KEMPTEN/WÜRZBURG

Schluss mit lustig: Klüpfel & Kobr machen Pause von Kluftinger

Klüpfel Kobr Kluftinger
„Wir sind nicht nur Kluftinger-Schreiber“: Michael Kobr (links) und Volker Klüpfel bei einem ihrer Live-Auftritte. Foto: Ralf Lienert

Radikaler könnte der Genrewechsel kaum sein. Bisher schrieben Volker Klüpfel und Michael Kobr über einen Kommissar namens Kluftinger, der grantelnd, aber auch gewieft Morde im Allgäu aufklärt. Die Romane, die eine Millionen-Leserschaft fanden, sind eine rundum vergnügliche Sache. Doch nun ist Schluss mit lustig. Die beiden Autoren aus Kempten (Klüpfel) und Memmingen (Kobr) bringen am Dienstag einen todernsten Thriller auf den Markt. Im März sind sie damit im Rahmen des neuen Würzburger Festivals MainLit in Veitshöchheim zu erleben.

Mit „Draußen“ wechseln sie von den Allgäuer Wiesen in den Brandenburger Urwald, von der Kemptener Kripo in den Berliner Politikbetrieb, von Kässpatzen-Liebhabern zu Wildschweinjägern. Und die Hauptfigur ist nicht ein älterer weißer Mann, sondern ein 17-jähriges Mädchen mit dunkler Hautfarbe.

Die beiden Allgäuer wagen sich an etwas ganz anderes. Warum bloß? Schließlich verkauften sich die bisher zehn Kluftinger-Krimis im deutschsprachigen Raum blendend. Sie möchten einfach mal „lustvoll einen neuen Weg ausprobieren“ und zeigen, dass sie auch anderes können, antwortet Volker Klüpfel. „Wir wollen als Autoren wahrgenommen werden, nicht nur als Kluftinger-Schreiber.“ Michael Kobr steuert eine spaßigere Erklärung bei: „Man könne ja nicht immer nur Kässpatzen essen“, sagt er.

Ein Genrewechsel sei für sie auch eine Befreiung aus dem Zwang, den Kluftinger-Fans regelmäßig humorvoll-kriminalistisches Lesefutter zu servieren. Wobei das Autorenduo vor drei Jahren schon mal Humor anderer Art auftischte: Im Roman „In der ersten Reihe sieht man Meer“ unternahmen sie eine heiter-nostalgische Reise ins Italien der 1980er Jahre.

Düsteres Endzeit-Szenario

Nun also ein düsteres, brutales Endzeit-Szenario, garniert mit Action und Gewalt, Mord und Totschlag. Der Plot für „Draußen“ stammt aus zwei Ideen: Michael Kobr hatte eine Reportage über die sogenannte Prepper-Szene gelesen und wollte etwas über Menschen schreiben, die sich auf angeblich drohende Katastrophen vorbereiten, indem sie Survival-Camps in Wäldern besuchen. Volker Klüpfel dagegen kam auf die Fremdenlegion, die legendäre Spezialeinheit des französischen Heers.

In ihrem 380-Seiten-Roman verbinden sie beides zu einer Rachestory. Inwiefern, das sei hier nicht verraten. Grob gesagt, geht es um einen Mann, der sich zusammen mit zwei Jugendlichen in den dichten Wäldern von Brandenburg versteckt. Dieses Leben außerhalb der Zivilisation ist ein steter Kampf ums Überleben, denn das Trio wird bedroht. Nach und nach wird klar, was das mit Politikern und Lobbyisten im gar nicht so weit entfernten Berlin zu tun hat.

Das Gesamtbild ist lange unklar

„Verdammt, wir sind hier nicht in einem Jackie-Chan-Film“, lassen Klüpfel und Kobr einen ihrer Protagonisten fluchen. Aber genau das ist dieser Roman: ein ziemlich verrückter Action-Thriller in Buchform samt kuriosem Personal. Die Krimi-Spezialisten bauen von der ersten Seite an Spannung auf und halten sie bis zuletzt. Als geschickte Konstrukteure von Plots wissen sie, was das Genre verlangt: Sie bieten ein Puzzle an, bei dem sich immer nur ein paar Teile ineinanderfügen. Das Gesamtbild aber bleibt lange unklar. Was zum Weiterlesen anregt. Die Figuren sind zwar extrem, aber durchaus nachvollziehbar gezeichnet. Außerdem können die Autoren filmisch erzählen und damit im Kopf der Leser Kino entstehen lassen.

Es gibt freilich auch einige haarsträubende Wendungen, die Verbindung zwischen der Verbrecherwelt und dem Politikbetrieb ist eigentümlich konstruiert, und beim Showdown rutscht der vorher recht realistische Plot ins Surreale. „Wir schreiben nicht hohe Literatur, sondern Unterhaltung“, sagt Volker Klüpfel. Das funktioniert in diesem Erstlings-Thriller. Schon haben Klüpfel und Kobr Anfragen für eine Verfilmung des Stoffes erhalten.

Natürlich sind die beiden Autoren gespannt, wie ihr Genrewechsel beim Publikum ankommt, wie viele Klufti-Freunde zu diesem Roman greifen und wie viele neue Leser sie hinzugewinnen können. „Die Nervosität steigt“, sagt Michael Kobr. Die Reaktionen auf dem Internetportal Vorablesen.de, wo eine Leseprobe steht, sind durchweg positiv. Vor allem die Spannung von „Draußen“ wird gelobt.

Wie auch immer das Experiment ausgeht: Klüpfel und Kobr werden zum kultigen Kluftinger zurückkehren. Die Folge 11 des Allgäu-Krimis sei in Planung, die Figur sei ja „noch nicht auserzählt“, sagen sie. Geschrieben ist bis jetzt aber nichts. Zunächst einmal geht das Autorenduo mit „Draußen“ auf Lesereise.

Volker Klüpfel, Michael Kobr: Draußen. Ulstein Verlag, 384 Seiten, 19.99 Euro. Gastspiel: Klüpfel & Kobr gastieren am 9. März 2020, 19.30 Uhr, beim neuen Literatur-Festival MainLit in den Mainfrankensälen Veitshöchheim. Karten unter Tel. (0931) 6001 6000.

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