Schweinfurt

Raubkunst: Grüne wollen wissen, wie es in Schweinfurt weitergeht

Provenienzforscherin Sibylle Ehringhaus hat das Museum Georg Schäfer verlassen und heftige Kritik geübt. Die Grünen wollen nun vom OB wissen, wie es weitergehen soll.
Die Grünen-Fraktion im Schweinfurter Stadtrat wünscht sich mehr Transparenz im Umgang mit der Provenienzfoschung am Museum Georg Schäfer. Foto: Patty Varasano

Nach der Berichterstattung dieser Redaktion über den Weggang der Provenienzforscherin am Museum Georg Schäfer will die Grünen-Fraktion im Schweinfurter Stadtrat nun von der Stadtverwaltung wissen, wie es weitergehen soll. Wie berichtet, hatte die Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus eine Verlängerung ihres Vertrags abgelehnt, weil keinerlei Konsequenzen aus ihrer bisherigen Arbeit gezogen worden seien. "Die aufklärende Aufgabe der Provenienzforschung hatte in Schweinfurt keine Unterstützung. Sie wollen meine Arbeit nicht", sagte sie.

"Solche Schlagzeilen schädigen das Image von Museum und Stiftung Georg Schäfer. Wir gehen davon aus, dass auch bei bekannten Privatsammlungen ein Interesse an gerechten und fairen Lösungen bezüglich Raubkunst besteht, selbst wenn sie zur Rückgabe von Bildern nicht verpflichtet sind", heißt es nun in einer Anfrage der Grünen-Fraktion an Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU). Die Fraktion möchte Antworten auf folgende, hier wörtlich zitierte Fragen:

  • Wie ist der aktuelle Stand der Provenienzforschung in der Sammlung Georg Schäfer? Sind zumindest die gut 20 Restitutionsforderungen gegen das Museum vollständig geprüft?
  • Welcher Anteil an der gesamten Sammlung ist vom Thema Raubkunst betroffen?
  • Was steht einem offenen, sprich: öffentlichkeitswirksamen Umgang mit dem Thema Raubkunst im Museum Georg Schäfer im Wege?
  • Wann sind welche Schritte / Veranstaltungen zum Thema Raubkunst im Museum Georg Schäfer geplant?

Die Fraktion begrüße, dass die Provenienzforschung im Museum Georg Schäfer weitergeführt werden solle, heißt es weiter. "Wir meinen, dass der beste Umgang mit dem Thema die vorbehaltlose Öffentlichkeit ist, beispielsweise mit einer Ausstellung aus eigenen Beständen mit Auflistung der Fakten zu jedem Einzelstück." Eine solche Ausstellung könne einerseits mit eigenen Beständen und eigenem Personal ohne Transporte und Versicherungen erstellt werden, andererseits könne sie klarstellen, welche Abstufungen es von klar erkennbarer Raubkunst über Zwischenerwerbe bis hin zu unbelasteter Kunst gebe und in welchem Umfang die Sammlung Georg Schäfer von dem Thema betroffen sei.

Das Museum steht beim Thema Raubkunst immer wieder im Fokus

Die promovierte Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus aus Berlin hatte von der Stadt Schweinfurt den Auftrag erhalten, zunächst gut 20 Restitutionsforderungen gegen das Museum zu prüfen. Forderungen also, Werke an die Erben zurückzugeben, die im NS-Staat möglicherweise ihren jüdischen Eigentümern geraubt oder unter Zwang weit unter Wert abgekauft wurden.

Das Museum Georg Schäfer steht immer wieder im Fokus, wenn die Frage diskutiert wird, wie heute mit Raubkunst umzugehen sei. Der Bestand des Museums umfasst rund 1000 Gemälde und 5000 Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen – sie sind Eigentum und Dauerleihgabe der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung an das im Jahr 2000 eröffnete Museum. Bauherr und Eigentümer des Hauses ist der Freistaat, Betreiber die Stadt.

Nachdem Ehringhaus die Fälle der zurückgeforderten Bilder geprüft hatte, war als Fernziel vereinbart worden, die Herkunft aller Arbeiten zu klären. "Es ist zu erwarten, dass das ganze Spektrum der Verfolgung im Bestand sichtbar wird", hatte Ehringhaus im Oktober 2018 angedeutet und sich auf schwierige und langwierige Ermittlungen eingestellt. Doch damit ist nun erst einmal Schluss, ihr Vertrag endete am 31. Dezember.

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Mathias Wiedemann
  • Aquarelle
  • Ausstellungen und Publikumsschauen
  • Bauherren
  • Beutekunst
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • CSU
  • Grünen-Fraktion
  • Kommunalverwaltungen
  • Mitarbeiter und Personal
  • Museen und Galerien
  • Museum Georg Schäfer
  • Sebastian Remelé
  • Stadt Schweinfurt
  • Städte
  • Zeichnungen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!