Bad Neustadt

Zwei Leben: Was Dolly Buster nach Bad Neustadt bringt

Ex-Porno-Star Dolly Buster hat ein zweites Ich: als Künstlerin. In der Rhön hat die 50-Jährige  Künstlerfreunde gefunden - und Hilfe im Kampf gegen die Sucht.
Doppel-Begabung: Nora Baumberger alias Dolly Buster agiert vor der Kamera - und wirkt als Künstlerin. Ihr Künstlerfreund Friedhard Meyer aus Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) bekam zu seinem 80. Geburtstag einen Akt. Foto: Gerhard Fischer

Wer das Geheimnis von Dolly Buster entdecken will, der muss nicht tief blicken. Sondern nur  zurück, in ihre Vergangenheit. "Ich habe immer nur Frauen gemalt, immer nur Mädchenfiguren, schon als kleines Kind", erzählt Nora Baumberger am furchtbar verregneten Samstag im Schlosshotel von Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld). Als Nora Dvoráková wurde sie 1969 in Prag geboren, dort verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend. Unter dem Künstlernamen Dolly Buster wurde sie berühmt. 

"Ehrlich gesagt, Männer gefallen mir nicht. Das Kantige, Herbe eines Männerkörpers kann ich nicht zeichnen, da versagen meine Hände", sagt Nora Baumberger, die Künstlerin. Berührungsängste mit Männern würde man bei ihr eigentlich eher nicht vermuten. Gut 50 Pornofilme hat Dolly Buster in ihrer Karriere gedreht und in diversen Schmuddel-Formaten des Privatfernsehens ihre Silikon-Oberweite in die Kameras gerückt.

Nur in der Kunst klappt es nicht so mit den Männern? "Ich male nur Frauenporträts- und Frauenkörper", sagt Dolly Buster bestimmt. "Ich bin schon immer auf der Suche nach dem idealen Bild einer Frau."

Künstlerische Freundschaft in die Rhön

Nach Bad Neustadt ist sie nicht gekommen, um über ihre Filmvergangenheit zu sprechen, sondern über ihr Leben als Malerin. Eine künstlerische Freundschaft brachte Dolly Buster in die Rhön: Der Bad Neustädter Maler Friedhard Meyer feierte am Wochenende seinen 80. Geburtstag. Und weil sein Sohn Louis Meyer sehr gut mit Dolly Buster befreundet ist, war auch die einstige Sex-Ikone unter den Gästen.   

Zwei Welten prallen aufeinander

Künstlerisch ein Aufeinandertreffen zweier Welten: "Keine Landschaften, keine Gegenstände. Nur Frauen als Porträt oder Akt, alles andere interessiert mich nicht", sagt Dolly Buster über ihre Werke. Friedhard Meyer indes sorgt gerade mit seinen Landschaften für Aufmerksamkeit in der Region. Er arbeitet dabei mit sehr dünnflüssigen Acrylfarben, die er vorsichtig in einer Schüttrinne schichtweise auf Leinwand gießt. Küstenlandschaften entstehen so, Seestücke mit unendlichen Horizonten von besonderem Reiz. 

Nora Baumberger alias Dolly Buster und Friedhard Meyer vor Meyers Landschaftsbildern. Foto: Gerhard Fischer

Wo sich Künstlerin und Künstler treffen: beim Gebrauch intensiver, leuchtend satter Farben. Auch  über eine gemeinsame Ausstellung haben sie schon gesprochen. In den gleichen Galerien waren Dolly Busters und Friedhard Meyers Werke zu sehen, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Einer gemeinsamen Schau wäre eine kontrastreiche Paarung gewiss. 

Als 14-Jährige auf der Kunstschule

2006 hatte Dolly Buster, die als Nora Baumberger mit ihrem Mann Josef Baumberger zurückgezogen in Wesel bei Düsseldorf lebt, wieder mit dem Malen begonnen. Als 14-Jährige hatte sie für einige Zeit die staatliche Kunstschule in Prag besucht. An der Kunstakademie Düsseldorf besuchte sie später die Klasse für Aktzeichnen. Ihr Leben kreist um die Körperlichkeit.

Unter ihren Werken finden sich viele Kohlezeichnungen. Über eine gegenständliche Schicht legt Dolly Buster dann oft Übermalungen, Farbspritzer. "Was ich in Düsseldorf gelernt habe: Das wahre Bild entsteht durch die Zerstörung. Wenn man die Perfektion kaputt macht, tritt etwas Wahres hervor", sagt Dolly Buster mit der unverkennbaren, etwas schrillen Stimme der Fernsehbekanntheit, doch ohne aufgesetzte Attitüde.

Sie malt die TV-Produzentin, Gastronomie-Unternehmerin, Künstlerin also seit bald 15 Jahren Frauen. "Die können auch dick sein, auch wenn das meiner Galeristin erst nicht gefallen hat. Aber es sind eben nur Frauen. Einmal habe ich David Beckham gemalt, aber keiner hat ihn erkannt", lächelt Dolly Buster im engen Partykostüm mit Lackgürtel und einem Dekolleté, das in den entlegenen Rhöner Breiten so etwas wie einen kleinen Kulturschock bedeutet. 

Kampf gegen eine tückische Krankheit

Es ist -  das ist der Preis des auch zweifelhaften Ruhms - viel Fassade bei der 50-Jährigen. Wenn man Dolly Buster auf ihre schwierige gesundheitliche Situation anspricht, sagt sie mit emotionslosem Blick hinter den petrolfarben verstärkten Augenlidern: "Nein, derzeit kann ich nicht malen. In der Ruhe des Ateliers meldet sich sofort mein Tinnitus." Ein Hörsturz vor zwei Jahren, dazu ein Tinnitus, dessen Frequenz ständig wechsele und es ihr deshalb unmöglich mache, sich daran zu gewöhnen: Es ist, als bestimme jetzt der Körper über sie, wo es in der Vergangenheit umgekehrt war, erzählt Dolly Buster.

In den vergangenen beiden Jahren hat sie sich rar gemacht in der Öffentlichkeit. "Der Druck ist zu groß, öffentlich zu funktionieren", sagt Buster. "Aber hier bei der privaten Feier könnte ich mich jederzeit zurückziehen, da ist das kein Problem." Ihren eigenen 50. Geburtstag Ende Oktober vergangenen Jahres, den habe sie nicht feiern können. 

In der Bad Brückenauer Betty-Ford-Klinik

Und dann erzählt die Malerin im Schlosshotel von Bad Neustadt, wie sie jahrelang Schlaf- und Schmerzmittel nahm, die sie in eine Abhängigkeit trieben. In der Bad Brückenauer Betty-Ford-Klinik habe sie im vergangenen Jahr mehre Wochen verbracht, um sich von der Medikamentensucht zu befreien. "Dort habe ich auch Besuch von alten Freunden aus Prag bekommen. Es hat mir sehr gut getan", erzählt Buster, für die die Rhön eine Art Zufluchtsort geworden ist. 

Für ihren Künstlerfreund Friedhard Meyer hatte sie ein Werk von 2006 im Gepäck: eine Frauenakt, natürlich. Wann sie wieder selbst zum Pinsel greift? Ungewiss. Gewiss ist: Nora Baumberger ist, wie schon als junges Mädchen Nora Dvoráková, auf der Suche nach dem idealen Bild der Frau. 

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