Störsender.tv: Erwin Pelzig und andere Verrückte

Störsender.tv: Im Internet wollen Dieter Hildebrandt und Kollegen eine Plattform für Satire entstehen lassen
„Plattform für Störereien“: Dieter Hildebrandt will mit Störsender.tv im Internet Fernsehen machen. Ein Logo gibt's schon mal.
„Plattform für Störereien“: Dieter Hildebrandt will mit Störsender.tv im Internet Fernsehen machen. Ein Logo gibt's schon mal.

Zum ersten Mal hat er davon im Auto gehört, im Radio. Und dann war für Frank-Markus Barwasser schnell klar, dass er Dieter Hildebrandt irgendwie unterstützen will bei dessen Versuch, wieder regelmäßig auf den Bildschirm zu kommen. Mit mittlerweile 85 Jahren will der der unumschränkte Altmeister des politischen Kabaretts im deutschsprachigen Raum wieder stören – im Internet. Störsender.tv soll der Kanal heißen, in dem Dieter Hildebrandt und viele weitere bekannte Sprachakrobaten der Satire auf den Putz hauen wollen.

Der Journalist Stefan Hanitzsch, Sohn des bekannten Karikaturisten Dieter Hanitzsch (79), hatte die Idee zu dem Projekt, das eine „Plattform für Störereien“ sein soll. Ein Angebot an „alle Menschen, die das Denken noch nicht eingestellt haben“, wie Hanitzsch bei der Vorstellung in München sagte.

„Wir sind das menschliche Verdummungspotenzial und werden uns immer wieder ganz spontan aufregen“, erklärte Hildebrandt. „Auf diesem Fernsehkanal können Verrückte Dampf ablassen. Ich mache weiter, was ich zuvor gemacht habe – nur mit einem Ensemble.“ Das habe ihm gefehlt.

Die Großmeister und einige andere

Die Großmeister des Kabaretts folgten seinem Ruf, einige andere auch: Neben Barwasser und seinem Anstalts-Chef Urban Priol haben unter anderem ihre Hilfe zugesagt Gerhard Polt, Georg Schramm, Sigi Zimmerschied, Konstantin Wecker, Roger Willemsen, Michael Altinger, HG. Butzko, Ottfried Fischer, Monika Gruber, Luise Kinseher, Sandra Kreisler, Ecco Meineke, Maria Peschek, Martina Schwarzmann, Ludo Vici, Hans Well.

Barwasser sagt, ihn reize vor allem dieses „Zurück zu den Wurzeln“, etwas auf die Beine zu stellen mit minimalen Mitteln. „So haben wir doch alle mal angefangen“, sagt der aus Würzburg stammende Kabarettist, der sich an sein erstes Programm erinnert, „Nüssleins Fügung“. Er glaubt, dass Improvisation auch so zu Kunst werden kann. Bei der ZDF-Sendung „Neues aus der Anstalt“ braucht er nur zu sagen, dass er – wie zuletzt – drei Klohäuschen und eine Jahrmarktsbude will, schon steht das Bühnenbild. Das geht beim Störsender, dessen Beiträge im Arbeitszimmer von Karikaturist Hanitzsch entstehen sollen, natürlich nicht. Barwasser könnte sich auch vorstellen, dass sein Erwin Pelzig mal Hildebrandt interviewt, den er gerne leiden mag. „Auch die Zusammenarbeit mit ihm hat mich gereizt“, sagt Barwasser. Und das passt ganz gut, weil ja auch der Pelzig ein Störenfried ist, der auf der Bühne immer wieder dazu aufruft, sich einzumischen und zu rebellieren. Ziel des Störsenders ist es, Menschen und Organisationen zu stören, die die Demokratie stören. Bevor das Fernsehen im Internet allerdings auf Sendung gehen kann, müssen erstmal 125 000 Euro eingesammelt werden.

Crowdfunding für 125 000 Euro

Die Summe soll mittels sogenanntem Crowdfunding zusammenkommen, also mit Schwarmfinanzierung im Internet. Mit diesem Betrag wären zumindest für dieses Jahr 20 Ausgaben der jeweils halbstündigen Sendungen garantiert. Die Finanzierungsform sichere „eine maximale redaktionelle und künstlerische Freiheit“, sagt Hanitzsch, der freiberuflich an diversen Medienprojekten beteiligt ist, früher unter anderem für den „Münchner Merkur“ und die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb und auch mal Pressesprecher einer Partei war. Auf Werbung und Anzeigen soll verzichtet werden, die Künstler machen ohne Gage mit.

Jeder, der sich an der Finanzierung beteiligen will, muss mindestens fünf Euro locker machen. Dafür können die Förderer oder VIPs (Very Intelligent Pressefreiheitskämpfer) – je nach Höhe ihres Betrags – auch ein Dankeschön erhalten. Das reicht von Postern mit Störsender-Logo über T-Shirts, ein von Hildebrandt signiertes Plakat oder eine von Hanitzsch signierte Karikatur als DIN-A-3-Druck bis hin zum Eintritt für Vorstellungen von Hildebrandt in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Sollten bis zum 10. Februar die erforderlichen 125 000 Euro nicht zusammenkommen, bekommen die Spender ihr Geld zurück, verspricht Hanitzsch. Am Dienstagnachmittag, 15. Januar, waren rund 82 000 Euro zugesagt.

Das Geld fließt auf ein Treuhandkonto von Startnext.de. Laut deren Macher ist das die größte Crowdfunding-Plattform im deutschsprachigen Raum für Kreative, Gründer und Erfinder.

Weitere Infos: www.startnext.de/stoersender www.pelzig.de

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