Würzburg

Zehn Minuten Applaus für "Evita" am Mainfranken Theater

Marzia Marzo als Evita beherrscht die Szene. Das Musical über den steilen Aufstieg der Maria Eva Darte begeisterte das Premierenpublikum des Würzburger Mainfranken Theaters.  Foto: Thomas Obermeier

Maria Eva Duarte, unehelich geborenes Mädchen vom Lande, schafft den Aufstieg zur Präsidentengattin und mächtigsten Frau Argentiniens. Andrew Lloyd Webber (Musik) und Tim Rice (Gesangstexte) haben diese unglaubliche Karriere  in einem Musical eingefangen, in dem sich Machtstreben und Leidenschaft, Missachtung und Neid, Lebensfreude und Trauer in einem rasanten Wechselspiel vereinen.

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Immer wieder Szenenapplaus für originelle Version des vierzig Jahre alten Musicals

Das Ensemble des Mainfranken Theaters hat diese  Komponenten in all ihrer schillernden Ausgelassenheit in seine originelle Version des rund vierzig Jahre alten Musicals eingearbeitet, die das Publikum bei der Premiere immer wieder zu spontanem Szenenapplaus verführt. Im ausverkauften Großen Haus entwickelt sich eine großartige „Light-and-Sound“- Darbietung, für deren uneingeschränkt positive Würdigung sich die Zeile aus Che’s Einstiegssong aufdrängt: „Oh what a Circus, oh what a Show“!

Macht was her: Ein echter Oldtimer fuhr beim Musical Evita auf die Bühne des Mainfranken Theaters.  Foto: Thomas Obermeier

Unter der musikalischen Leitung von Gábor Hontvári blüht ein den Forderungen eines flotten Musicals angepasstes Orchester auf. Der 70köpfige Chor bildet eine bewundernswerte Einheit. (Einstudierung Anton Tremmel). Die aufwändige Technik ermöglicht dem für das Bühnenbild verantwortlichen Duo Matthew Ferraro und Carola Volles die Umsetzung ihrer tollen Ideen in stimmige Bilder wie die verblichene Eleganz des real vorgefahrenen Straßenkreuzers oder Evas als Fotostudio getarnter und gut florierender Puff.  Die eingeblendeten Licht-Spiele (Mariella von Vequel-Westernach) begleiten die Story genauso passend wie die bunte Welt der Kostüme, die die Handschrift von Carola Volles tragen:  Die junge Eva im ländlichen Kleid, ein neckisch-knappes Hängerchen  begleitet ihre „wild days“, goldglitzernde Enge steigert ihr Verführungspotential und ein Meer von Tüll wird dem Anspruch an Würde und Macht gerecht.

Aufreizend Uniformierte des Regimes als frivole Gay-Truppe dargestellt

Die Reihung der Episoden des illustren Lebenslaufes der Titelfigur beginnt mit dem Ende: Maria Eva Duarte de Perón“ ist tot. Che, ein kritischer Begleiter des nicht immer makellosen Werdegangs der Verstorbenen, bilanziert schnippisch mit „Oh what a Circus, oh what a Show“. Cedric von Borries´ Einstieg verspricht (und hält) eine packende Gestaltung  der Rolle des allgegenwärtige Erzählers.  Als schärfere Gegner der aufstrebenden Eva erweisen sich die zweifelhaften Stützen der argentinischen Gesellschaft – Militär und Aristokratie. Regisseur Matthew Ferraro, der in jeder Hinsicht eindrucksvolle, nachhallende, glänzende Arbeit geleistet hat, stellt die aufreizend Uniformierten als frivole Gay-Truppe dar. Dem degenerierten Adel verpasst er Rokokokostüme und Puderperücken. Mathew Habib, windiger Tangosänger und Evas erster Liebhaber, legt seine beachtliche Stimmgewalt in das romantische  „On this night of a thousand stars“.

70 Chorsänger treten im Musical Evita auf.  Foto: Thomas Obermeier

Kosma Ranuer bleibt als taktierender Politiker Juan Peron ein wenig im Schatten seiner von Lebenslust und Machtstreben besessenen Gattin. Marzia Marzo beherrscht mit eindringlicher Stimme die Szenen und füllt die Rolle der „Santa Evita“ mit begeisternder Verve aus. Ihre herausragende Leistung krönt sie mit der von berückender Innigkeit getragenen Hymne „Don’t cry for me Argentina“.

Das Musical wird in englischer Sprache aufgeführt, deutsche Untertitel sorgen dafür, dass keine Verständnislücken entstehen. Mit ihrem zehnminütigen Schlussapplaus feierten die Premierenbesucher eine fulminante Vorstellung. 

Weitere Vorstellungen: 8.12., 12.12., 15.12., 20.12., 31.12. 

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