Moskau (dpa)

Ralph Siegel scheitert in Moskau

Aus für Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel beim Eurovision Song Contest (ESC), Daumen hoch für türkischen Bauchtanz-Pop und schwedischen Opernrock: Am Ende überzeugte beim ersten ESC-Halbfinale in der russischen Hauptstadt ein Mix aus soliden Disco-Nummern, Balladen und Hymnen.
Eurovision Song Contest       -  Andrea Domirovic aus Montenegro hat es nicht geschafft.
Andrea Domirovic aus Montenegro hat es nicht geschafft.

Zehn Teilnehmer qualifizierten sich für das 25er-Finale der «Musik-Olympiade» an diesem Samstag (16. Mai): Die Türkei, Schweden, Israel, Portugal, Malta, Finnland, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Armenien und Island setzten sich in der Nacht zum Mittwoch unter 18 Kandidaten durch. Die Schweiz scheiterte. Das nächste Halbfinale mit 19 Teilnehmern steigt an diesem Donnerstag. Dann werden die verbliebenen zehn Finalplätze vergeben.

Komponist Siegel, der 1982 mit Nicole und «Ein bißchen Frieden» Deutschlands einzigen Grand-Prix-Sieg holte, scheiterte mit seinem Lied «Just Get Out Of My Life» für Andrea Demirovic aus Montenegro. Ironie des Schicksals: Siegel schied als Komponist der Dschingis-Khan-Hits «Moskau» und «Dschingis Khan» (Grand-Prix-Song 1979) nun ausgerechnet in der russischen Hauptstadt aus. Mit der spektakulären Bauchtanz- und Akrobatik-Nummer «Düm Tek Tek» zog die Popsängerin Hadise für die Türkei als eine der Favoritinnen ins große Finale ein. «Ich danke allen, die an unser Land glauben», sagte die gesundheitlich leicht angeschlagene Hadise.

Überglücklich strahlte das jüdisch-arabische Duo Noa & Mira Awad, das mit dem ruhigem Song «There Must Be Another Way» für eine Versöhnung im Nahen Osten wirbt. «Wir stehen für diejenigen, denen Dialog wichtiger ist als Gewalt», sagte Mira Awad.

Für Opernstimmung beim Grand Prix sorgt die schwedische Sopranistin Malena Ernman mit der Klassik-Rock-Nummer «La Voix». Aus der Kaukasusrepublik Armenien überraschte das in blauen Prunkkleidern singende Duo Inga & Anush mit dem Ethno-Popsong «Jan Jan». Die Isländerin Yohanna («Is It True?») und die Powerstimme von Chiara aus Malta («What If We») begeisterten das Publikum mit Balladen.

Aus Finnland kommen in diesem Jahr die Waldo's People («Lose Control») mit wildem Stampfpop und Rap im Stile eines DJ Bobo sowie fackelschwingenden Feuertänzern, aus Portugal Flor-de-Lis mit einem blumigen Sommerlied und aus Rumänien die Sängerin Elena mit ihrer Tanznummer «The Balkan Girls». Bosnien-Herzegowina schaffte mit der schrägen Soldatenhymne «Bistra Voda» der Band Regina den Einzug ins Finale.

Das deutsche Popduo Alex Swings Oscar Sings mit dem Titel «Miss Kiss Kiss Bang» steht bereits fest für den Endausscheid. Alex Christensen und Oscar Loya erwarten eine Platzierung im «ersten Drittel», nachdem die No Angels im vergangenen Jahr für Deutschland auf dem letzten Platz landeten. Auch die Interpreten Spaniens, Frankreichs, Großbritanniens und des Gastgebers Russland müssen sich laut den ESC-Spielregeln nicht mehr qualifizieren. Frankreich wartet mit dem Star Patricia Kaas auf, Großbritannien mit dem Musicalkönig Andrew Lloyd Webber als Pianist für die junge Sängerin Jade Ewen.

Das russische Staatsfernsehen hatte die Olympiahalle in Moskau am Dienstag in ein fantastisches Märchenland verwandelt und die Show live übertragen. Für Befremden sorgte beim westlichen Publikum allerdings ein Auftritt des Alexandrow-Chors der Roten Armee, der zum Ende ein Medley aus sowjetischen Liedern vortrug. Als Dekoration dienten eine Panzer- und eine Kampfflugzeugattrappe. Mit den Rotarmisten traten in dem Kontrastprogramm auch Russlands Skandal-Duo t.A.T.u. sowie mehrere Hip-Hop-Tänzer und kaukasische Säbeltänzer auf.

Neben Montenegro mussten Teilnehmer aus weiteren sieben Ländern am Mittwoch ihre Koffer packen: die Tschechen mit ihrer Klamauknummer von der Band Gipsy.cz und die Schweizer mit der Indie-Band Lovebugs. Auch Belgiens Elvis-Presley-Verschnitt Copycat und die Weißrussen mit dem Glamrocker Pjotr Elfimow scheiterten an der Zuschauergunst. Bulgarien brach mit der Stelzennummer «Illusion» von Krassimir Avramov ein. Susanne Georgi aus Andorra verpasste mit ihrem Gute- Laune-Lied ebenso den Einzug wie Mazedoniens Band Next Time.

Insgesamt nehmen diesmal 42 Nationen an dem größten Musikwettbewerb der Welt teil. Georgien musste wegen des gegen Russlands Regierungschef Wladimir Putin gerichteten Liedes «We Don't Wanna Put In» vom ESC zurücktreten.

Russland hatte angekündigt, für rund 30 Millionen Euro den aufwendigsten Grand Prix der mehr als 50-jährigen Geschichte des Musikwettbewerbs zu inszenieren. Das Publikum wählte die Sieger am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) über Televoting. Zum Finale kommen dann neben der Publikumsabstimmung erstmals wieder flächendeckend Länder-Jurys zum Einsatz, deren Urteil zu 50 Prozent in die Gesamtwertung einfließt.

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