Neues aus der Anstalt

Ein Fall für zwei: Frank-Markus Barwasser und Urban Priol vier Wochen, bevor sie erstmals Seite an Seite fürs ZDF auf Sendung gehen.Mit Porträts von beiden Künstlern und einem Interview mit Frank-Markus Barwasser und Urban Priol.
Neues aus der Anstalt

Vermutlich verbindet die beiden ein wenig mehr als nur professionelle Kollegialität. Es sind nicht die Lobeshymnen, mit denen Urban Priol, 49, und Frank-Markus Barwasser, 50, sich gegenseitig überhäufen, das ist das normale Geschäft. Es ist noch nicht einmal die nette Geschichte, die Priol zum Besten gibt und so geht:

Kabarettbühnenbesitzer Priol hat Erwin Pelzig, Barwassers anderes Ich, für einen Auftritt in Aschaffenburg verpflichtet. Natürlich ist die Bude ratzfatz ausverkauft – auch wenn der Auftritt an einem Karfreitag stattfinden soll, ein sogenannter „ruhiger Tag“ in Bayern, Tanzen in der Disco ist verboten, Witze auf der Bühne sind es auch, wie Priol von der Stadt erfährt. Er fragt, ob denn der Karsamstag auch ein „ruhiger Tag“ sei, und weil er das nicht ist, betritt Erwin Pelzig statt am Freitagabend um acht halt am Samstag um 0.01 Uhr die Bühne. „Frank-Markus hat da ganz problemlos mitgemacht“, sagt Priol, „da wusste ich: Mit dem musst Du häufiger was machen.“

Grüße von Georg Schramm

Dazu haben der Aschaffenburger Priol und der aus Würzburg stammende Barwasser jetzt reichlich Gelegenheit. Erwin Pelzig wird in der ZDF-Satire-Sendung „Neues aus der Anstalt“ Mitarbeiter für „Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation“ (wir berichteten ausführlich), sein Vorgänger an Priols Seite, Georg Schramm, der nach 36 Folgen die Anstalt verließ, um sich wieder auf seine Bühnenarbeit zu konzentrieren, lässt als ehemaliger Patientensprecher Lothar Dombrowski schon mal ausrichten: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass Herr Pelzig zukünftig versuchen wird, die zweifelhafte Autorität von Herrn Priol als Stationsleiter in Frage zu stellen. Ich habe ihn als einen Mann mit beträchtlichem Quälpotenzial ohne jegliche Bereitschaft zur Unterordnung kennen und schätzen gelernt. Herr Priol wird sich noch wundern.“



Herr Priol ist erstmal gespannt. „Da lass' ich mich gerne überraschen“, sagt er, der ohne neuen festen Partner seine Anstalt zugeschlossen hätte. Barwasser war Priols absoluter Wunschkandidat, und er ist überzeugt, dass er auch mit dem Würzburger prächtig harmonieren wird, obwohl „es ein anderes Zusammenspiel sein wird als mit Georg“ und auch die „Themen anders angegangen werden“. „Da wird viel Streitpotenzial da sein“, sagt Priol, „das wird sehr lebendig.“

„Wir müssen uns jetzt vor allem freimachen von dem ganzen Druck.“

Frank-Markus Barwasser

„Natürlich ein Wagnis“ nennt Barwasser seine bevorstehende Einweisung in die Anstalt, der er nach „gründlichem Nachdenken“ auch zugestimmt hat, und das gerne, weil es für ihn mal wieder an der Zeit ist, etwas Neues zu probieren. „Man muss aufpassen, dass es nicht zu bequem wird“, sagt Barwasser, „so nach dem Motto: Läuft doch, geht doch, muss man doch nichts ändern.“

Ihm ist wichtig, dass „ich kein Patient bin, ich will auf Augenhöhe reingehen, zumindest dass Pelzig glaubt, auf Augenhöhe mit dem Anstaltschef zu sein“, was vor allem deshalb interessant sei, weil es so „halt unglaublich viel Konfliktpotenzial gibt wegen Pelzigs permanenter Kompetenzüberschreitung“.



Das fängt schon damit an, dass Pelzig ein eigenes Büro beansprucht. Was „ich natürlich versuchen werde zu verhindern. Beziehungsweise, wenn er schon ein Büro bekommt, dann eines, das ihm angemessen ist“, sagt Priol. „Es wird also eher in Richtung Kammer gehen.“ Barwasser fürchtet, dass es ein ziemlicher Verschlag werden wird, „ein Raum jedenfalls ohne Fenster“.

