WÜRZBURG

Mozartfest: Wenn Hip-Hop auf Melodielinien trifft

Ein ungewohntes Bild: Rapper und Geiger traut vereint beim Konzert von EINSHOCH6 in der Würzburger Posthalle.
Ein ungewohntes Bild: Rapper und Geiger traut vereint beim Konzert von EINSHOCH6 in der Würzburger Posthalle. Foto: chris weiss

Wenn Klassik auf Hip-Hop trifft, dann ist das eine Mischung, die erst einmal problematisch wirkt. Dass daraus aber auch ein unerhört frisch schmeckender Cocktail entstehen kann, bewiesen die neun Musiker der Münchner Formation EINSHOCH6 den Besuchern in der Würzburger Posthalle, wo die ehemalige Late-Night-Band der Thomas-Gottschalk-Show im Rahmen des Mozartfests Würzburg auftrat.

Und das bereits zum zweiten Mal, was dafür spricht, dass man sich beim Organisationsteam der Festspiele bewusst ist, das Angebot des Mozartfests auch für andere Besucherschichten interessant zu machen.

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Zwar bleibt das klassische Mozartfest-Publikum solchen Crossover-Veranstaltungen in der Masse ebenso fern wie das junge, eine Erkenntnis, die die relativ schwache Besucherzahlen nahelegt. Trotzdem: Amadeus hätte wohl seine helle Freude gehabt an den anspruchsvollen deutschen Texten, die drei Rapper vortrugen, dem Streichertrio, bestehend aus E-Violine, E-Cello und E-Flügel, sowie dem Bassist und zwei Perkussionisten.

Das Ganze erinnerte stellenweise an den „Klassik-Rock“ der 1970er Jahre, wie ihn beispielsweise die Holländer der Gruppe Ekseption einst spielten. Außerdem wurden Assoziationen zu Jazzkantine geweckt, die Rap-Einlagen mit Jazz und damit mit perkussiven Elementen würzen.

Wie selbstverständlich

EINSHOCH6 wurden vom Athenaeum-Quintett begleitet, einem Streicher-Ensemble, das sich aus Musikern des Münchner Rundfunkorchesters zusammensetzt. So ergab das Konzert ein ungewohntes Bild: Vorne drei rappende junge Männer in eindeutiger Pose und der bekannten Attitüde, hinten dran locker mitwippend die Musiker, dazwischen die Streicher, die ihren Instrumenten mozartsche Melodielinien entlockten, die sich wie selbstverständlich in den Sound einfügten.

Insofern kann man diese Art von Crossover als gelungen bezeichnen, weil die Musik nicht wie eine bemühte Mischung wirkte, sondern wie eine runde Sache, die mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

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