WÜRZBURG

Musik aus der Perspektive eines Vogels beim Hafensommer

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Der Würzburger Hafensommer präsentiert am Dienstag, 1. August, zwei junge Künstler aus Würzburg, die längst weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt sind. Hannes Wittmer, bekannt als Spaceman Spiff, der wie Thees Uhlmann oder Kettcar beim Hamburger Label Grand Hotel van Cleef unter Vertrag steht, und Elisabeth Brüchner alias Lilly Among Clouds, die soeben ihr Debütalbum „Aerial Perspective“ herausgebracht hat.

Melodien von Lisl

Aufgewachsen ist Lilly in der Nähe von Straubing in Niederbayern. Mit fünf Jahren hat sie ihre ersten eigenen Lieder auf Kassette aufgenommen – „Melodien von Lisl“ hat sie damals draufgeschrieben – und mit sechs Jahren dann Klavier gelernt. Ganz klassisch an der Musikschule.

Mit 20 Jahren hat sie ihr erstes Konzert gespielt, damals noch in der alten Heimat. Dazu hat sie Freunde und Verwandte in eine Kneipe eingeladen und sich das Konzert quasi selbst zum Geburtstag geschenkt. Alanis Morissette oder Avril Lavigne gehörten damals zu ihren Vorbildern. Richtig ins Rollen gekommen ist ihre Karriere aber erst, als sie 2010 zum Studieren nach Würzburg zog. „Das war so ein Selbstläufer“, erzählt Lilly. „Die Veranstalter waren offen, und das ist nicht überall so. Viele Würzburger wissen gar nicht, dass es Festivals wie das Umsonst & Draußen oder das Stramu in anderen Städten gar nicht gibt.“

2014 hat Lilly den Preis für junge Kultur in Würzburg bekommen. Ein Jahr später erschien ihre Debüt-EP mit fünf Songs auf ihrem eigenen Label Among Clouds Records. „Blood & History“ lautete der Titel der ersten Single, ein Song über Blutsbande, also die Familie.

Ein europaweiter Plattenvertrag

Präsentiert hat sie ihren ersten Tonträger, nicht in einem kleinen Club sondern gleich in der Posthalle. Im gleichen Jahr ist sie beim renommierten Reeperbahn-Festival in Hamburg aufgetreten. Eine Bühne für junge Talente. Und dort wurde sie auch vom Label Play It Again Sam entdeckt. Die gaben ihr gleich einen europaweiten Plattenvertrag. Produziert von Udo Rinklin, einem Spezialisten für Pop-Ohrwürmer.

Und davon gibt es auf „Aerial Perspective“ einige. Songs wie „The Only One“, „Your Hands Are Like Home“ oder „Remember Me“ haben alle das Zeug zum Radiohit. „Es gibt ja leider im Fernsehen und im Radio viel Copy and Paste. Was im britischen oder im amerikanischen Markt funktioniert, wird auch in Deutschland gesucht“, sagt Lilly. „Meine ersten Feedbacks waren: Eigentlich suchen wir ja eine deutsche Birdy. Oder eine deutsche irgendwas.

Und ich dachte mir jedes Mal: Wo ist der deutsche Stolz, zu sagen, wir können auch international was englischsprachiges Eigenständiges dazugeben. Das würde ich nie für mich in Anspruch nehmen, aber ich wäre als deutsche Birdy nicht sinnvoll. Dafür habe ich viel zu viel Lust, stimmlich mal mehr rauszuhauen.“

Beim SXSW-Festival gespielt

Lilly Among Clouds macht englischsprachigen Pop mit Eigenständigkeit. Dabei hilft ihr sicher, dass ihre Mutter Amerikanerin ist. Im März hat sie beim weltweit beachteten SXSW-Festival im texanischen Austin gespielt und im November gehts zur Australian Music Week. Mit Selbstvertrauen, das sie im letzten Sommer auf Festivals wie dem Appletree Garden Festival im niedersächsischem Diepholz getankt hat. „Ich habe gemerkt: Hey, ich passe genauso auf ein Festival wie irgendwelche coolen Bands, die ich schon mal auf dem Festival gehört habe.“

Inzwischen wohnt Lilly in einem Haus im Grünen in Tauberbischofsheim. Wenn sie nicht in ihrem Musikzimmer sitzt und Songs schreibt, probt sie mit ihrer Band oder gibt Interviews. Obwohl sie ihr Politik-Studium mit dem Bachelor abgeschlossen hat, lautet ihre Berufsbezeichnung inzwischen: Künstlerin.

Heimspiel in Würzburg

„Ich jobbe schon noch ein bisschen nebenher für ein kleines Finanzpolster“, sagt die Musikerin. Aber: wollte Künstlerin schon immer als ordentliche Arbeit machen und nicht nach dem Lustprinzip. „Es macht mir Spaß, die Sache ernstzunehmen.“ Der Auftritt beim Hafensommer ist Lillys einziges Heimspiel dieses Jahr. Sonst stellt die 28-Jährige ihr Debüt-Album auf Festivals in Holland, Österreich und der Schweiz und anschließend auf ausgedehnter Deutschland-Tour vor.

Der Auftritt im alten Hafenbecken neben dem Heizkraftwerk ist für sie etwas ganz Besonderes. Hier wollte sie schon immer spielen. „Ich finde den Flair dieses Orts total cool.“ Foto: Katja Ruge

Lily Among Clouds und Spaceman Spiff treten am Dienstag, 1. August, 20 Uhr beim Würzburger Hafensommer auf. Karten gibt es unter: Tel. (09 31) 60 01 60 00.

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