HALLE (SAALE)

Sensation mit Gustav Klimt

Den dekorativen Jugendstil findet man auch in Klimts Naturdarstellungen ( Buchenwald“, um 1902) Foto: Staatsl. Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel/Hans-Peter Klut

Nun also Gustav Klimt. Nach ehrgeizigen Projekten in den beiden vergangenen Jahren hat das vergleichsweise kleine Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) eine weitere Sensation realisiert. Denn sensationell ist tatsächlich, was im 100. Todesjahr des Wiener Jugendstilmeisters Gustav Klimt – er starb 55-jährig am 6. Februar 1918 – präsentiert wird: Zehn Gemälde von den akademischen Anfängen des Malers und Grafikers in den 1880er Jahren bis in sein Todesjahr 1918, vereint mit 63 Zeichnungen, die teils zu Hunderten Porträts, aber auch den Wandbildern etwa im Wiener Burgtheater vorausgingen.

So ist Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich zu Recht stolz darauf, dass sein Haus 2018 die einzige Klimt-Schau in Europa – „eigentlich weltweit“ – außerhalb Österreichs zeigen kann. Obendrein sei es die erste große Werkschau zum Schaffen des Künstlers in Deutschland. Eine derart umfassende Präsentation außerhalb von Wien und New York, wo sich die größten Bestände an Klimt-Werken befinden, „ist heute aufgrund der Fragilität der Arbeiten und der besonderen Rahmenbedingungen ihrer Ausleihe nur noch mit großen Anstrengungen möglich“, erklärt Bauer-Friedrich. Immerhin knapp 30 öffentliche und private Leihgeber aus sieben Nationen von den USA bis Japan stellten sich für das hallesche Kunstmuseum als Leihgeber zur Verfügung.

Bunte Sinnenfreude

Möglich wurde dies vor allem dadurch, dass die Moritzburg selbst seit 1966 im Besitz eines Klimt ist: Zur Sammlung gehört das duftig schwerelose Damenporträt „Marie Henneberg“, das Klimt 1901/1902 in Öl auf Leinwand geschaffen hat. Sie war die Ehefrau des Wiener Physikers, Fotografen, Grafikers und Mäzens Hugo Henneberg – Mitglied der Künstlerkolonie „Hohe Warte“ in Wien. Er stellte das Bild in seiner Villa inmitten der exquisiten Ausstattung aus der „Wiener Werkstätte“ zur Schau. Es gelangte 1920 nach Leipzig, später von dort zur Moritzburg.

„In DDR-Zeiten wurde es nicht ständig ausgestellt, Klimt hatte darin keine Bedeutung“, erzählt Wolfgang Büche, Kustos der Gemäldesammlung. Er hat die Klimt-Ausstellung kuratiert und führt durch die vier Themenräume mit ansprechender Ausstellungsarchitektur. Büche verweilt bei dem Brustbild der „Schwester Klara“ (um 1880), bei der in bunter Sinnenfreude schwelgenden „Eugenia Primavesi“ (1913) oder der unvollendeten „Amalie Zuckerkandl“ (1917).

Weichheit des Naturempfindens zeigt sich in Klimts Landschaftsmalerei: Ergebnisse seiner Aufenthalte am Attersee im Salzburger Land. Büche rühmt die „geniale Farbspiel-Mischung“ dieser opulenten Bilder, die Klimt zunächst nur für sich selbst gemalt habe: „Da war er bei sich“, meint Büche.

„Klimts „Sensibilität im Strich“ zeigt sich schon in seinen Zeichnungen. Es sind zumeist figürliche Studien und Frauenakte voll sexueller Andeutungen. Sie spiegeln das geistige Klima um 1900 wider, das Wien Sigmund Freuds und Arthur Schnitzlers. Die Sexualität, die diese zarten Aktzeichnungen ausstrahlen, schwebt zwischen Selbstbewusstsein und Voyeurismus.

Werte im dreistelligen Millionenbereich

Vervollständigt wird die Ausstellung durch eine Kabinett-Präsentation moderner künstlerischer Fotografie von Hugo Henneberg (1863 bis 1918), die den Bogen zurückschlägt zum Bildnis „Marie Henneberg“. Er war Freund, Kollege und Zeitgenosse der Wiener Secession um Gustav Klimt und schuf beeindruckende sogenannte Gummidrucke, die selten in Deutschland zu sehen sind. Darüber hinaus bediente sich Henneberg auch druckgrafischer Techniken wie der ie des Linolschnitts und der Radierung. Gezeigt wird ein Querschnitt seines Schaffens, ergänzt um einen originalen Salonschrank aus der Villa Henneberg sowie Objekte der Wiener Werkstätte, wie sie in der Villa der Hennebergs nachgewiesen sind.

Die Kunstwerke von Gustav Klimt gehören generell zu den teuersten auf dem internationalen Kunstmarkt. So nennt Museumsdirektor Bauer-Friedrich für seine Sonderausstellung in der Moritzburg auch einen Versicherungswert in dreistelliger Millionenhöhe. Der „Zauberer aus Wien“, wie die Präsentation titelt, soll es auch schaffen, mindestens 30 000 bis 50 000 Besucher nach Halle zu holen.

Die Klimt-Ausstellung ist bis 6. Januar 2019 im Kunstmuseum Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, Halle (Saale) täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Am 24. und 31. Dezember geschlossen, Mittwoch, 2. Januar, geöffnet.

„Schlafendes Mädchen“, eine Zeichnung von Gustav Klimt. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Gustav Klimt (um 1908) Foto: bpk/D'Ora Benda
Irgendwie typisch Klimt: Eugena Primavesi (1913/14), zu sehen im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Foto: Austrian Archives/Scala Florence

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Marion Krüger-Hundrup
  • Arthur Schnitzler
  • Gustav Klimt
  • Kunstmuseen und Galerien
  • Museumsleiter
  • Saale
  • Sensationen
  • Sigmund Freud
  • Zeichnungen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!