NÜRNBERG

Was Helene Fischer und Ronaldo verbindet

Helene Fischer begeisterte die Fans im Nürnberger Max-Morlock-Stadion mit Schlagern und aufwendiger Show. Foto: Fotos (2): Fabian Gebert

Ja, diese Frau ist wunderschön. Ja, sie hat eine warmherzige, kraftvolle Schlagerstimme. Ja, sie bietet mit ihren Tänzerinnen und Tänzern eine atemberaubende Show. Reicht das für den ganz großen Moment? Ja, tut es. Die 125 Minuten an diesem sonnigen Sonntagabend im Nürnberg lassen bei den 40 000 Fans keinen Zweifel aufkommen: Helene Fischer ist die beste Entertainerin, die das Land derzeit zu bieten hat. Und da im Max-Marlock-Stadion ja bevorzugt gekickt wird, sei der Vergleich zum wohl weltbesten Fußballer gestattet: Cristiano Ronaldo ist CR 7, Helene Fischer ist HF 18. Ein Vergleich mit Begleiterscheinungen, nicht nur angenehmen.

2018 setzt die 33-Jährige Maßstäbe. Direkt nach der Hallen- die Stadiontour. Am Ende werden 1,2 Millionen Menschen die spektakulären, von je 500 Kilo Pyrotechnik befeuerten Shows gesehen haben, auf einer gewaltigen Bühne mit überdimensionalen Videoleinwänden, welche die nur 158 Zentimeter der Künstlerin vor dem Verschwinden in der Gigantomanie bewahren.

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Helene Fischer

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Da turnt nicht mehr die kleine blonde Schlagerfee über Gerüste oder schwebt engelsgleich am (fast) unsichtbaren Seil überm Publikum. Nein, da stapft forschen Schrittes eine Artistin mit Weltstar-Attitüde über den nicht endenwollenden Laufsteg durch die Massen. Beinahe wie Ronaldo, wenn er zum Freistoß antritt.

Helene Fischer hat ihren Karriere-Höhepunkt erreicht. Oder? Wie will sie, die auf höher, schneller, weiter baut, ihre aktuelle Show noch toppen? Die Unkenrufer aus der „Bloß nicht Schlager!“-Ecke warnen: Von hier an kann's nur bergab gehen. Einen Robbie Williams – und der hatte nicht nur Weltstar-Attitüde, der war einer – hat's schließlich auch erwischt. Und Rammstein schauen sich die meisten nur noch wegen der Feuerwerkerei an.

Labyrinth der Effekte

Doch wer weiß, vielleicht fliegt HF 18 ja irgendwann ohne Seil. Und vielleicht startet sie deswegen schon mal mit „Flieger“ ins Programm – und mit „Phänomen“. Letzteres ist die gebürtige Russin längst. Phänomenal sind die gut zwei Stunden nämlich gerade wegen des kaum vorstellbaren Steigerungspotenzials. Fischer auf der Bühne, irgendwo vor dem riesigen Leucht-H. Fischer auf dem Dach der Regiezentrale inmitten des überwiegend bestuhlten Innenraums. Fischer auf einem Helene-Mobil durchs Stadion. Fischer in einem – natürlich – großen Pool. Dazu reichlich Piff, Paff, Puff, links, rechts, oben, unten. Und bunte Bälle, ebenfalls – natürlich – üppig dimensioniert. Die Fans wissen gar nicht wo sie zuerst hinschauen sollen im Labyrinth der Effekte.

Ein Blick lohnt allemal auf Fischers abwechslungsreiche Garderobe, die mit einem Roten Faden gewebt ist: knapp und sexy. Glitzer-BH und mega-kurze Jeans-Hotpants, wo wir doch Sommer haben. Ein silbernes Fetzchen, das kaum den Popo bedeckt. Ein Stretch-Overall, der zwar Haut verbirgt, nicht aber jeden Millimeter Körperkontur. Ein anderes Glitzer-Nichts, das kürzer ist, als die dazugehörigen Overknee-Stiefel. Final ein knallroter Lack-Zweiteiler. Mit dem planscht Helene Fischer zur Zugabe „Achterbahn“ lasziv im Laufsteg-Pool – spätestens da wird auch für jene Herren ein Schuh draus, die ihrer Gattin zwei Karten zum Geburtstag geschenkt haben im Glauben, sie würde ihre beste Freundin mitnehmen. Hie und da werden dann auch kuschelnde Pärchen auf die Leinwand projiziert.

Und HF 18 sagt gerührt: „Ihr sollt glücklich nach Hause gehen, das ist meine Vision heute.“ Und: „Dieser Abend ist für euch.“ Dazu singt sie dann noch „Das ist unser Tag“. Man nimmt's der Helene aller Perfektion zum Trotz ab: Sie ist Frohnatur und nah am Wasser gebauter Gefühlsmensch – das macht sie auch noch in Hochglanz gepackt ein bisschen greifbar für die Fans. Die leidenschaftlich mitsingen bei „Atemlos“, „Und morgen früh küss' ich dich wach“, „Sowieso“, „Ich will immer wieder dieses Fieber spür'n“, „Die Hölle morgen früh“ oder „Herzbeben“. Helene Fischer stapelt Hits.

Verschmerzbare Ausreißer

Umso erstaunlicher, dass sie Matthias Reims „Verdammt ich lieb‘ dich“ und eine Runde mit „Rhythm is a Dancer“, „What is Love?“ und „Sing Halleluja“ drunter mogelt.

Verschmerzbar. Weniger freilich die Verhunzung von Westernhagens „Freiheit“ im Duett mit Ben Zucker, der im Vorprogramm bereits demonstriert hat, dass er als Kind beschlossen haben dürfte, so singen zu wollen wie „Weiße Tauben“-Reibeisen Hans Hartz – und immer noch übt.

40 000 Fans waren nach Nürnberg zu Helene Fischer gekommen. Foto: FABIAN GEBERT

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