Würzburg

Samy zieht Deluxe-Show ab

Samy Deluxe brachte in der Würzburger Posthalle 3000 Fans in Bewegung.
Samy Deluxe brachte in der Würzburger Posthalle 3000 Fans in Bewegung. Foto: Silvia Gralla

Erst mal sorgt ein Stuttgarter Bub für Bewegung im Saal: Afrob, in Italien geborener Rapper und VfB-Fan mit eritreischen Wurzeln, heizt die Stimmung an für Samy Deluxe, zu dessen Rap-Event sich knapp 3000 Fans in der Würzburger Posthalle drängeln.

Mit seiner „SaMTV Unplugged“-Tour füllt der umjubelte Meister des rhythmischen Sprechgesangs deutschlandweit die Hallen, ein Zuspruch, den diese „Deluxe“-Show durchaus verdient.
Samy verlässt sich dabei nicht nur auf seine eigenwillige Ausdruckskraft in Wort und Ton. Das begleitende DLX-Ensemble erweist sich als Band mit beachtlicher Instrumentenvielfalt, die sowohl fetzigem Rap als auch sanfteren Kompositionen einen breiten Rahmen bieten. Die drei vollen weiblichen Stimmen liefern dazu einen akzentuierten Background. Mit Afrob, Kid Soul und Chefket Skit holt sich der Hamburger potente gesangliche Mitstreiter ins Scheinwerferlicht und kreiert mit ihnen explosive „Zwiegespräche“, in die er auch gerne sein Publikum mit einbezieht. Die Rap-Gemeinde, überwiegend in den Twenties oder knapp darüber, steht keine Sekunde still.

Ein Blick ins Poesiealbum

Nach einem Blick in sein „Poesiealbum“, in dem Brecht, Kästner und Reich-Ranicki durchgeblättert werden, bringt er mit „Dreist“ den herkömmlichen Eigentumsbegriff etwas ins Wanken. Auch in den meisten folgenden Liedern gestaltet der 41-Jährige seine Texte frech, aufrüttelnd, rebellisch und vergisst dabei nicht, sein eigenes Image nachdrücklich zu verteidigen wie in „Exodus“. Oft steigern sich die Vorträge in ein derart rasantes Tempo, dass jegliches Textverständnis aussetzt. Stört die Fans, die bei den ellenlange Passagen ohnehin kaum mithalten können, nicht: Der Sound, der Rhythmus, der Beat bringt’s!

Doch auch der Turbo-Rapper braucht’s mal etwas ruhiger: „Ich wär so gern dein Superheld“ erzählt er nachdenklich, liebevoll und selbstkritisch seinem Sohn. Seine Vita breitet er recht behutsam in „Mama liebt mich“ aus. Da wird’s kuschelig in der Menge, aber bevor Stehblues um sich greift, bringen „Mehr, Mehr, Mehr“ und „Fantasie Part 1“ den Hip-Hop-Schmiss zurück. Und Samys Mutmacher „Eines Tages werd‘ ich wieder glücklich sein“ relativiert als hoffnungsfrohe Prognose so manchen düsteren Rap-Song. Jubel, Trubel, Beifallsstürme!

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