WÜRZBURG

Wenn Andreas Rebers predigt

Zwei Jahre lang ist er als „Reverend Rebers“ durch die Lande gezogen, versprach auf den Kabarettbühnen „Ich regel das“ und verkündete die Frohbotschaft der Ente. Weil: „Die Ente ist weiter!“. Entlehnt hatte der Missionar des Gutmenschenhasses seine Botschaft aus irgendeiner Fernsehkochshow, bei der Forelle und Wildschwein gegen das Geflügel ausgeschieden waren.

„Die Ente ist weiter!“ Immer noch, und auch das Ende ist noch nicht nah: Andreas Rebers, einer der ganz, ganz Großen der deutschen Kleinkunst, hat sein religiöses Programm gewandelt, fundamentalisiert, mit neuem Geist durchweht. Weil: „Man muss das auch mal aus der Sicht der Perspektive sehen, dann wird alles gut.“ Kaum hatte „Predigt erledigt“ jetzt in seiner Heimatstadt München Premiere, missionierte der Reverend und „Botschafter der schlesischen Bitocken“ am Samstagabend im gut gefüllten Würzburger Bockshorn.

Sein Altar ist ein E-Piano, verhüllt mit einem Röhrender-Hirsch-Teppich. Dazu eine Rhythmus-Maschine in Holz, Baujahr '69, für ein bisschen Bossa Nova – mehr braucht der Musiker, boshafte Geschichtenschöpfer und selbst ernannte Blockwart, der das „R“ so grausam sonor rollen lassen kann wie weiland Adolf, nicht für seinen radikal-zerstörerischen Wortgottesdienst.

„Come on Fire, light my Baby“ – so sagt es Andreas Rebers. Und dann zieht er über die Grünen her und über Leute, die Rattanmöbel in der Wohnung haben. Über widersinnigen Biowildlachs. Über „uropäischen Integrationskäse“ aus dem Allgäu namens Cambozola. „Man könnte das auch Gorgobert nennen, das würde aber keiner kaufen.“ Über die heutige Kirchenmusik: „Wir haben so etwas wie die h-Moll-Messe, und dann kommt der Pastor mit der Gitarre.“ Und über scheinheilige Gewaltfreiheit: „Auch die Friedenstaube hat eine besondere Eigenschaft, sie scheißt überall hin.“

Rebers singt ein bisschen – nicht Bariton, nicht Bass, sondern „Barrique“. Er verteidigt Amokläufe, die ein Motiv haben. Er erzählt, dass er grundsätzlich bewaffnet in den Baumarkt geht. „Du wirst im Baumarkt grundsätzlich nur unter vorgehaltener Waffe bedient.“

Rebers ist bissig, er ist böse, er ist grandios gut. Am Ende plädiert der 54-Jährige, der in Münsterschwarzach mal Mönch auf Zeit war, für den Austritt. „Damit die katholische Kirche die Möglichkeit hat, sich zu verändern.“ Predigt erledigt? Dem Unerschöpflichen werden schon wieder neue Bosheiten einfallen.

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