VEITSHÖCHHEIM

Ringsgwandl, der Künstler-Alltag und der Kuss der Muse

Große Bühne für eine junge Würzburger Musikerin bei der Verleihung der Kulturpreise Foto: Thomas Obermeier

„Man muss bis an die Grenze dessen gehen, was man schafft.“ Georg Ringsgwandl, ehemaliger Mediziner, jetzt Kabarettist und Liedermacher mit schwarzem Humor und Angriffslust, steht im Foyer der Veitshöchheimer Mainfrankensäle und philosophiert über den Alltag des Künstlers. „Nichts fällt vom Himmel. Ein Künstler lebt nicht davon, dass ihn ab und zu eine Muse küsst.“ Ringsgwandl ist einer der Preisträger des Kulturpreises Bayern 2017.

Festlich und angefüllt mit farbigen Schlaglichtern ging die Verleihung dieses Preises über die Bühne. Die Veranstaltung, die zum 13. Mal stattfand, wird alljährlich vom Bayernwerk und dem bayerischen Kunstministerium jeweils in einer anderen bayerischen Stadt ausgerichtet. Bayernwerk-Vorstands-Vorsitzender Reimund Gotzel würdigte die 38 Preisträger aus allen Teilen des Freistaats, die per großformatigen Videos symbolhaft hinter einem Netzwerk gezeigt wurden: „Mit Ihrer Kreativität und Neugier geben Sie unserer Kunst- und Kulturszene, aber auch dem Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Bayern wertvolle Impulse.“

Der Gedankenblitz

Der Kulturpreis Bayern ist in der Sparte Kunst ist mit je 5000 Euro und in der Sparte Wissenschaft mit je 2000 Euro dotiert. Zusätzlich erhalten alle Preisträger die eigens für die Auszeichnung von dem Schwandorfer Bildhauer Peter Mayer geschaffene Bronzestatue „Gedankenblitz“. Den Sonderpreis verleiht das Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

In diesem Jahr wurden ein Sonderpreis und Auszeichnungen an fünf Künstler und 32 Wissenschaftler vergeben. In großer, glitzernder Abendrobe führte Moderatorin Eva Mähl, assistiert von zwei Bühnenhostessen, durch den Abend.

„Hirnschmalz und Leidenschaft“ gehören zur Erstellung einer Masterarbeit, weiß Matthias Keller-May, stellvertretender Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, der als Laudator die Preisträger der „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ auszeichnete. Unter anderen ehrte er die Harfenistin Barbara Eckmüller als beste Absolventin der Hochschule für Musik Würzburg für ihre Abschlussarbeit zur alpenländischen Volksmusik.

„Wow, so vielfältig ist Kunst“, freute sich der Schauspieler Ferdinand Schmidt-Modrow, einem großen Publikum bekannt aus der Vorabendserie „Dahoam is dahoam“ und vielen anderen Fernsehformaten. Als Laudator für die Preisträger der Kategorie „Kunsthochschulen“ wurde er von dem Physiker und Start-up-Unternehmer Joachim Kuhn abgelöst, der die Preisträger der Kategorie „Universitäten“ ehrte. In seiner Laudatio betonte er notwendige Fähigkeiten wie den Mut zum Betreten von Neuland, Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen und den Spaß an der Entwicklung während der Erstellung der Doktorarbeit. Zu den Preisträgern gehört auch Christine Ott von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die über Geschlechterrollenbilder in Schulbüchern seit der Kaiserzeit geforscht hat.

Spielkind bis ins hohe Alter

Laudator für die Preisträger der Kategorie „Kunst“ war der als „Rosenheim Cop“ bekannte Schauspieler Joseph Hannesschläger. Kunst könne nicht jeder, meinte er, man müsse schon Spielkind bis ins hohe Alter sein. Wie Michael von Au, gebürtiger Berliner und studierter Schauspieler, der nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen ist.

Oder die klassische Geigerin Veronika Eberle, für die die Begegnung mit ihrem Instrument Liebe auf den ersten Blick auslöste. Sie bedankte sich mit philosophischen Gedanken in einer Videobotschaft aus Tokio, während ihre Eltern den „Gedankenblitz“ entgegennehmen konnten.

Ein Fingerabdruck der Schöpfung werde auf seinen Werken sichtbar, bescheinigte der Laudator dem Steinbildhauer Toni Scheubeck, der aus Granit Kunstwerke schafft.

„Jazz können nur die wirklich Großen“, so der Laudator, wie der Schweinfurter Michael Wollny, derzeit mit seinem Trio in Irland unterwegs, der bereits acht Mal den Jazz-Echo bekommen hat und sich per Videobotschaft bei Eltern, Lehrern und Jury bedankte und durch seine charmante Schwester einen Gruß verlesen ließ.

Georg Ringsgwandl, „ein absolut einzigartiger Künstler, der in kein Genre passt“, amüsierte das Publikum mit der Aussage, es sei sein chronisches Problem, dass er „nix zum Sagn“ habe. Dann sagte er doch was: der Preis möge junge Leute ermutigen, „nicht scheißen, einfach machen“.

Kunst, die sich nützlich macht

„Design ist Kunst, die sich nützlich macht.“ So erhielt der Designer und Künstler Konstantin Grcic, dessen Kunstwerke in der ganzen Welt zu sehen sind, aus den Händen von Bayerns Kunststaatssekretär Bernd Silber den Sonderpreis.

Im Rahmenprogramm waren die witzige Band Pam Pam Ida und das Silberfischorchester aus Sandersdorf zu hören, der Leiter der Bayerischen Theaterakademie August Everding Hans-Jürgen Drescher mit Infos zum Prinzregententheater München und dem Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, die grandiose Mezzosopranistin Natalya Boeva, begleitet von Oresta Cybriwsky am Klavier, und die Altneihauser Feierwehrkapell?n mit bekannt frechen Sprüchen.

Ringsgwandl im Gespräch Foto: Thomas Obermeier

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