WÜRZBURG

Zwischen „Tatort“ und „Brandner Kaspar“

Seltenes Jubiläum: Eberhard Peiker steht seit 50 Jahren auf der Bühne und vor Kameras. Der Würzburger Schauspieler hat schon allerhand erlebt – auch die harte Schule des Kabaretts.
Eberhard Peiker (rechts) als Brandner Kaspar am Mainfranken Theater (mit Tjark Bernau als Boandlkramer)
Eberhard Peiker (rechts) als Brandner Kaspar am Mainfranken Theater (mit Tjark Bernau als Boandlkramer) Foto: Thomas Oberrmeier / Nik Schölzel

Bauernschlau ist er, der Brandner Kaspar. Trotzt dem Tod, der ihn holen will, beim Kartenspiel kichernd weitere Lebensjahre ab. Bis er merkt, dass er sich damit keinen Gefallen getan hat. Als Darsteller der Titelfigur in „Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben“ steht Eberhard Peiker, der seit dieser Spielzeit zum Ensemble des Mainfranken Theaters gehört, auf der Würzburger Bühne.

Peiker hat diese Rolle schon in allen möglichen Häusern gespielt. „Das Stück ist ja nicht nur humoristisch“, bemerkt der groß gewachsene Schauspieler mit den wasserblauen Augen. „Es deckt alle menschlichen Eigenschaften wie Liebe, Tod, Hass und Freundschaft ab. So einfach es scheint, so tiefsinnig ist es.“ Trotzdem ist es für Eberhard Peiker eine Rolle wie jede andere. „Ich will aus jeder Rolle das Bestmögliche machen, egal ob sie groß oder klein ist, zweimal oder 20-mal gespielt werden muss, nehme jede Aufführung gleich ernst. Wir Schauspieler sind für die Zuschauer da, müssen deshalb in allen Belangen alles geben.“

Trotzdem, erklärt er, seien Schauspieler keine Maschinen. Da könne von Vorstellung zu Vorstellung – je nach Tagesbefindlichkeit oder äußeren Einflüssen – diese oder jene Nuance entstehen. Diese Einstellung prägt sein Berufsleben – und das seit 50 Jahren. Das bemerkenswerte Jubiläum wurde dieser Tage gefeiert. In diesem halben Jahrhundert hat Eberhard Peiker der Beruf an Häuser quer durch Deutschland, zu Filmprojekten nach Jugoslawien, Marokko, Österreich und die Schweiz gebracht.

1943 bei Augsburg geboren, wuchs Eberhard Peiker in einer großen Familie auf. Der Vater, ein Bruder und die Schwester verdienten ihr Geld in kaufmännischen Berufen, die Mutter war Porzellanmalerin, ein Bruder Freskenmaler, einer Architekt und einer Ziseleur. Künstlerischer Nährboden war also da, auf dem in jungen Jahren der Wunsch nach Theaterspielen gedeihen konnte. Schon in der Schule wuchs das Faible des jungen Mannes für die Schauspielerei, manifestierte sich bei Auftritten im Jugendtheater, entwickelte sich zum Beruf.

„Mein Herz schlägt für das Theater“, betont er heute, obwohl sich im Verlauf seines langen Berufslebens auch Erfolge in Fernsehrollen aufweisen lassen. Der Neu-Würzburger war unter anderem in sechs „Tatort"-Folgen zu sehen und in mehr als 50 Folgen der Kinderserie „Rappelkiste“. Elfmal war er beim „Feuerroten Spielmobil“ dabei, spielte bei „Der Bulle von Tölz“ mit, arbeitete als Sprecher für Arte in Französisch und sprach Hörbücher ein. Wie viele Bühnenrollen Peiker gespielt hat, das kann er heute nicht mehr sagen. Es sind einfach zu viele . . .

Nach dem Start seiner Fernsehkarriere im Jahr 1968 in der Produktion „Der Fall Lena Christ“ mit dem Regisseur und „Lindenstraße“-Erfinder Hans W. Geissendörfer folgen gleich nach der Schauspielprüfung im Münchner Prinzregententheater Engagements in allen Genres. Drei Jahre politisches Kabarett mit Jochen Busse, mit dem „ich schon während der Ausbildung verrückte Sachen gemacht habe“, stehen am Anfang. Eine harte Schule, erinnert sich Peiker, „denn wir mussten teilweise kurz vor der Aufführung noch Aktuelles einbauen. Aber auch eine tolle Erfahrung. Trotzdem ging mein Trieb immer Richtung Schauspiel im Theater“.

Die Routine hilft

Und so gibt es Rollen in Shakespeares „Hamlet“, in „Ein Mann namens Lenz“ nach Büchner, in Brechts „Dreigroschenoper“, in Schillers „Don Carlos“ und in Tankred Dorsts „Merlin“. Peiker spielt den Vater der Anne Frank und den Schlomo Herzl in Taboris „Mein Kampf“ und so weiter und so weiter. Fleißig ist er in den vergangenen 50 Jahren gewesen, und „nie ohne ein Engagement“, nickt Peiker zufrieden. Nach wie vor lernt er seine Texte für die nächsten Rollen aufmerksam, auf einem Stuhl sitzend. Zwar fällt das manchmal nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren, aber schließlich hilft die Routine. Am Mainfranken Theater wird er auch als „Gott“ in Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ zu sehen sein und, gemeinsam mit Christina Motsch, in der Zwei-Personen-Komödie „Heisenberg“.

Passionierter Schachspieler

Der Schauspieler lebt ganz im Jetzt. An die Zukunft denkt er nicht. „Den Endpunkt kenn' ich eh. Ob er allerdings so wie im Brandner Kaspar sein wird, das weiß man nicht.“ Peiker lacht und erzählt von seinem Leben jenseits der Bühne. Da mit einer geborenen Würzburgerin verheiratet, kennt er die Stadt recht gut.

Sein Lebensmittelpunkt ist allerdings München. Von dort aus fährt er gern und regelmäßig zu großen Ausstellungen, denn „ich stehe der malenden und bildhauerischen Kunst sehr nahe“. Außerdem ist er immer wieder als Einspringer bei Mannschaftskämpfen und Turnieren gefordert, denn seit seinem neunten Lebensjahr spielt Eberhard Peiker Schach, erst in der Familie, dann in der Schule, später in einem Schachklub. „So trainiert man das Gedächtnis auf andere Weise“.

Nächste Vorstellungen des „Brandner Kaspar“ am Mainfranken Theater: 29. November, 1. und 3. Dezember. Vorverkauf: Tel. (09 31) 39 08-124

Peiker als Peiker
Peiker als Peiker

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