzert.

Die Kirche war proppenvoll mit den Platzkarteninhabern. Die Intendantin entschuldigte sich, dass nicht jeder den Platz bekommen hatte, den er sich erhofft hatte.

Das organisatorische Drumherum war schnell vergessen, als das Münchener Kammerorchester unter Konzertmeisterin Diana Tishchenko mit Mozarts sechster Serenade loslegte. Stilecht spielten die hellwach und spritzig musizierenden Instrumentalisten das erste und letzte Stück des Programms im Stehen. Bei den anderen Nummern musizierten sie im Sitzen. Höhepunkte waren Mozarts erstes und viertes Hornkonzert mit Stefan Dohr.

Ohne jeden Kiekser sowie mit geschmeidiger Tongebung und Virtuosität blies der Solohornist der Berliner Philharmoniker die Stücke. Phrasierung, Ansatz, Atemtechnik: In allem präsentierte sich Dohr als Meister seines Fachs. Als in einer der vorderen Kirchenbänke einer Zuhörerin schlecht wurde und ein Sanitäter die Frau hinausbegleitete, blieben Hornist und Orchester cool und spielten weiter. Schade eigentlich, dass der großartige Solist keine Zugabe gab. Aber da hätten die Zuhörer zu diesem Zeitpunkt mehr klatschen müssen.

Spannendster Programmpunkt waren zwei kurze Charakterstücke von Franz Schreker aus dem Jahr 1900. Die Münchener interpretierten das schwelgerische „Intermezzo“ und das rustikale „Scherzo“ mit so viel Profil, dass an manchen Stellen bereits der Expressionismus des reifen Schreker spürbar wurde.

Natürlich durfte auch bei dieser Nachtmusik Mozarts bekanntestes Werk nicht fehlen. Nach der mit viel Schmiss vorgetragenen „Kleinen Nachtmusik“ spendete das Publikum lebhaften Beifall. Einige Zuhörer erhoben sich. Doch was wie stehende Ovationen aussah, erwies sich als Versuch, möglichst frühzeitig aufzustehen, um rasch zum Ausgang zu gelangen. Das Phänomen gibt es häufig bei Konzerten in Würzburg.

Angesichts des starken Applauses spielten die Münchner als Zugabe noch einmal das Finale aus Mozarts sechster Serenade.

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