WÜRZBURG

„Elias“ im Wechselbad der Gefühle

Domkapellmeister Christian Schmid
Foto: POW | Domkapellmeister Christian Schmid

Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“ könnte man wegen seiner dramatischen Ausbrüche, seinem Wechselbad der Gefühle als Kirchenoper auffassen, der es nur an der szenischen Darstellung fehlt. Im voll besetzten Würzburger Kiliansdom erlebte das Bibeldrama eine hinreißende Aufführung. Domkapellmeister Christian Schmid konnte sich bei seiner ausgewogenen, jeder Feinheit der Partitur nachspürenden Gestaltung auf einen bestens präparierten Chor (Domchor, Mädchenkantorei und Herrenchor der Domsingknaben) verlassen.

Dazu kam ein stilsicher agierendes Solistenquartett – oder besser -quintett, denn der Knabe (Raphael Jeschke), der seinen „Wetterbericht“ von der Kanzel aus ablieferte, sang sich mit seinem intonationssicheren und lichten Knabensopran in die Herzen.

Der große Chor überzeugte sowohl in den lyrisch-zarten (Piano ernst genommen!) Stellen („Herr, höre unser Gebet!“) als auch in den dramatischen Baals-Szenen. Eine gestalterische Glanzleistung war der Chorsatz, der die Erscheinung des Herrn ausmalt.

Dann gibt es ja im „Elias“ auch Stücke, die schon als Klassik-Schlager bezeichnet werden können, nämlich das Oktett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und das nur von der Mädchenkantorei himmlisch gesungene A-capella-Terzett „Hebe deine Augen auf“. Christian Schmid erlag nicht der Versuchung daraus Schnulzen zu machen und gewann einen umso authentischeren Mendelssohn. Man kann seine Interpretation auch dadurch charakterisieren, dass dem Komponisten nicht nur in die Noten, sondern auch ins Herz geschaut wurde.

Die gestalterische Bandbreite von Florian Götz als Elias lässt sich am besten aus dem Kontrast zwischen den Arien „Ist nicht des Herrn Wort wie ein Feuer“ (der Bezug zu Händel ist unüberhörbar) und „Es ist genug“ ablesen. Einerseits kraftvoll, männlich, eifernd, manchmal ein wenig zu forcierend, andererseits ganz zurückgenommen, in sich gekehrt, deprimiert.

Romantisch schön

Sopranistin Anke Hájková Endres, die anfangs noch ein etwas starkes Tremolo zeigte, machte dann aber ihre Arie „Höre, Israel“ zu einem weiteren Lichtpunkt in einem überzeugenden „Elias“. Eine echte Entdeckung war die Mezzosopranistin Anna Haase. Nicht nur ihre schöne dunkelgefärbte Stimme, sondern vor allem ihre durchdachte Gestaltung („Weh Ihnen“) beeindruckte. Zuverlässig bewegte sich auch Christian Rathgeber durch seine rezitativischen Auftritte und seine beiden Arien.

Das Orchester – die Camerata Würzburg mit Sören Uhde als Konzertmeister – ließ keine Wünsche bezüglich Farbigkeit, Flexibilität, Tonschönheit und Anpassungsfähigkeit offen. Nie wurden Solisten oder Chor übertönt. Bemerkenswert die Cello und Oboensoli.

Zu Recht wurde diese stimmige, romantisch schöne und doch nicht in Sentimentalität versinkende Aufführung mit Standing Ovations bedacht.

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