Was es sonst noch Neues gibt aus „Neues aus der Anstalt“, das wissen die beiden noch gar nicht wirklich. „Wir müssen uns jetzt vor allem freimachen von dem ganzen Druck“, sagt Barwasser. Sie gehen an diesem Wochenende für ein paar Tage in Klausur, „spinnen ein wenig rum, was wir machen könnten“, sagt Priol. „Wir spinnen ja die ganze Zeit schon rum“, sagt Barwasser, „wann immer wir uns sehen oder sprechen.“ Kurz zuvor, beim offiziellen Fototermin fürs ZDF, „haben wir auch schon einige Sachen entwickelt, und da merke ich dann immer, mit dem Urban geht das super“.

Man muss sich Frank-Markus Barwasser als einen ziemlich ernsthaften Menschen vorstellen, einen mit verdammt viel Humor, und wenn man ihn ein bisschen länger kennt und weiß, dass er bisweilen gerne grübelt und manchmal dazu neigt, den Perfektionismus zu perfektionieren, dann überrascht es doch ein wenig, wie viel Vorfreude er versprüht. Natürlich hat er nachgedacht, darüber gegrübelt, ob er die Nachfolge von Georg Schramm antreten soll, der in der Anstalt mit seiner Art „ja nicht nur Akzente gesetzt, sondern sie entscheidend mitgeprägt hat, und da ist es eigentlich fast undankbar, nachzufolgen“, umschreibt Barwasser seine anfänglichen Zweifel. Der Reiz auf Neues und auf Teamarbeit ist größer. Bislang war Barwasser vor allem Einzelkämpfer. „Das ist ja genau das, was mir in der Vergangenheit gefehlt hat: Dieses Alleinearbeiten ist oft sehr mühsam. Natürlich habe ich ein Gespür dafür entwickelt, was ankommen kann und was nicht, aber ich zweifle ja auch immer wieder.“

Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass einer, der sich an seine Kunstfigur derart gekettet hat wie Barwasser an seinen Pelzig, versuchen muss, mit der Figur neue Wege zu gehen. Natürlich kann man sagen: Ach, der mit seinem Pelzig, der macht ja nichts anderes. Barwasser weiß das, aber er sagt, dass man dann hinzufügen müsse: „Mit der Figur habe ich schon viel gemacht.“ Sie hat sich entwickelt mit ihm, klar. Nach der Bühne kam das Bayerische Fernsehen (BR) mit „Pelzig unterhält sich“, dann mit „Vorne ist verdammt weit weg“ ein Kinofilm und mit „Alkaid – Pelzig hat den Staat im Bett“ zuletzt sogar ein Theaterstück. „Das ist doch vielfältiger, als wenn ich als Kabarettist Barwasser auf der Bühne stehe, und das 30 Jahre lang ununterbrochen.“

Nicht mehr zur Geisterstunde

Nun also Co-Gastgeber der mit im Schnitt über drei Millionen Zuschauern erfolgreichsten Satire-Sendung im deutschen Fernsehen, dazu die eigene Talkshow im Stile von „Pelzig unterhält sich“. Wie das Kind heißen wird im Zweiten, steht noch in den Sternen, weil, wie zu hören ist, der BR auf die Namensrechte pocht. Wichtiger als der Titel scheint Barwasser der Sendeplatz seiner Show zu sein, die, nachdem sie vom Bayerischen Fernsehen in die ARD befördert worden war, gern zur Geisterstunde ausgestrahlt wurde: Im ZDF wird Pelzig um 22.15 oder um 22.45 Uhr jeweils drei Gästen seine scheußliche Bowle servieren, sieben Mal im Jahr.

Frank-Markus Barwasser trinkt noch einen Cappuccino, Urban Priol noch ein Hefeweißbier, alkoholfrei natürlich. „Was ich an Urban mag, ist, dass er das alles sehr entspannt angeht.“ Sagt der eine. „Wir verstehen uns ja auch wirklich gut“, sagt der andere.

Gäste in der ersten gemeinsamen Sendung von Priol und Barwasser am 19. Oktober (22.15 Uhr, ZDF) werden Andreas Rebers, Helmut Schleich und Jürgen Becker sein.

Georg Schramm war in der Anstalt Patientensprecher Lothar Dombrowski.
Georg Schramm war in der Anstalt Patientensprecher Lothar Dombrowski. Foto: dpa

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