LOS ANGELES

Tom Hanks träumt den amerikanischen Traum

US President Barack Obama awards the Presidential Medal of Freedo
Tom Hanks bei einer Ehrung durch US-Präsident Barack Obama im November 2016. Foto: Shawn Thes, dpa

„Ich bin Tom. Ich tippe gerne. Verstanden?“ schrieb Tom Hanks in einem Gastbeitrag für die „New York Times“. Er tippt auf Schreibmaschine. Von denen besitzt der Schauspieler und Oscar-Preisträger 250 Stück, darunter eine „Erika“ aus der DDR. „Alles, was man auf der Schreibmaschine tippt, klingt bedeutend“, schreibt der 61-Jährige. Auch die Geschichten für das Buch „Schräge Typen“ hackte er anfangs in die Maschine, gab das dann aber auf, weil es zu umständlich war.

Das Figurenkabinett des Autors Tom Hanks schildert Kinostars, Schauspielerinnen, die am Broadway den Durchbruch schaffen wollen, Kinder, die an ihren Eltern leiden, und US-Kriegsveteranen, die versuchen, ins Leben zurückzukommen. Der Leser erkennt schnell, dass Hanks – derzeit läuft der Thriller „Die Verlegerin“, in der Meryl Streep und er die Hauptrollen spielen – stark geprägt ist von seinen Filmrollen. Souverän hat er agiert in „Forrest Gump“, „Der Soldat James Ryan“, „Apollo 13“ oder „Polarexpress“. Er ist der Lieblingsschauspieler von Regisseur Steven Spielberg. Das alles taucht als Echo im Buch auf.

In der besten Story „Alan Bean plus vier“ erzählt der Autor Tom Hanks von vier jungen Leuten, die im Garten an einer Mondrakete basteln und damit tatsächlich ins Weltall starten. Mit Hilfe von Apps berechnen sie den Kurs, das gerät zur mächtigen surrealen Gaudi, in der Hanks sein Astronautenkauderwelsch aus dem Film noch mal abspulen kann. Unterhaltsam ist das, weshalb die Weltraumfahrer noch mehrfach vorkommen. Es sind der Erzähler, seine Freundin Anna und die Einwanderer Steve und MDash, die im Baumarkt jobben, aber das große Ding drehen wollen. Das ist schließlich Amerika.

Eher banal

Die anderen Erzählungen sind unterschiedlich. Eher banal ist die Geschichte „Drei erschöpfende Wochen“, in denen ein älterer Mann seinen Leidensweg als Getriebener seiner sehr viel jüngeren Sport- und Fitness-Freundin schildert, was ihn am Ende krank macht. Das ist nett, wird aber schnell dröge.

Mutig und tapfer

In „Heiligabend 1953“ lernen die Leser den Geschäftsmann Virgil Beuell kennen, der Weihnachtsgeschenke im Kofferraum hortet, sein Büro schließt und in starken Schneefall gerät. Zu Hause angekommen, wird er von seinem Kumpel Bud angerufen, mit dem er zehn Jahre zuvor als Soldat in der Normandie landete. Krieg, die damit verbundene Angst und Kälte sind in Hanks Erzählungen oft die Kulisse. So auch hier, als der Leser am Ende erfährt, dass Virgil eine Prothese trägt und froh sein kann, dass er das Grauen überlebt hat.

Tom Hanks ist ein guter Amerikaner, deshalb sind auch seine Figuren mutige und tapfere Leute. Zwar bloß Durchschnitt, aber eben Gute. Das Richtige und Wahre setzt sich durch. Hanks schreibt über eine Welt mit Werten, die so nicht mehr existiert, womöglich nie existiert hat.

Nur so erklärt sich auch die Geschichte eines Technologie-Freaks, der sich als Selfmade-Milliardär auf eine sündhaft teure Zeitreise in das New York von 1939 zur Weltausstellung beamen lässt. Wobei der unverbesserliche Nostalgiker sich sogar in eine Frau aus der Zeit verliebt.

Die Geschichte des Zeitreisenden ist drollig, es fehlt ihr aber – wie anderen Erzählungen in diesem Buch auch – an psychologischer Tiefe. Die Figuren sagen Texte auf, wie Tom Hanks seine Rollen im Film laut Drehbuch.

Tom Hanks hat die Kritik an seinem Schreiben einfach hingenommen. In seinem Alter habe er „keine Zeit darüber zu lesen, wie gut oder schlecht ich etwas gemacht habe. Lasst es einfach da sein“, sagte der durch diverse Dan-Brown-Verfilmungen populäre Darsteller der „New York Times“.

Auf jeden Fall hält Hanks konsequent am amerikanischen Traum fest. Auch er ist ein Nostalgiker.

Tom Hanks: Schräge Typen. Stories. Piper, 352 Seiten, 22 Euro.

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