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Serien zum Daheimbleiben: Wie man die Ausgangsbeschränkung meistert

Altersmilde Star-Trek-Kapitäne, kantige Secret-Service-Agenten, kindsköpfige New Yorker Cops: Eine erste kleine Empfehlungsliste für das heimische Entertainment-Programm.
Am Eingang zur Zeitreise-Höhle: Louis Hofmann als Jonas Kahnwald in "Dark". Foto: Julia Terjung/Netflix/dpa

Nachdem die Ausgangsbeschränkungen nun da sind, weil zu viele Leute nicht bereit waren, sich freiwillig an die Corona-Schutzauflagen zu halten, wird es höchste Zeit, sich Gedanken über heimische Entertainment-Programme zu machen. Wir werden deshalb in den nächsten Wochen immer wieder Tipps geben, zum Beispiel, welche Bücher man mal wieder lesen könnte, welche CDs hören, welche Filme schauen. Schier unerschöpflich ist das Angebot an Streaming-Serien.

Wer sich durch all die Genres, Neuerscheinungen oder Empfehlungen ("Weil Sie 'Bonanza' angeschaut haben...) klickt, verliert schnell die Orientierung. Deshalb hier eine erste, kleine Zusammenstellung, die über die ersten Tage hinweghelfen könnte – auch wenn es hin und wieder etwas ruckeln könnte, weil das Internet überlastet ist und etwa Netflix schon angekündigt hat, die Übertragungsrate für Streams in Europa zu reduzieren.

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 Sitcom: "Brooklyn Nine-Nine"

Worum geht's?

Ein Polizeirevier in Brooklyn, New York. Mit einer ziemlich bunten Schar Detectives: der schlaue Kindskopf Jake, sein Bewunderer Charles, die Streberin Amy, die coole Rosa, die anarchische Sekretärin Gina, der furchteinflößende, aber herzensgute, Yoghurt liebende Sergeant Terry und die beiden Sesselfurzer (im wahrsten Sinne) Hirtchcock und Scully. Und: der extrem strenge, extrem humorlose Captain Holt. Holt war einst der erste offen schwule schwarze Cop in New York, weswegen ihn kaum mehr etwas schrecken kann. Dieser bunte Haufen also wächst – natürlich – zu einem echten Team zusammen, das verzwickteste Fälle löst. Manchmal auch aus Versehen...

Was ist daran besonders?

Auf die Fälle kommt es gar nicht so sehr an, vielmehr auf Wortwitz, Situationskomik und Running Gags. So veranstaltet das Team in jeder Saison (die siebte hatte gerade Premiere) an Halloween eine Schnitzeljagd, die von Mal zu Mal extremer, absurder und lustiger wird. Vor allem aber ist "Brooklyn Nine-Nine" eine fortwährende Werbung für Warmherzigkeit, Toleranz und Diversität. Komik im Dienste der Menschlichkeit. Funktioniert nicht immer, hier aber besonders gut.

"Brooklyn Nine-Nine" läuft auf iTunes, Amazon Prime und Netflix

Matt Dillon als Ethan Burke in "Wayward Pines". Foto: Liane Hentscher, Fox
Mystery/Krimi: "Wayward Pines"Worum geht's?

Der Secret-Service-Agent Ethan Burke hat einen Unfall und landet mit Gedächtnisverlust im Krankenhaus der sonderbaren Kleinstadt Wayward Pines irgendwo in Idaho und in den Händen der gruseligen Krankenschwester Pam. Wie sich herausstellt, lebt seine ehemalige Agenten-Partnerin (und Geliebte) Beverly verheiratet mit einem Handwerker hier – seit Jahren. Das ist völlig unmöglich, die Zeiten passen nicht zusammen, aber Beverly kann beweisen, dass ihre Behauptungen stimmen. Zusätzlich irritiert Ethan Burke, dass es unmöglich ist, die Stadt zu verlassen, und dass auch sonst im täglichen Leben rigide Regeln gelten. Die Auflösung dieser Unstimmigkeiten ist atemberaubend und Ausgangspunkt für hochspannende Verwicklungen.

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Was ist daran besonders?

Das virtuose Spiel mit mehreren Zeitebenen, die immer neuen Enthüllungen, die das Gesamtkonstrukt immer komplizierter machen und dabei trotzdem stimmig bleiben. Und das Spiel von Matt Dillon als kantiger, sturer und hartnäckiger Ethan Burke. Er ist leider nur in der ersten von zwei Staffeln dabei.

"Wayward Pines" läuft auf iTunes und Amazon Prime

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Mystery: "Dark"

Worum geht's?

Winden, eine deutsche Kleinstadt. Der kleine Mikkel verschwindet spurlos. Ein anderer Junge wird tot aufgefunden, niemand kennt ihn – vorerst. Ein Atomkraftwerk mit einem mysteriösen Störfall. Vögel, die tot vom Himmel fallen. Eine Stadtgemeinschaft, in der fast alle etwas zu verbergen haben. Erwachsene, die ihre Ehepartner betrügen, Jugendliche, die um ihren Platz im Leben ringen. Und eine geheimnisvolle Höhle, die sich als Zeitportal entpuppt. Dazu jede Menge finsterer Figuren, die über geheimnisvolles Wissen verfügen, das sie nur bröckchenweise preisgeben. Am Ende von Folge 2 kommt die Serie auf einer zweiten Zeitebene an, es werden noch drei weitere hinzukommen. Es stellt sich nicht mehr die Frage "Wo ist Mikkel?", sondern "Wann ist Mikkel?"

