Schweinfurt

Raubkunst in Schweinfurt: Museumsleiter verweist auf Stiftung

Auf Antrag der Grünen war die Raubkunst-Forschung im Museum Georg Schäfer Thema im Stadtrat. Museumsleiter Eiermann sprach von 60 Werken, die derzeit als belastet gelten.
Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt Foto: Patty Varasano

Drei Jahre lang hatte Sibylle Ehringhaus ermittelt, welche Werke im Schweinfurter Museum Georg Schäfer der Raubkunst zuzuordnen sind. Ende vergangenen Jahres lehnte die Provenienzforscherin wie berichtet eine Vertragsverlängerung ab. Begründung: Aus ihren Befunden seien keine Konsequenzen gezogen worden: "Die aufklärende Aufgabe der Provenienzforschung hatte in Schweinfurt keine Unterstützung." Ihr Fazit nach dem Weggang: "Das, worum es eigentlich geht, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen, das ist in Schweinfurt noch nicht angekommen."

Die Grünen-Fraktion im Schweinfurter Stadtrat forderte daraufhin in einem Antrag an die Verwaltung Auskunft, wie es nun weitergehen solle.  Bei einer Podiumsdiskussion dieser Zeitung mit den OB-Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März fragte außerdem ein Bürger explizit nach dem Standpunkt der Kandidaten zum Thema Raubkunst.

"Wir können und wollen nicht in Stiftungsfragen eingreifen."
Museumsleiter Wolf Eiermann zum Umgang mit Raubkunst im Museum Georg Schäfer

Der Beitritt zur Washingtoner Erklärung durch das Museum Georg Schäfer ist Teil des grünen Wahlprogrammes, auch wenn das Museum als Haus einer Privatsammlung nicht dazu verpflichtet wäre. In der Erklärung verpflichten sich 44 Staaten und etliche Organisationen, Werke der Raubkunst zu identifizieren, Vorkriegseigentümer oder Erben ausfindig zu machen und "gerechte und faire" Lösungen zu finden. 

Museumsleiter Wolf Eiermann Foto: Martina Müller

Dr. Wolf Eiermann, Leiter des Museums, nahm nun im Stadtrat Stellung. Er wehrte sich gegen Vorwürfe, das Museum tue zu wenig in Sachen Provenienzforschung. "Wir verstecken nichts bei uns", so der Museumsleiter.  Man gehe offen mit dem Thema um, spreche es bei allen Führungen an und habe auch ein als Raubkunst identifiziertes Werk ausgestellt, über das man informiere. Er hätte sich von Ehringhaus mehr Mitarbeit gewünscht, sagte er, auch Führungen durch sie zum Thema habe es nicht gegeben. Ein Workshop oder Kolloquium zum Thema Provenienzforschung sei sicher sinnvoll, aufgrund der Personalkapazitäten des MGS aber nicht leistbar.

Der Bestand des Museums umfasst rund 1000 Gemälde und 5000 grafische Werke – Eigentum und Dauerleihgabe der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung an das 2000 eröffnete Museum. Bauherr und Eigentümer des Hauses ist der Freistaat, Betreiber die Stadt. Das Museum selbst besitzt keine Bilder. Laut Eiermann gelten derzeit gut 20 Werke als Raubkunst. "Wir sind uns bewusst, dass es ethisch-moralisch und rechtlich heikel ist", so der Museumsleiter.  Eines sei wichtig zu wissen: Weder die Stadt noch er selbst seien in der Stiftung vertreten. "Wir können und wollen nicht in Stiftungsfragen eingreifen."

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