WÜRZBURG

Riemenschneider-Madonna in neuem Licht

Neues Konzept für altes Stück: Auf Interaktion setzt das Konzept zur Neupräsentation der Menschenzahnkette (um 6000 vor Christus).
Neues Konzept für altes Stück: Auf Interaktion setzt das Konzept zur Neupräsentation der Menschenzahnkette (um 6000 vor Christus). Foto: Frank Kupke

In ganz neuem Licht präsentierten sich Ausstellungsstücke des Mainfränkischen Museums bei einer Vorstellung neuer Ausstellungskonzepte. Studierende der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Universität Würzburg hatten sich Gedanken gemacht, wie einige Objekte für heutige Besucher attraktiv gezeigt werden können.

Die 25 Studentinnen und Studenten beließen es nicht bei Theorien. Sie fertigten detailreich gestaltete Modelle von Ausstellungsräumen, in denen das jeweilige Objekt gezeigt werden kann. Ob diese Modelle und die zugrunde liegenden Konzepte jemals eins zu eins in die Realität umgesetzt werden, steht indes auf einem anderen Blatt. Doch immerhin leitet das Museum auf der Würzburger Festung Marienberg zurzeit einen Erneuerungsprozess ein, der nach den Worten von Dr. Claudia Lichte dringend erforderlich ist, da sich das Museum seit der Wiedereröffnung 1947 baulich nicht wesentlich geändert habe. Die Museumsleiterin spricht von einem „Sanierungsstau“.

Die Konzepte und Modelle, die die Studierenden bei einer mehrstündigen Präsentation in der Kelterhalle des Mainfränkischen Museums vorstellten, sind das Ergebnis einer Kooperation des Museums mit den Hochschulen. Vonseiten der Uni beteiligten sich Professor Guido Fackler und Petra Maidt vom Studiengang Museologie sowie die Diplompsychologin Diana Löffler vom Institut für Mensch-Computer-Medien. Von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften beteiligte sich Professorin Claudia Frey vom Fachbereich Gestaltung. Ein ganzes Semester lang hatten sich die Studierenden in die Arbeit hineingekniet. Dazu gehörten Besucherbefragungen anhand eines von Diplompsychologin Sabrina Hoff vom Lehrstuhl für Museologie entwickelten Fragebogens, umfangreiche Recherchen zu den Ausstellungsstücken und schließlich konkrete Konzepte.

Die kuriose Zahnkette

Die Ausstellungsstücke des Mainfränkischen Museums, mit deren Neupräsentation sich die Studentinnen und Studenten beschäftigten, waren vorgegeben.

Darunter war Kurioses wie die sogenannte Menschenzahnkette, ein überregional bedeutender Fund, der 1976 in Zeuzleben gemacht wurde. Es handelt sich um 29 durchbohrte menschliche Zähne, die auf die jungsteinzeitliche Bandkeramikzeit (um 6000 v. Chr.) datiert werden. Ob die Zähne an einem oder mehreren Fäden aufgereiht waren, lässt das Konzept der Studierenden bewusst offen.

Bislang wird das Objekt nach Einschätzung der Studierenden recht unscheinbar in einer Vitrine gezeigt. Ihr Ausstellungsraumentwurf hat im Zentrum das Originalobjekt, also die 29 durchbohrten Zähne. Deren kreisförmige Anordnung kann der Besucher im neuen Entwurf spielerisch mit Animationen hinterfragen und virtuell neue Anordnungen ausprobieren. Um das Objekt herum sind konzentrisch weitere Informationsmöglichkeiten angeordnet, die sich die Besucher interaktiv erschließen können. „Bei der wochenlangen Beschäftigung mit dem Thema hat sich mein Blick auf den Gegenstand sehr verändert, man ist immer neugieriger geworden“, sagt Studentin Stefani Wiatowski vom Masterstudiengang Kommunikationsdesign. Neue Rechercheergebnisse hätten es immer wieder nötig gemacht, einmal gefasste Konzepte neu zu formulieren.

Das galt auch für jene Studierenden, die sich mit einer Neupräsentation der Sammlung von Tonmodellen (sogenannten Bozzetti) beschäftigte, die Johann Peter Wagner 1767 bis 1775 für die 14 Kreuzwegstationen des Käppele schuf. Ein Besucher gab bei den Befragungen an, die derzeitige Vitrine sehe aus „wie ein 70er-Jahre-Wartezimmer beim Arzt“. Das würde sich bei einer Realisierung des zugleich optisch ansprechenden wie multifunktionalen neuen Präsentationsraumes zum Positiven, Besucherorientierten hin ändern.

Geld spielte keine Rolle

Außerdem beschäftigten sich die Studierenden mit Konzepten für eine Neupräsentation von Tilman Riemenschneiders berühmter trauernder Maria aus Acholshausen (um 1505), von regionalen Weinkeltern sowie dem Stadtmodell von Würzburg im Jahr 1525.

Eine Realisierung der Ideen hängt nach den Worten der Museumsleiterin natürlich vom Geld ab. Der Finanzierungsaspekt sollte aber bei den studentischen Entwürfen ganz bewusst keine Rolle spielen, so Professor Fackler. „Aber es sind wichtige Anregungen“, sagt Museumsleiterin Lichte. „Die Studierenden stellen dieselben Fragen, die wir uns im Mainfränkischen Museum stellen.“

Die studentischen Modelle sollen eventuell beim Museumsfest des Mainfränkischen Museums am 6. September präsentiert werden.

Riemenschneider: Konzept zur Präsentation der Acholshäuser Madonna.
Riemenschneider: Konzept zur Präsentation der Acholshäuser Madonna.

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