WÜRZBURG

Stoning Mary im Mainfranken Theater: Banale Dialoge vor Blechwänden

Düstere Elendsgeschichte: Edith Abels und Max De Nil in „Stoning Mary“ am Würzburger Mainfranken Theater.
Düstere Elendsgeschichte: Edith Abels und Max De Nil in „Stoning Mary“ am Würzburger Mainfranken Theater. Foto: Nico Manger

Glänzende Blechwände kleiden die Bühne vollständig aus und schaffen kalte Garagenatmosphäre in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters. Ein Un-Ort und zugleich Überall-Ort ist der Schauplatz für Caro Thums Inszenierung von „Stoning Mary – Marias Steinigung“.

Der Bühnentext – von einem konventionellen Stück lässt sich schwerlich sprechen – der britischen Autorin Debbie Tucker Green verknüpft drei angedeutete Handlungsstränge zu einer düsteren Elendsgeschichte, die laut Regieanweisung in der Gegenwart „in dem Land spielt, in dem sie aufgeführt wird“. Die Dramaturgie des Mainfranken Theaters sieht die preisgekrönte Jungdramatikerin in der Nachfolge der jungen britischen Wilden wie Sarah Kane, Mark Ravenhill oder Irving Welsh („Trainspotting“), die in den 90er-Jahren mit ihrer kraftvollen und direkten Sprache von London ausgehend neue Impulse ins Theater brachten.

Von Sprachgewalt ist in der Würzburger Inszenierung allerdings wenig zu hören. Reichlich statisch liefern zwei Paare (Edith Abels, Max De Nil, Anne Diemer, Philipp Reinheimer) und eine junge Frau (Anna Sjö- ström) im nüchternen Stil von Nachrichtensprechern schlichte, um nicht zu sagen banale Dialoge ab. Sie sollen Wut und Verzweiflung ausdrücken, bleiben aber reichlich emotionslos und transportieren allenfalls Leere und viel Weitschweifigkeit, so dass der Abend im ausgestellt Künstlichen stecken bleibt.

Eingefahrene Sehgewohnheiten der westlichen Welt auf internationale Konflikte will der Texte in Frage stellen, den Blick schärfen für das zweierlei Maß, mit dem Verletzungen von Menschenrechten betrachtet werden. Aber ist es wirklich schon Irritation, wenn auf der Bühne, abgesehen von gelegentlichen Positionswechseln der Sprecher, nichts passiert?

Die existenzielle Verzweiflung über die tristen Lebensverhältnisse und die Gier nach dem das Überleben garantierenden Medikament werden optisch nicht sichtbar. Und weil auch die im Programmzettel behauptete politische Poetik der Sprache sich partout nicht einstellen will, können sich auch siebzig gespielte Minuten zum unendlich langen Abend dehnen.

Nächste Vorstellungen am 22., 25., 28. und 30. März. Eintrittskarten unter Tel. (09 31) 39 08 - 1 24.

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