SCHWEINFURT

Volbeat unterm Vol(l)mond

Die dänischen Schwermetaller begeistern 20.000 Fans im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion. Sie bieten reichlich Rock 'n' Roll und spektakuläre Pyrotechnik.
Volbeat unterm Vol(l)mond
Hoch die Pommesgabel: Volbeat-Bassist Kaspar Boye Larsen zeigt den Fans im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion, wie Heavy Metal geht. Foto: Fabian Gebert

Die Dänen sind in der Stadt. Und ballern Pyrotechnik raus, als hätten sie seit Jahren keine Zeit gehabt, das Zeug an Silvester anzuzünden. Volbeat – das ist nicht nur feinster Heavy Metal, das ist auch Show. Und Party. Und Rock 'n' Roll. 20.000 Fans feiern die Band im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion für einen spektakulären Auftritt. Dass dem Vol(l)mond über der Bühne ein kleines Stückchen zu ganzen Pracht fehlt, geschenkt: Volbeat kommen ja auch mit nur einem „l“ aus.

„Volume“ und „beat“, Lautstärke und Rhythmus – der Name ist Programm: Knapp zwei Stunden turnen die vier Herren aus Kopenhagen irgendwo zwischen bretthartem Heavy Metal und klassischem Rock 'n' Roll herum, gibt Sänger Michael Poulsen mal den Johnny Cash, mal den Elvis.

Vom Guten nur das Beste

Und immer wenn's zu heftig wird, schleicht schmeichelnd ein eingängiger Refrain ums Eck. Vom Guten nur das Beste – Volbeat mixen mit feinen Zutaten, heraus kommt ein sehr eigenständiger Cocktail, der irgendwie jedem schmeckt. Entsprechend bunt das Publikum: Dieses Metal-Konzert ist keine „schwarze Messe“, da wird die quietschgrüne Allwetterjacke genauso geschwungen wie der knallrote Pulli.

Doch bei aller Radiotauglichkeit wird's nie klebrig, noch biegt sich der Dänen-Stahl nicht unter der drückenden Last des Mainstreams. Beweisen Poulsen und Drummer Jon Larsen als einzig verbliebene Gründungsmitglieder von 2001 weiter so ein geschicktes Händchen beim Songwriting und Besetzungsroulette, sind Volbeat drauf und dran, ins Metallica-Fahrwasser zu gelangen. Ihr Sound klingt live ähnlich druckvoll, auch ein Verdienst von Rob Caggiano, dem Dritten, der sich an Poulsens Seite an den sechs Saiten probieren darf – und der Mann mit der Mütze macht das verdammt gut.

Fotoserie

Volbeat

zur Fotoansicht

Und Volbeat, die vor zehn Jahren auf Festival-Shirts noch in der zweiten Reihe von unten zu finden waren und heute gefragter Headliner sind, pfeifen auf Schubladen. Wie sich Metallica längst vom Thrash der wilden Anfangstage verabschiedet haben, kippen die Dänen die Elvis-Klischees mehr und mehr über Bord. Ob Metallica oder Volbeat – das ist weder Thrash-, Death-, Black-, Speed- oder Power-Metal, das ist einfach Heavy Metal. Hohe Qualität statt schickem Etikett. Und wer kann, der kann auch live. Der kann auch großspurig Motörheads „Born to raise Hell“ als Einlaufmusik einspielen lassen, Lemmy, die Legende, lebt also auch in Schweinfurt.

Wie passend bei minütlich sinkenden Temperaturen, dass es mit „The Devil's bleeding Crown“ und „Heaven or Hell“ weiter in der mollig warmen Hölle weitergeht.

Dann kommt König Ludwigs Gespielin „Lola Montez“ ums Eck, der Schweinfurter darf rätseln, ob Poulsen auch von ihren Techtelmechteln im Brückenauer Kurpark weiß. Der Frontmann tänzelt auf dem sich ins Publikum schiebenden und in eine Art Boxring mündenden Steg elegant zwischen den Genres – inhaltlich wie musikalisch: Eben noch brutale Riffs („Doc Holliday“), nun mit „Sad Man's Tongue“ eine country-rollende Hommage an Altmeister Cash.

Volbeat unterm Vol(l)mond
Na, wo ist er denn? Volbeat-Drummer Jon Larsen hinter seinem Schlagzeug. Foto: Fabian Gebert

Dann wird's zum ersten Mal Zeit für „Ahs“ und „Ohs“: Zu „Fallen“ feuern die Pyrotechniker erst Funken-Salven über die Köpfe der Musiker, dann lassen sie grüne Tränen vom Bühnendach regnen. Ja, ja, und auch auf ein bisschen Romantik müssen die Fans inmitten der Bäume, die das Sachs-Stadion idyllisch rahmen, nicht verzichten: „For evigt“ ist der Schmachtfetzen im balladenarmen Volbeat-Repertoire. Als wäre Poulsen zu viel Gefühl peinlich, holt er sich zu „Guitar Gangsters“ einen solchen zur Verstärkung: Esa Holopainen.

Der steht bei Amorphis für deutlich grimmigeren Death Metal – mit dem die Finnen, die den Abend eröffnet hatten, einen Teil des Publikums ein bisschen überfordert haben dürften. Gut möglich, dass genau diese Zuhörerschaft in Verzückung ausbricht, als zu "Goodbye forever"  die Gospel-Crew die Treppe im Rücken von Poulsen und Co. entert – das sind recht mächtige Chorsängerinnen in blauen Satingewändern.

Dampffontänen und Böllerschuss

Im von Dampffontänen eingeleiteten Zugabenblock gibt's Gute-Laune-Mucke („Black Rose“), ehe Volbeat noch einmal an der Stilmix-Schraube drehen. „Still counting“ beginnt funkig, nach einem Böllerschuss wird ein letztes Mal brachialer Rock 'n' Roll draus. Und vorn, im Boxring, schwenken, ganz nach Gusto, einige nach oben gebetene Kinder aus dem Publikum die beidhändige „Pommesgabel“ oder einfach nur die Arme.

Party eben. Party, wie sie nur eine Kapelle am Sonntag noch viel besser kann: Flogging Molly. Zwischen den Skandinaviern von Amorphis und Volbeat ist dieser Haufen durchgeknallter US-Amerikaner mit irischen Wurzeln dran. Und diesen sieben Jungs ist wenig heilig, schon gar nicht der Irish Folk; der kommt mit schepperndem Rock und rotzigem Punk in der Mixer – Mensch, was wird da im Sachs-Stadion nur alles durcheinandergemischt. Cheerio!

 

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Michael Bauer
  • Bands
  • Elvis Presley
  • Heavy Metal
  • Johnny Cash
  • Konzerte und Konzertreihen
  • Lola Montez
  • Metal
  • Metallica
  • Musik
  • Open Air
  • Pyrotechnik
  • Rock'n'Roll
  • Rockabilly
  • Still GmbH
  • Willy-Sachs-Stadion
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!