MÜNCHEN/WÜRZBURG

Wie Erwin Pelzig seine Film-Premiere feierte

So gegen eins sitzt Frank-Markus Barwasser in einer Ecke des „Park Café“ in München und macht einen zufriedenen Eindruck. Vorne, an der Bar, tanzt Schauspielerin Franziska Schlattner, und im Nebenraum der Gaststätte im Herzen Münchens, wohin Barwasser zur Feier nach der Deutschland-Premiere seines ersten Kinofilms eingeladen hat, versucht sich Philipp Sonntag an einer Mischung aus Lambada und Ententanz.
Kinopremiere "Vorne ist verdammt weit weg"
Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig mit Christiane Paul bei der Premiere ihres Films „Vorne ist verdammt weit weg“ in München. Foto: FOTO dpa

„In dem Film stecken so viel Leidenschaft, so viel Schweiß und auch Zweifel, da ist es schön, wenn er so ankommt“, sagt Barwasser im ganz kleinen Kreis und nippt am Weißwein. Silvaner aus Franken gibt's – logisch bei einer Feier zu Ehren des fränkischen Nörglers Pelzig –, auch wenn Barwasser eher französische Tropfen bevorzugt.

Wie ankommt? Drei Stunden zuvor standen der Würzburger Kabarettist, seine Schwester Ursula Vollmond und Regisseur Thomas Heinemann, die „Vorne ist verdammt weit weg“ produziert haben, vor der Leinwand des größten Saals im Mathäser-Filmpalast in München und ließen sich von den über 800 Premieren-Gästen heftig beklatschen, und einige der Applaudierer standen sogar auf. „Ein sehr emotionaler Moment“, meint Barwasser, der es als Erwin Pelzig ja gewöhnt ist, auf eine ihm Beifall spendende Menschenmenge zu blicken. „Das war nicht vergleichbar mit der Bühne.“

Gefühle für die Edelhure

Großes Kino, halt? Na ja, zumindest ein bisschen. Rot-weiß-karierter Teppich, eine gute Handvoll Fotografen, die Blitzlicht gewittern ließen wie eine ganze Meute, und Kamerateams von ARD und ZDF: Natürlich war in München schon mehr Medien-Ballyhoo bei Filmpremieren – dass Pelzig überhaupt die Leinwand erobert hat, „war ein hartes Stück Arbeit“, sagt sein Schöpfer. Gemeinsam mit Heinemann, dem alten Freund vom Würzburger Theater am Neunerplatz, hat Barwasser auch das Drehbuch geschrieben. „Ich kannte die Figur Pelzig gar nicht, aber das Drehbuch hat mir auf Anhieb ganz toll gefallen“, sagt Christiane Paul beim Schaulaufen auf dem Teppich. Sie spielt die Edelhure Chantal, die erste Frau, für die der ja schon immer biografielose Pelzig endlich mal Gefühle entwickeln darf. Christiane Paul schätzt die „genaue Beobachtungsgabe“ Barwassers und sagt, dass sie ihn „sehr lieb gewonnen“ habe.

Chantal hilft Pelzig, den Arbeitsplatz seines Nachbarn Johann Griesmaier zu retten. Peter Lohmeyer („Das Wunder von Bern“) spielt den Chauffeur, der wegen Pelzigs Schusseligkeit ins Krankenhaus muss. Pelzig übernimmt vertretungsweise dessen Job. Auch Lohmeyer konnte mit dem Namen Pelzig erstmal nichts anfangen, war aber vom Drehbuch ebenfalls „gleich sehr angetan“ – vermutlich vor allem deshalb, weil er zuerst dachte, der Pelzig sei für ihn geschrieben: „Peter Lohmeyer kann sehr sehr viel, fast alles, aber Pelzig hätte er nicht geschafft“, sagt Pelzig auf dem Teppich in die Mikrofone.

Natürlich schauläuft Barwasser als sein Alter Ego, und man sieht ihm an, dass er Spaß hat dabei, Hörfunk und Fernsehen zu erklären, wo er sein Outfit herhat („Kaufhof, Würzburg, sehr zu empfehlen“), dass ein Schuster immer wieder Löcher in seinem Handtäschli mit Kunstleder stopft, dass sein Cordhütli nicht gewaschen wird und der schwarze Fleck hinten drauf kein Brandfleck ist, sondern die Folgen dreimonatigen Einlagerns neben einem Apfel.

Peter Lohmeyer eilt mit einem Eimer Popcorn und einer Flasche eines angesagten Bio-Getränks aus der Rhön in den Kino-Saal, und während dann Erwin Pelzig auf der Leinwand dafür sorgt, dass die Einkaufswagen-Firma des Eduard Bieger (Philipp Sonntag) doch nicht in die Mongolei verlagert wird, wie es Biegers Tochter (Franziska Schlattner) und ein Unternehmensberater (Tobias Oertel) planen, wird vor dem Kinosaal aus Pelzig wieder Barwasser.

Er tauscht Trachtenjanker und kariertes Hemd gegen dunklen Anzug und rotes Hemd und dankt dann dem Team, das wenig später fast komplett auf der Bühne steht, von dem, der für die Vormischung zuständig ist bis zur Kostümbildnerin, selbst Darsteller, die nur für Sekunden auftauchen im Film, dürfen nach vorne, und wenn Barwasser und Heinemann weitergemacht hätten mit dem Aufrufen, wären bald mehr auf der Bühne gestanden als im Saal gesessen. Dort saßen außer Gisela Schneeberger und Caroline Beil auch Siggi Zimmerschied und Urban Priol, und Erwin Pelzig meinte zuvor, dass er gespannt sei, wie sein knapp drei Millionen teurer Film bei den Kollegen ankomme. „Super, dass die Themen Globalisierung, Arbeitsplatzabbau, Börsenpsychologie so schön satirisch umgesetzt wurden“, sagt Priol hernach im „Park Café“, das nach eins langsam leerer wird. Frank-Markus Barwasser dreht noch eine Runde, ein Weinglas in der Hand: Es gibt noch immer Gäste, die ihm gratulieren wollen.

„Vorne ist verdammt weit weg“ kommt im süddeutschen Raum am 13. Dezember in die Kinos, am 20.12. im Rest der Republik.

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