Schweinfurt

Warum Schwanensee auch heute noch die Massen anzieht

Die Ukrainische Staatsoper Kiew begeisterte mit Ballett in Schweinfurt. Warum gerade die klassische Interpretation von Tschaikowskys "Schwanensee" so fasziniert.
Julia Moskalenko begeistert als als Odette und Odile im Schweinfurter "Schwanensee"-Gastspiel. Foto: Staatsoper Kiew

Warum eigentlich wollen (fast) alle kleinen Mädchen Ballerina werden? Wegen des Tütüs, der schönen Kostüme, der eleganten Bewegungen, der Bühne, des Rampenlichts, der betörenden Musik klassischer Stücke? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem, die im 21. Jahrhundert noch genauso wirkt wie 1895, als Peter Tschaikowskys "Schwanensee" Premiere feierte und die Ballettwelt auf den Kopf stellte.

Es ist nicht nur ein Schweinfurter Phänomen, dass vor allem junge Mädchen im Publikum sitzen, wenn "Schwanensee" auf dem Programm steht. Bei der ersten Vorstellung des mehrtägigen Gastspiels der Ukrainischen Staatsoper Taras Schewtschenko aus Kiew machten unter anderem drei junge Mädchen in rotem Tütü und beigem Bolero-Jäckchen in den Pausen begeistert die Schrittfolgen nach, die sie zuvor wie gebannt auf der Bühne verfolgt hatten.

Ballettomane ist nur, wer Schwanensee-süchtig ist

Natürlich ist der moderne Tanz der Wegweiser in die Zukunft, das sieht man seit Jahren am Erfolg der Tanzabende auch in Schweinfurt. Doch genauso wie sich die moderne Ausdrucksform etabliert hat, sind die klassischen Bewegungen immer noch en vogue – vor allem, wenn ein musikalisch wie tänzerisch so hochklassiges Ensemble wie das aus Kiew gastiert.

Schon in den 1970er Jahren schrieb ein Kritiker in einem der Standardwerke zum klassischen Ballett eine Eloge über "Schwanensee", sie schloss mit den Worten: "Man ist überhaupt erst ein echter Ballettomane, wenn man Schwanensee-süchtig ist." Das kann man so unterschreiben. Dem mit minutenlangen stehend dargebrachten Ovationen gefeierten Kiewer Ensemble gelang zweierlei: Diejenigen, die "Schwanensee" schon oft gesehen und gehört haben, in ihrer Entscheidung, es erneut getan zu haben, zu bestärken. Und denjenigen, die zum ersten Mal da waren, das Virus klassisches Ballett zu implantieren.

Musik und Tanz bilden eine perfekte Einheit

Tschaikowskys Verdienst war es, die Musik nicht mehr nur als Begleitung des Tanzes auf der Bühne, sondern als erstrangigen Bestandteil des Stückes zu etablieren – seine unglaublich eindringlichen, beseelten Klangbilder sind entwickelt wie in einer Oper oder Sinfonie, sie haben musikdramatische Funktion und auch deswegen 125 Jahre überdauert. Die Musik ist ebenso wichtig wie der Tanz, um die tiefen Emotionen auf der Bühne zu verinnerlichen – die Liebe, der Betrug, die Versöhnung zwischen Prinz Siegfried und dem verzauberten Schwan Odile.

"Schwanensee" ist kein einfaches Stück, die Fallhöhe für ein Ensemble enorm. Doch die Ukrainer glänzen dabei, mit typisch osteuropäischer Tanzdisziplin alle Pirouetten und Hebefiguren bewältigend, aber auch mit Grazie und Ausdruck, insbesondere in den Hauptrollen, Julia Moskalenko als Odette und Odile, sowie Oleksi Potomkin als Prinz Siegfried. Und, natürlich, der Signaturtanz, wenn man so will, die berühmte Schrittfolge der vier Schwäne im zweiten Akt, die jeder, der "Schwanensee" einmal gesehen hat mit diesem Ballett verbindet, in absoluter Perfektion dargeboten.

Ebenso hervorragend das Orchester der Staatsoper, dirigiert von Mykola Djadjura, dem Geist der Musik im Original nachspührend, mit Spielfreude und Esprit intonierend.

Bemerkenswert im übrigen die schiere Größe der ukrainischen Staatsoper: Nur in der Ballettcompany sind 160 Tänzerinnen und Tänzer, so dass der Spielbetrieb in Kiew mit 50 klassischen und modernen Werken im Repertoire gleichzeitig mit zahlreichen weltweiten Gastspielen aufrecht erhalten wird. Und so ist es auch möglich, am Faschingssamstag gleich zwei Vorstellungen hintereinander in Schweinfurt zu geben, auch wenn das, selbst für den Laien ersichtlich, ein wahrer Kraftakt ist.

Weitere Vorstellungen: Fr., 21. Februar, 19.30 Uhr; Sa., 22. Februar, 15 Uhr sowie 19.30 Uhr; So., 23. Februar, 19.30 Uhr. Es gibt noch Karten unter www.theater-schweinfurt.de

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