HAMBURG

Neuer Roman: Ildikó von Kürthy empfiehlt Teebeutel bei einem wunden Po

Ildikó von Kürthy Foto: dpa

Alle Fans von Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy („Mondscheintarif“) aufgepasst: Die Hamburger Autorin und zweifache Mutter hat ihr erstes Sachbuch geschrieben – aber keine Panik, ein Sachbuch ist „Unter dem Herzen“ nicht, vielmehr eine Art Tagebuch oder Autobiografie einer Mutter, vom Schwangerschaftstest bis zum ersten Lebensjahr des Kindes.

Die Hauptdarstellerin dürfte mancher Mutter sehr bekannt vorkommen – mit ihren Selbstzweifeln, ihren Heißhungerattacken und ihrem schwachen Bindegewebe. Sie wird bald nicht mehr alleine sein, denn in neun Monaten wird ihr kleiner „Schlomuckl“ das Licht der Welt erblicken, und an diesem Glück lässt die Autorin alle teilhaben. „Das Buch könnte wie eine Freundin sein, die schon zwei Kinder hat und die einen bei der Hand nimmt und sagt: ,Wir stehen das gemeinsam durch'“, sagt Kürthy. Neben den Ratschlägen ihrer Freundin Johanna („Das Einzige, was wirklich wichtig ist: Rechtzeitig bei der Kita anmelden und einen Pekip-Kurs besuchen“) und dem ein oder anderen Hebammentipp – Schwarzteebeutel für einen wunden Po – gewährt Kürthy seltene und teils intime Einblicke in ihr Leben: „Das ist das Großartige daran, Schriftstellerin zu sein: Alles geschieht mir für einen guten Zweck.“

Es geht bis zu ihrem legendären Auftritt bei einer Talkshow, die sie fluchtartig verlassen musste, weil ihr Baby anfing zu schreien. Kürthy nimmt ihre Leserinnen mit auf das Abenteuer Kind – von den ersten Übelkeitsattacken bis zum ersten Wort. Dabei schwankt sie wie alle Frauen zwischen Freudentaumel („Ich werde eine Familie sein, einer wird Mama zu mir sagen, und ich könnte gerade ausflippen vor Glück“) bis zu Panikattacken („Ich werde nie wieder ohne Angst sein, denn ich werde etwas Ungeheuerliches zu verlieren haben“). An vielen Stellen offenbart „Unter dem Herzen“, dass die Autorin mit ihren Romanheldinnen viel gemeinsam hat: „Ich bin wie die meisten. Normal. Ich kann nur eine Sache besonders gut: darüber schreiben, wie es ist, normal zu sein“, heißt es an einer Stelle.

Am berührendsten sind die persönlichen Momente, wenn von Kürthy aus dem Brief ihrer gestorbenen Mutter zitiert und von der Beziehung zu ihrem Vater berichtet, der ebenfalls schon gestorben ist.

Natürlich fehlen auch nicht die aktuellen Debatten über das Verhältnis zwischen Mann und Frau, Erziehungsratgeber und die Frage „Was macht eine gute Mutter aus?“: „Das Wort Rabenmutter gibt es im Französischen überhaupt nicht! Bei uns dagegen zerfällst Du als berufstätige Mutter in zwei halbe Menschen, die jeder versuchen, hundert Prozent zu geben, und die von ständigem schlechten Gewissen geplagt sind,“ schreibt sie.

„Unter dem Herzen“ ist ein sehr persönliches Buch für alle Mütter, das ihnen zeigt, dass sie nicht alleine sind mit ihren Ängsten und Sorgen. „Ein Jahr ist vergangen. Ein unvergleichliches. Vielleicht schreibe ich ein Buch darüber.“ So endet die Geschichte.

Ildikó von Kürthy: Unter dem Herzen (Wunderlich, 304 Seiten, 14,95 Euro)

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