WÜRZBURG

Till Brönner und das gute Leben in der Main-Philharmonie

Der englische Sänger Finian Greenall, genannt Fink
Der englische Sänger Finian Greenall, genannt Fink, beim Konzert auf der Hafensommerbühne. Foto: Johannes Kiefer

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Hafensommer – Till Brönner

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Wenn man nur die Fotos von der Hafentreppe nimmt, die Aufnahmen mitten hinein ins Publikum – wetten, dass auch jemand, der in den vergangenen zwei Wochen nicht beim Würzburger Hafensommer war, mit etwas Überlegen ziemlich schnell zuordnen könnte, von welchem Konzert das Bild stammt? Trotz derzeitiger Einheitskleidung Sandalen, Kurzarm, Möglichstwenigstoff? Am Freitag zum Beispiel: vollbesetzte Betonstufen samt Tribüne unter der Heizkraftwerkswölbung , gelöste Gesichter dicht an dicht, gemischte Zuhörerschar mit leichter Mehrheit des Publikums, das man früher mal „gesetzt“ genannt hätte. Am Samstag: lockerer besetzte Reihen, wieder gelöste Gesichter, wieder gemischtes Publikum, andächtig lauschend. Oder Donnerstag: volle Reihen, viele junge Leute, aber nicht sitzend, sondern stehend, hüpfend, tanzend wie losgelöst.

Für jeden etwas dabei

Es zeichnet das Sommerfestival der Stadt Würzburg ja aus, dass es zwar Entdeckerfestival sein, aber inzwischen doch viele ansprechen, einer breiten Zuhörerschaft was bieten will – gleich welcher Altersgruppe, gleich welcher Musikgeschmack. Und so gibt es dort, wo tags zuvor noch eine große ausgelassene Party mit dem australischen Beatboxer und Vokalvirtuosen DubFX stattgefunden hat und tags darauf der Brite Fink mit Rhythm und Blues und klarem, harmonischem und prickelndem Gitarrenrock „gute Vibes mitgibt“, am Freitag eben Jazz. Gepflegt, wunderbar, von einem tollen Jazztrompeter, der auch ein charmanter Entertainer ist.

Und der erst mal seine Band loslegen lässt, bevor er dann – lächelnd, in den Händen die glänzende Trompete und das Flügelhorn – selbst im Scheinwerferlicht zwischen den Besuchern die Treppe zur Show heruntergeht auf die schwimmende Bühne. „Wir sind gesponsert vom Brillenstudio – bin ich dann noch in der richtigen Branche?“, fragt Till Brönner schmunzelnd nach Filmmusik aus den 1970er Jahren. Immerhin, der Abend wird nicht nur für die Ohren viel Wohliges bieten, sondern auch Schönes für die Augen: Hafenkulisse, Dämmerlicht und elegante Kulisse mit acht strahlenden goldsilbernen Leuchtscheiben hinter der Band und ihrem smarten Leader.

Falls jemand dem Trompeter, der „Echos“ in den Kategorien Jazz, Klassik und Pop gewonnen und keine Berührungsangst mit populärer Musik hat, ob seines Erfolgs noch immer vorhalten wollte, er mache halt Caipirinha-Musik und lauen Smooth-Jazz für den Fahrstuhl - der hat Brönners Weg nicht verfolgt, kennt Alben wie das reduzierte, kunstvoll überraschende „Nigthfall“ nicht. Oder war nicht beim Hafensommer. Dass der 47-Jährige mit seiner Band wunderbare Balladen spielt und Nummern, zu denen man durchaus auch einen Caipirinha trinken könnte – ja, warum nicht? Lässig und elegant, cool, aber nicht kühl, sondern beseelend: Bei Brönner und seinen Mitstreitern geht das Raffinierte und Angenehme mit dem musikalisch professionell Nützlichen zum Wohlgefallen des gemischten Publikums bestens zusammen. Nur Jazzpurist und Minimalist darf man nicht sein. Aber es heißt ja auch „The Good Life“, Brönners letztes, nach Broadway und Sinatra klingendes Album, das sich als charttauglich erwies und aus dem er an diesem Abend viel spielt.

Eigentlich immer: Jubel und stehender Applaus

Brönner betört, plauscht, lächelt und lässt das Flügelhorn strahlen mit Klangvielfalt, Virtuosität und perfektem Timing. Und immer wieder tritt er aus dem Scheinwerferlicht und überlässt seinen Mitmusikern, den „ziemlich besten Freunden“, für kraftvolle Grooves die Mainphilharmonie-Szenerie – oder liefert sich mit Mark Wyand neckische Dialoge. Das Tenorsaxofon schnurrt und quäkt, die Trompete singt – im Wechsel perlen und blubbern die Töne.

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Fink am Hafensommer

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Am Ende Jubel und stehender Applaus – vom gemischten Publikum, so wie beim mitreißenden Loopkünstler DubFX oder beim zurückgenommenen Bluesrocker Fink. Was die Fotos von der Hafentreppe übrigens auch zeigen: dass der zwölfte Hafensommer, der am Sonntag zu Ende ging, der beste der Geschichte gewesen sein dürfte. Noch bevor das Kulturreferat in dieser Woche die genauen Zahlen vorlegt, ist klar: Höher waren Auslastung und Zuspruch nie.

Rückblick

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