Schweinfurt

Zauberflöte 3.0: Mozart trifft knallhart auf die digitale Welt

Mozarts Oper als Ballettabenteuer im Schweinfurter Theater. Es geht und Gegensätze wie digital oder analog, privat oder öffentlich, Verstand oder Emotion, Segen oder Fluch.
#zauberflöte 3.0: Tanzabenteuer mit dem NRW Juniorballett Dortmund.
#zauberflöte 3.0: Tanzabenteuer mit dem NRW Juniorballett Dortmund. Foto: Bettina Stöß

Wer auch nur ein Fünkchen Interesse für Tanz in sich verspürt, darf sich das nicht entgehen lassen, womit am Samstag im Schweinfurter Theater eine Serie von vier Gastspielabenden eröffnete: "#zauberflöte3.0" heißt das Tanzabenteuer mit dem NRW Juniorballett Dortmund, in dem die zauberhafte Welt der Mozartoper knallhart auf die digitale Welt von heute trifft.

Ensemble im Gegenlich: #zauberflöte 3.0 mit dem NRW Juniorballett Dortmund
Ensemble im Gegenlich: #zauberflöte 3.0 mit dem NRW Juniorballett Dortmund Foto: Bettina Stöß

Schnell ist klar, dass es um Werte und Gegensätze wie digital oder analog, privat oder öffentlich, Verstand oder Emotion, Segen oder Fluch geht. Ein Regenvorhang im Bühnenhintergrund, es knistert fein – doch nein: Es ist ein unaufhörlicher Datenstrom, der sich da ergießt, man blickt in den "Weisheitstempel Computer". Davor tanzt zur Ouvertüre die Handy-Wisch-und-Klick-Gesellschaft, voll auf den Fetisch Social Media fixiert.

Das Ballett versetzt die Handlungsträger in die virtuelle Realität nach 30 Jahren World Wide Web. User Tamino (Duccio Tariello) will die Tochter der Königin der Nacht (Martina Renau), Pamina (Giuditta Vitiello) aus den Fängen des Sarastro (Maxim Palamarchuck) befreien. Ihr Bildnis kennt er, na klar, vom Smartphone her.

Papageno chillt im Blümchenrock

Da läuft ihm Papageno (Márcio Barros Mota) über den Weg: Mit Blümchenrock bekleidet (Kostüme: Rosa Ana Moret), dicke Kopfhörer ums Haupt, ist der ganz locker mit Chillen beschäftigt. Frei nach dem Motto "Hej Alter, was geht?" messen die beiden Halbstarken erst mal ihre Kräfte, liefern schließlich verbrüdert eine feine Body-Percussion-Nummer, bevor sie durch Smartphone-Tunnels zu Sarastros Schloss aufbrechen (Bühne: Emine Güner).

Doch das ist nur eine von vielen Szenen, die den Abend zu einem ganz besonderen Spektakel für alle Sinne machen: Mal Mozart, mal wummernder Techno, dazu Video- und Lichtinstallation, Pantomime, Slow Motion, klassischer Spitzentanz, Ausdruckstanz und Modern Dance – immer tiefer wird man in das fesselnde Geschehen hineingezogen, starrt gebannt auf die Bühne, wenn die Jünger des Netzes, versunken im psychedelischen Rausch, ihrem Guru Bildschirm huldigen und tatsächlich die Mattscheibe vor dem Kopf tragen.

Ballettdirektor Xin Peng Wangs exzellentes Ensemble überzeugt durch beste Tanzkunst, Darstellungskraft und große Leidenschaft. Gemeinsam mit Choreograf Raimondo Rebeck, Videokünstler Mario Simon, den Musikarrangeuren Matthias Grimminger und Henning Hagedorn gelingt die Verschmelzung zu einem Gesamtkunstwerk, das vollkommen begeistert. So sah es auch das Schweinfurter Publikum, das in minutenlange Beifallsstürme ausbrach.

Weitere Vorstellungen: 18. und 19. November, 19.30 Uhr, Kartentelefon (09721) 514955.

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