Würzburg

Reptilien am Alten Hafen

Mit „Ein Krokodil in der Suppe“ hatte der Berufsverband Bildender Künstler ein bissiges Thema ausgegeben. Nicht alle Teilnehmer der Winterausstellung nahmen es wörtlich.
Udo Breitenbachs „08/15“ vor Wieland Jürgens’ „Die Entdeckung der Natur“.
Udo Breitenbachs „08/15“ vor Wieland Jürgens’ „Die Entdeckung der Natur“. Foto: Joachim Fildhaut

Der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) lud seine unterfränkischen Mitglieder ein, über das Thema „Ein Krokodil in der Suppe“ zu arbeiten. 37 Maler, Bildhauer, Fotografen stellen nun also 52 Werke aus. Das ist viel für den kleinen Raum im Nordflügel des Würzburger Kulturspeichers, der trotzdem nicht überfüllt wirkt. Und obwohl sich jeder Teilnehmer einen höchst individuellen Zugriff auf das Thema gestattete, passen die Exponate gut zusammen. Es ist zwar nicht auf jedem Werk ein Reptil zu sehen. Trotzdem ergab sich für diese Gruppenausstellung eine Art Einheit.

Hans Krakaus Murmeltier „I’m Dead too“ ist unverkäuflich
Hans Krakaus Murmeltier „I’m Dead too“ ist unverkäuflich Foto: Joachim Fildhaut

Viele nahmen das Thema nicht ganz wörtlich, sondern als Aufruf zu surrealistischem Treiben. Damit waren die Weichen für eine weitere Ausrichtung gestellt: Die meisten Teilnehmer arbeiteten figurativ, zu einem hohen Anteil wiederum mit der menschlichen Figur. Und wenn die nicht identifizierbar ist, dann immerhin assoziierbar wie bei den etwas unbestimmten Gliedmaßen auf den Blättern von Wiltrud Kuhfuß. Die hängen neben einer Fotomanipulation des Künstlerpaars Nabihathom, die sich schauerlicherweise im Rahmen eines Selfies selbst plastiniert haben.

„Körperwelten“ nannte Deutschlands führender Menschenpräparator Gunther von Hagen derlei. Bei dessen Bremer Kunstnacht vor acht Jahren gewannen Nabiha und Thom den ersten Preis. Die beiden griffen aus gutem Grund in ihr Archiv (wie wohl manch anderer Beiträger der Würzburger Ausstellung ebenfalls). Der Titel „Körperwelten“ hätte auf die ganze Schau gepasst.

Eine Suppendose, grün statt rot wie bei Warhol

Nur auf drei abstrakte Werke nicht. Die weisen aber eindeutig Strukturen bzw. Farbreste von Krokodilsschuppen auf. Bleibt eine Batik von Walter Bausenwein als strenggenommen ungegenständlicher Fremdkörper. Der hängt allerdings dermaßen physisch in seiner Saalecke, dass man ihn gern unter die – von unseren Anatomen bisher nur noch nicht richtig entdeckten – Körperteile subsumiert.

Gut macht sich in der Sammlung die Suppendose, grün statt rot wie bei Warhol, und als Krokodilssuppe ausgewiesen. Mehrere unterfränkische Künstlerinnen und Künstler kamen dem inhaltlichen Aufruf mit dem Witz eines surrealistischen Manifests nach. Gleichzeitig gilt mit demselben Recht: Ein Krokodil in der Suppe ist ein Schiffbruch im Rotweinglas (Video: Gabi Weinkauf) ist ein Hase auf Rollschuhen (überraschend altmeisterlich: Sophie Brandes).

Die Heuchelei von Krokodilstränen

Die Heuchelei von Krokodilstränen geißelt die Antikriegs-Objektcollage „Framing“ gegenüber von weiteren Plastiken in der Saalmitte. Eine davon, „08/15“ genannt, hat einen Kopf, der historisch noch hinter die Surrealität des BBK-Ansatzes zurückweist: Solche Perückenträger bevölkerten die Pittura Metafisica des italienischen Malers Giorgio de Chirico, ein Vorläufer der surrealistischen Epoche.

Technisch siedelt die Ausstellung auf einem hohen Niveau. Da wurde nicht schnell was hingeklatscht, um an der Ausstellung teilnehmen zu können. Fast alle Werke sind Unikate – das Plakatmotiv macht eine Ausnahme und lässt sich als Druck erwerben. Wer am Ende noch grübelt, wieso das alles so gut zusammen passt, der besuche im Keller die kleine Ausstellung ausschließlich mit Zeichnungen von BBK-Mitgliedern. Diese Flur-Show hat Einheit nur, weil sie die sehr unterschiedlichen Techniken der Zeichnerei vor Augen führt.

Beide Ausstellungen bis 23. Dezember Fr., Sa. 15-18, So. 11-18 Uhr.

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