Was ist daran besonders?

"Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist nur eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige." Dieses Zitat von Albert Einstein steht am Beginn einer der wenigen deutschen Serien, die auch in den USA Furore machen. "Dark" ist komplex, atmosphärisch dicht und philosophisch herausfordernd. Ideal also fürs Anschauen am Stück – wer größere Pausen zwischen den Folgen macht, läuft schnell Gefahr, nicht mehr durchzublicken.

"Dark" läuft auf Netflix

Patrick Stewart als Jean-Luc Picard und Isa Briones als Dahj in der Amazon-Serie "Star Trek: Picard".  Foto: Matt Kennedy/CBS/ Amazon Prime Video/dpa

Science Fiction: "Star Trek: Discovery" und "Star Trek: Picard"

Worum geht's?

"Star Trek: Discovery", die sechste Serie aus dem Star-Trek-Universum, spielt zehn Jahre vor "Raumschiff Enterprise". Sternenflotten-Offizierin Michael Burham meutert gegen ihren Captain und löst einen Krieg mit den Klingonen aus. Das ist erstmal nicht so gut. Sie wird degradiert, verurteilt und soll in einem Strafkolonie verlegt werden, als sie von der USS Discovery aufgegriffen wird. Und wie sich das gehört, landet die Discovery postwendend in einem Parralleluniversum, in dem die Rollen neu verteilt sind. Die Klingonen allerdings gehören weiterhin zu den unangenehmsten Zeitgenossen im All. Michael Burnham jedenfalls entwickelt sich zu einer weiteren idealen Star-Trek-Führungsfigur, würdig, in einer Reihe zu stehen mit Kirk, Picard und Janeway. Viele Effekte, viel Kawumm, aber auch viel Psychologie und Spannung.

"Star Trek: Picard" hingegen beginnt extrem vorhersehbar: Jean-Luc Picard wird auf seinem Weingut in der Provence von seiner Vergangenheit eingeholt. Eine Rettungsmission wird nötig, ein Schiff muss gefunden und ausgestattet werden, das alles natürlich geheim und vorbei an der Sternenflotte. Lichtblick: das Wiedersehen mit Jeri Ryan als Seven of Nine.

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Was ist daran besonders?

Während die neueste Kreation "Star Trek: Picard" mit dem altersmilden Patrick Stewart (unerhört, dass ihn mittlerweile Leute "JL" für Jean-Luc nennen dürfen) nur mühsam in die Pötte kommt, ist "Star Trek: Discovery" turbulent, vital und immer wieder überraschend. Und das ist eine echte Leistung, bedenkt man, dass die Autoren der Serien in 55 Jahren längst alle erdenklichen dramaturgischen und moralischen Konstellationen durchgespielt haben.

"Star Trek: Picard" läuft auf Amazon Prime, "Star Trek: Discovery" auf Amazon Prime und Netflix

Der Schauspieler Bastian Pastewka während eines Interviews. Nicht zu verwechseln mit der Serienfigur Pastewka.  Foto: Britta Pedersen/dpa

Comedy: "Pastewka"

Worum geht's?

Der Comedian Bastian Pastewka als er selbst. Angeblich. Wir hoffen jedenfalls, dass Serienfigur und Person nicht allzu identisch sind. Der Serien-Pastewka jedenfalls ist egozentrisch, egoistisch, tollpatschig, ein bisschen hinterhältig, nicht allzu ehrlich und manchmal sogar gemein. Wann immer er die Wahl hat zwischen leicht peinlicher Wahrheit und (vermeintlich) bequemer Lüge, entscheidet er sich für die Lüge. Und setzt damit immer wieder die gleiche Spirale des Verderbens in Gang. Da hat er einen kleinen Mist gebaut, zum Beispiel mit dem Fahrrad einen Kratzer in ein Auto gemacht. Die Autofahrerin verwechselt ihn mit Ingolf Lück, Pastewka korrigiert sie nur halbherzig, drückt ihr ein bisschen Geld in die Hand und haut ab. Und so zeigt die Autofahrerin Lück wegen Fahrerflucht an. Los geht's: Eine Notlüge gebiert die nächste, und es wird nicht lange dauern, bis zum ersten Mal der Satz fällt, der in fast jeder Pastewka-Folge fällt: "Pastewka, du/Sie bist/sind sooo ein Arschloch!"

Was ist daran besonders?

Bastian Pastewka gelingt mit seinem Serien-Ich ein Riesenkunststück: Im Laufe von zehn Staffeln wächst er einem ans Herz, und das weitgehend ohne unglaubwürdige Läuterungsprozesse oder Persönlichkeitsveränderung. Ganz zum Schluss scheint er zwar einiges begriffen zu haben (unter anderem, dass andere Menschen auch legitime Bedürfnisse haben), so richtig traut der Zuschauer dem Frieden aber nicht. Der nächste Fauxpas liegt unausweichlich in der Luft, aber so ist es halt. Warnung: Nichts für Menschen, die beim Fremdschämen zu arg mitleiden.

"Pastewka" läuft auf Amazon Prime

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