Würzburg

TBC im Bockshorn: Gag-Feuerwerk unterschiedlicher Qualität

DasTotale Bamberger Cabaret sorgt auch bei Hitze mit „Wann, wenn nicht wir?" für volles Haus.Ein Phänomen, das sich auf den ersten Blick nicht so recht erschließen will.
Das Totale Bamberger Cabaret mit (von links) Michael A. Tomis, Florian Hoffmann und Georg Koeniger, hier bei einem Auftritt in Schweinfurt.
Das Totale Bamberger Cabaret mit (von links) Michael A. Tomis, Florian Hoffmann und Georg Koeniger, hier bei einem Auftritt in Schweinfurt.
Foto: Ursula Lux

Weder Hitzewelle noch bestes Biergartenwetter konnten die Fans des Totalen Bamberger Cabarets stoppen. So war das Würzburger Bockshorn nach dem erfolgreichen Auftritt im April beim Wiederholungsabend von „Wann, wenn nicht wir?"erneut bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Phänomen, das sich auf den ersten Blick nicht so recht erschließen will.

Denn das nach eigenen Worten „Dienstälteste Kleinkunsttrio Deutschlands“ ist einerseits doch deutlich in die Jahre gekommen, andererseits immer noch voll von jener geradezu anarchischen Spielfreude und Gag-Dichte, die sich das Ensemble seit Mitte der 80er Jahre trotz etlicher personeller Wechsel bewahrt hat. Die aktuelle Besetzung mit Georg Koeniger, Florian Hoffmann und Michael A. Tomis agiert nun auch schon wieder sechs Jahre gemeinsam und hat ihr schräges Comedy-Format weiter perfektioniert.

Das geht inhaltlich nicht allzu sehr in die Tiefe

Das geht inhaltlich nicht allzu sehr in die Tiefe und gibt in unverbundenen Nummern allerlei Gegenwartsphänomene der Lächerlichkeit preis: Da wird in der fiktiven Reihe „Die letzten ihrer Art“ der letzte SPD-ler vorgeführt, dort diskutiert ein Faschings-Elferrat über das (unlösbare?) Problem, eine Prunksitzung ohne Rassismus, Sexismus und Diskriminierung durchzuführen; da wird die Flut der ARD-Brennpunkte am Beispiel eines „umgefallenen Sackes Reis in einer chinesischen Provinzstadt“ köstlich persifliert, dort die Beziehung zwischen einem Mann und seiner „Inge“ (der Name seines Computers) in einer zeitgemäßen Form von Paartherapie gerettet.

Was in diesen vermeintlich unpolitischen Fragestellungen noch leidlich funktioniert, wird in den stärker parteipolitischen, populismus- oder kirchenkritischen Nummern zunehmend schlüpfrig oder gar fragwürdig. Auch die Tatsache des massenhaften Insektensterbens hätte durchaus eine komplexere Behandlung verdient gehabt als das Kalauerverseuchte Betroffenen-Meeting in der Kneipe „Zur leuchtenden Eintagsfliege“.

Die Lieder der Top-3-Parade entschädigen für etliche Schwächen des Abends

Zusammengehalten  werden die disparaten Themen durch aberwitzige Songs, zumeist textliche und musikalische Bearbeitungen zeitgenössischer Hits, etwa die mehrteilige Reihe „Lieder für Menschen, für die es keine Lieder gibt“. Das kulminiert in einer gelungenen Parodie auf die ZDF-Kultsendung „Die Hitparade mit Dieter Thomas Heck“, die das darstellerisch herausragende, weil vielseitigste Ensemblemitglied, der begnadete Entertainer Michael A. Tomis perfekt auf die Bühne zaubert.

Auf die Idee, „Das knallrote Gummiboot“ im Rammstein-Style zu interpretieren, muss man erst mal kommen. Und auch die anderen Lieder dieser Top-3-Parade entschädigen für etliche Schwächen des Abends und bringen den Saal in Hochstimmung, die nach gut zweieinhalb Stunden Gag-Feuerwerk unterschiedlicher Qualität mit zwei Zugaben belohnt wird. Schade nur, dass TBC längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die das extrem selten gewordene Format des Ensemble-Kabaretts  bietet. Gleichwohl ein fränkisches „Bassd scho“ an Hoffmann, Koeniger und Tomis.

Nächste Vorstellungen von „Wann, wenn nicht wir“ am 4. Juli in Waldbüttelbrunn, am 5. Juli in Neustadt/Main (beides Open-Air) und am 28. Juli in Seinsheim (Kirchengaden). Im Würzburger Bockshorn gastiert TBC wieder am 18. Januar 2020 mit dem Jahresrückblick.

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