WÜRZBURG

Tage der Alten Musik: Sünde und Strafe

Mit einem Vorurteil räumte das Konzert „Sünde und Strafe“ im Rahmen der Tage der Alten Musik gründlich auf – dass ein Cembalo klingt wie eine Nähmaschine. Es kommt nämlich darauf an, wer dahinter sitzt. Für das Ensemble Rhapsody, das in erster Linie aus Dozenten und Studenten der Alte-Musik-Abteilung der Musikhochschule Würzburg besteht, saß mit Ralf Waldner einer der besten Cembalisten dahinter, die man sich wünschen kann. Ein so einfühlsames und ansteckend fantasievolles Cembalospiel hört und sieht man selten – knisternde Wunderkerze statt Nähmaschine.

Das Konzert im voll besetzten Toscanasaal der Residenz gruppierte in lockerer Folge deutsche, italienische und englische Barockmusik um die zwei titelgebenden Solokantaten von Bach und Telemann („Widerstehe doch der Sünde“ und „Ach Herr, strafe mich nicht“), eine durch wechselnde Besetzungen für Ohr wie Auge gleichsam kurzweilige Mischung. Der energische Stil des Italieners Carlo Tessarinis, in seiner Vitalität an Vivaldi erinnernd, schien dem gut aufeinander eingespielten Team besonders entgegen zu kommen: Sein Concerto VI aus „Harmonia Mundi“ vibrierte vor Spielfreude.

In der Barockviolinistin Pauline Nobes, die während der Tage der Alten Musik einen wahren Konzertmarathon zu bewältigen hat, hatte das Orchester eine temperamentvolle wie charismatische Chefin an seiner Seite. Michael Niesemann an der Oboe bestach mit gespanntem, vor Energie beinahe berstendem Spiel. Da jedoch alle Musiker als Einheit überzeugten, soll kein Name unerwähnt bleiben: Martin Rux an der Naturtrompete, die Geigerinnen Julia Scheerer und Rachel Isserlis (die auch an die Viola wechselte), ebenso Susanne Zippe an der Barockviola, Ivan Turkalj am Cello und Nicholas Baldock an der Violone.

Hauptdarsteller des Abends war der britische Countertenor James Bowman, seit vielen Jahrzehnten eine Koryphäe auf seinem Gebiet, der vor dem Konzert bereits zwei Workshops an der Hochschule gegeben hatte. Neben genannten Kantaten in deutscher Sprache, die überwiegend unverständlich blieb, sang er Stücke aus Henry Purcells „Fairy Queen“, wobei man schnell merkte, dass das Englische eher sein Terrain ist.

So auch im Vergleich der beiden Zugaben: Neben „Lascia ch‘io pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“ stellte er Purcells „Music für a while“, im Duo mit dem fabulösen Ralf Waldner am Cembalo.

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