Maßbach

Atemlos durch die Nacht: Das neue Jugendstück in Maßbach

Schnell, komplex, verrätselt: "glaub ich nicht" befasst sich mit den Härten an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Für Nicht-Betroffene dürfte es aber schwer verständlich sein.
Das Ensemble in 'glaub ich nicht': Anna-Maria Bednarzik, Patrick Paolucci und Natalie Heiß.
Foto: Sebastian Worch | Das Ensemble in "glaub ich nicht": Anna-Maria Bednarzik, Patrick Paolucci und Natalie Heiß.

Endlich. Vor kurzem fand wieder eine Premiere im Maßbacher Theater im Pferdestall (TiP) statt, eine Uraufführung: das Jugendstück (ab 13 Jahre) "glaub ich nicht" von Fanny Schmidt, Maßbacher Theaterkind und Schauspielstudentin. Vor leibhaftigem Publikum. Dass das Stück in Regie von Daniela Scheuren (Bühne: Anita Rask Nielsen; Kostüme: Christina Halbfas) von einem Filmteam aufgezeichnet wurde und nun erst einmal virtuell greifbar ist, für Privatpersonen, aber vor allem für ein junges Publikum in den Schulen, überbrückt die Zeit bis zum Liveerlebnis im Theater.

Der Programmzettel informiert knapp über die Ausgangssituation: „Zwei vierzehnjährige Mädchen, eine innige Freundschaft. Ein Jahr der Trennung liegt hinter ihnen, nun stehen sie wieder voreinander.“ Der Film lenkt den Blick besser auf wesentliche Aspekte als das Live-Schauspiel, denn das Stück ist komplex und verrätselt. Daran können die ausdrucksstarken jungen Schauspieler nichts ändern. Wer als Zuschauer nicht betroffen oder als Vater/Mutter/Lehrer involviert ist, tut sich schwer, die mit viel Symbolik, Zwischentönen und dramaturgischen Wechseln versehene atemlose Geschichte zweier Mädchen (Anna-Maria Bednarzik und Natalie Heiß) und eines sprachlosen Jungen (Patrick Paolucci) zu begreifen.

Anna-Maria Bednarzik und Natalie Heiß
Foto: Sebastian Worch | Anna-Maria Bednarzik und Natalie Heiß

Aber auch Gleichaltrigen dürfte es nicht leicht fallen, die schnellen, assoziativen Dialoge zu entschlüsseln. Viel steckt drin, viel zu viel, in diesen pausenlosen 70 Minuten: verschiedenste Nuancen des Coming of Age, Abhängigkeiten, Erwartungsdruck, Enttäuschung, Sehnsucht nach körperlicher und seelischer Anerkennung, Tabuüberschreitungen, traumatisierende Erfahrungen mit Drogen, Selbstverletzungen, Fluchten in ein Nirgendwoland, vermutliche Psychiatrieerfahrungen, Zuneigung, die auf Ablehnung stößt, Gerüchte und Vorurteile, Mobbing und ein schnelles, hoffnungsvolles Ende, in voller Dröhnung von Michael Bublés „I'm feeling good“.

Dazwischen wunderschöne Sprachbilder und exzellent rhythmisierte kurze Tanzszenen (Choreografie: Patrick Paolucci) zu Metal-Klängen, mit denen der Redefluss unterbrochen wird. Aber das Konzentrat an Zustandsoffenbarung, emanzipatorischen Zwischentönen und Andeutungen ist so dicht, dass es Jugendlichen nicht leicht fallen dürfte, es mit den Mühen der Ebene im ganz normalen Leben kurzzuschließen.

„glaub ich nicht“ ist zu sehen als Streamingangebot auf Anmeldung: Tel. (09735) 235, für Schulklassen auch unter theaterpaedagogik@theater-massbach.de

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