Würzburg

Das Evangelium und die Frage nach Arm und Reich

Der Schauspieler Kai-Christian Moritz möchte andere Blickwinkel auf die Evangelien eröffnen. Was könnte uns der der uralte Lukas-Text heute noch sagen?
Im Würzburger Ratssaal spielte Kai Christian Moritz das Markusevangelium. In einem Mediziner-Hörsaal widmet sich der Schauspieler nun dem Text von Lukas.
Foto: Markus Hauck | Im Würzburger Ratssaal spielte Kai Christian Moritz das Markusevangelium. In einem Mediziner-Hörsaal widmet sich der Schauspieler nun dem Text von Lukas.

Ein biblischer Text in einem medizinischen Hörsaal. Spirituelles an einem Ort der Wissenschaft. Der Schauspieler Kai Christian Moritz spannt Gegensätze zusammen – die womöglich nur vermeintliche Gegensätze sind: Am Montag, 27. Mai, 19 Uhr, bringt er das Evangelium nach Lukas in den Hörsaal des Würzburger ZOM. Es ist – nach dem Markusevangelium im Würzburger Ratssaal – der zweite Teil des Projekts „4 Farben Jesus“, bei dem er die vier Evangelien an jeweils passenden Orten aufführt.

Das Zentrum für Operative Medizin im Stadtteil Grombühl ist passend, weil Lukas, der Tradition nach, Arzt war. Noch passender hätte der Schauspieler ein Geldinstitut als Spielstätte gefunden. „Das ließ sich aber nicht realisieren“, bedauert der 43-Jährige. Geldinstitut deswegen, weil Lukas oft den Umgang mit Besitz thematisiert – und die Verpflichtung der Reichen gegenüber den Armen.

Darum darf's freilich auch in einem Mediziner-Hörsaal gehen. Moritz, ausgebildeter Schauspieler mit („nicht abgeschlossenem“) Theologiestudium, findet gerade diesen Aspekt des Textes, der zwischen 80 und 90 nach Christus entstand, sehr heutig: Ungerechtigkeit, manchmal auch gefühlte Ungerechtigkeit, Schere zwischen Arm und Reich: Das seien Themen, die uns noch immer betreffen.

Schauspieler, nicht Prediger

Entsprechend hat Moritz sie bei seiner Auswahl aus dem Evangelium berücksichtigt. Komplett möchte er das Lukas-Evangelium nicht aufführen, so der Schauspieler: Es sei zu umfangreich. Den vergleichsweise kurzen Markus-Text hatte Moritz ungekürzt gebracht, was knapp zwei Stunden dauerte. Dank Kürzungen komme er bei Lukas mit 75 Minuten hin. Es gebe die wichtigsten Stellen, einschließlich der Weihnachtsgeschichte.

Die Auswahl hat Moritz zusammen mit dem Schweinfurter Theologieprofessor Martin Ebner und Dietmar Kretz, Studienleiter der Würzburger Domschule, getroffen. Ulrich Pakusch (Musikhochschule) unterstützt das Schauspiel musikalisch am Orgelpositiv (tragbare Orgel) mit Teilen aus Bachs „Kunst der Fuge“.

Moritz ist Schauspiel-Profi und nicht Prediger. Es geht ihm, der sich als „römisch-katholisch sozialisiert“ bezeichnet, nicht um Missionierung, sondern um überkonfessionell wichtiges Gedankengut.

„Lukas, der Stier“ wurde das Programm nach dem traditionellen Symbol-Tier des Evangelisten betitelt. Beim Projekt „4 Farben Jesus“ werden den Evangelisten Farben zugeordnet – Lukas das Rot. Rot wie rotes Tuch. Was auch heißen soll, dass der Text – x-fach zitiert und oft achtlos gehört – aufrütteln kann. Vielleicht sogar: soll.

Vorverkauf: (09 31) 386-43 111  www.domschule-wuerzburg.de

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