Winterhausen

Im Sommerhaus blüht die Weiße Rose

Eine moderne Jurastudentin heißt Sophie Scholl, wie einst die Nazi-Widerstandskämpferin. Daraus entsteht ein spannendes Theaterstück.
Mascha Obermeier in 'Name: Sophie Scholl' im Theater Sommerhaus
Foto: Hannes Hirth | Mascha Obermeier in "Name: Sophie Scholl" im Theater Sommerhaus

Mascha Obermeier spielt das Ein-Frau-Stück „Name: Sophie Scholl“ fast durchweg realistisch. Das ist erstaunlich angesichts der Handlung: Eine heutige, karrierebewusste Jurastudentin heißt Sophie Scholl, wird oft auf ihre Namenscousine angesprochen und hat sich deswegen mit dieser Kämpferin gegen die Nationalsozialisten beschäftigt. Momentan steht sie selbst vor Gericht, als Zeugin, und kann sich mit einer wahren Aussage die ganze Zukunft verbauen. Weswegen genau, das wird erst nach der dritten von fünf biografischen Szenen über die Weiße-Rose-Flugblattverteilerin klar.

Macht aber nichts, der Zuschauer weiß auch bei unverständlichen Andeutungen genau, welche Stelle ihm noch fehlt, um den ganzen Plot zu begreifen. Das Stück von Rike Reiniger bleibt über die knappe Stunde von Hannes Hirths Inszenierung glasklar. Deswegen kann die Gegenwarts-Sophie noch einen draufsetzen, die Zeit beschwören und behaupten, all ihre Vorstellungen spielten sich in den wenigen Sekunden vor ihrer lebensentscheidenden Zeugenaussage ab. Diese Illusion einer gefältelten Zeit funktioniert, weil Obermeier ihre Sätze so unangestrengt artikuliert, selbst wenn es hochdramatisch zugeht: „Ich will diese Geschichte" (der Sophie Scholl 1943) "nicht hören" (genauer: nicht erzählen) "in der kurzen Zeit bis zur Entscheidung“.

Lichtregie unterstützt Rollenwechsel

Nur dann, wenn Jurastudentin Sophie sich für die historische Sophie sehr stark begeistert, wirkt die Schauspielerin Mascha Obermeier ein wenig aufgesetzt. Und noch eine Winzigkeit über Spiel und Regie: Dass Frauen bei Monologen immer ihre Finger ganz grade ausstrecken, meist auch noch mit nach oben gedrehter Handfläche, taugt wegen Abgegriffenheit dieses Regieeinfalls nicht mehr, um mit leisen Mitteln große Energie zu demonstrieren.

Genug der kleinen Einschränkungen, die Lichtregie unterstützt die Rollenwechsel des Zwei-Figuren-Stücks sehr gut und ist genau so sehenswert wie die neuen Räume in einem restaurierten alten Haus – derzeit wohl das schönste Theater im Umkreis. Schon allein deswegen lohnt sich der Hupfer nach Winterhausen ins Theater Sommerhaus. Der Stücktitel „Name: Sophie Scholl“ weicht übrigens von der Spielzeitankündigung („Weiße Rose“) ab.

Hirth und Obermeier wollten ursprünglich eine eigene Fassung erstellen. Reinigers Stück braucht das nicht, es funktioniert hervorragend und kann für Schultheateraufführungen gebucht werden.

Auf dem Spielplan im im Sommerhaus /Winterhausen, Kirchstraße 11) noch vom 27.-31. März und am 3. April

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