BERLIN

Was die Menschen an Frida Kahlo so lieben

Frida Kahlo: „Selbstbildnis als Tehuana oder Diego in meinen Gedanken“ hat die mexikanische Malerin dieses Werk von 1943 genannt (Ausschnitt). In Berlin soll am Freitag die bislang größte Kahlo-Schau in Deutschland eröffnet werden. Foto: MArtin-Gropius-Bau/Banco de Mexico Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust (4), dpa (1)

Popstar Madonna soll drei Bilder von Frida Kahlo besitzen, die will sie nie wieder hergeben. Auch andere Sammler, viele von ihnen gehören zu den reichsten Menschen der Welt, hüten Fridas wie ihren Augapfel. Kahlo-Bilder sind generell schwer zu haben, weil sie in Mexiko als nationales Kulturerbe gelten. Kommt doch einmal ein Bild zur Versteigerung, wechselt es garantiert im zweistelligen Millionenbereich den Besitzer. Auch der Berliner Unternehmer Heiner Pietzsch, der kürzlich seine Sammlung in der Neuen Nationalgalerie zeigte, besitzt eine Frida. Ein Selbstbildnis der Künstlerin von 1946, ein besonders ausdrucksvolles Werk. Einmal hat er es an eine Ausstellung verliehen, ein zweites Mal, stellte er danach klar, werde er es nicht tun.

Kunstsammler gelten als eine harte Spezies. Fragen Museen nach Bildern als Leihgaben, wird oft mit harten Bandagen verhandelt. Die Sammler wollen einfach proper verdienen, vor allem mit Frida Kahlo, der mexikanischen Künstlerinnen-Ikone, einer Frau mit riesiger Fangemeinde weltweit, bei der sie Kultstatus genießt. Im Berliner Martin-Gropius-Bau sollen ab Freitag, 30. April, 150 Bilder der Malerin gezeigt werden, die umfassendste Repräsentation der Künstlerin in Deutschland.

Sie verschenkte ihre Bilder

Aber noch fehlen Werke, dennoch ist man in Berlin zuversichtlich, dass bis Freitag auch tatsächlich alle ankommen. Viele seien sozusagen in der Aschewolke, die den Flugverkehr über Europa lahmlegte, festgesteckt, erklärte eine Sprecherin des Museums am Montag. Ob ab Freitag alle 150 Werke dann auch tatsächlich hängen, das sei derzeit noch nicht sicher, obwohl Sonderschichten eingelegt würden. „Es ist außerordentlich schwierig“, gesteht auch Gropius-Chef Gereon Sievernich. Klar ist: Die Nerven liegen blank.

Man hatte sich das wesentlich einfacher vorgestellt. Deutschland finanziert vorrangig das „Casa Azul“, das „Blaue Haus“, eines der meistbesuchten Museen Mexikos. Der Gropius-Bau ist eine Einrichtung des Bundes, das Außenministerium kommt für die Kosten der Kahlo-Schau auf. Eine Rolle spielt auch, dass der Vater der radikalen Kommunistin und Trotzki-Muse, Carl Wilhelm, als deutscher Einwanderer aus Baden-Baden stammt. Doch nicht nur die Sammler mauern, auch die Mexikaner. Frida Kahlos Werk darf, sofern es sich noch in Mexiko befindet, nicht außer Landes gebracht werden. Da mutet es unvorstellbar an, dass die Künstlerin, die 1954 mit 47 Jahren starb, zu Lebzeiten die Gewohnheit hatte, ihre Bilder zu verschenken.

Das Leben von Frida Kahlo ist Legende. Als 18-Jährige wurde sie durch einen schweren Unfall verkrüppelt, konnte kaum noch laufen, musste mehr als 30 Operationen über sich ergehen lassen und lebte fortan in einem Stützkorsett. Trotzdem hatte die bisexuelle Damenbartträgerin ein reiches Liebesleben. Sie war zweimal mit dem Maler Diego Riviera verheiratet, der sie mit vielen Frauen betrog, sogar mit ihrer Schwester, aber auch ein ständiger Inspirator für Kahlos farbenkräftiges Werk war. Bekannt ist ihre rassige Affäre mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki. Die Malerin gelangte auf das Cover des „Time“-Magazins, ihr Bildnis war auf einer Briefmarke zu sehen, in Mexiko und den USA gibt es eine blühende Merchandising-Industrie, die Kahlos Gesicht in Millionen Wohnungen bringt, auf Spiegeln, Tapeten oder Stoffwaren. In Lateinamerika ist sie ein Superstar. Das hat dazu geführt, dass sie oft kopiert worden ist – Fälschungen brachten es auf dem Kunstmarkt oft zu ungewöhnlich hohen Verkaufssummen.

Was fasziniert die Menschen so sehr an Frida Kahlo? Helga Prignitz-Poda, Kuratorin im Gropius-Bau, meint, es genau zu wissen: Die Künstlerin sei vereinsamt gewesen, über ihre Bilder hätte sie vor allem zu kommunizieren versucht. Der „Berliner Morgenpost“ erklärte Prignitz-Poda: „Die Menschen lieben sie so, weil sie in ihr die so weit verbreitete Einsamkeit erkennen. Diese Melancholie, ja diese Depressionen, die Kahlo beherrscht haben, sind heute weit verbreitet. Das erkennen die Menschen.“ Die Malerin als Heilerin von Zivilisationsproblemen? Schon jetzt ist klar, dass es einen großen Ansturm auf die Ausstellung in Berlin geben wird. Doch welche und wie viele Bildern werden zu sehen sein? Wenige Tage vor der Eröffnung weiß das noch niemand genau.

Die Schau im Gropius-Bau Berlin wird am 30. April eröffnet und ist bis zum 9. August mittwochs bis sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Parallel sind in der Galerie Champagne, Chausseestr., Fotografien von Leo Matiz unter dem Titel „Kahlo & Los Olvidados“ zu sehen.

Frida Kahlo (Foto, undatiert)
„Stilleben“ (1951)
„Die Sonne und das Leben“ (1947)
„Meine Amme und ich“ (1937)

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