Würzburg

In der Umarmung des Orchesters

Sie spielt, als existierten nirgendwo Schwierigkeiten. Auch ein pianistischer Höllenritt schreckt Anika Vavic beim Sinfoniekonzert des Mainfranken Theaters nicht.
Das Philharmonische Orchester Würzburg mit Generalmusikdirektor Enrico Calesso
Foto: Nik Schölzel | Das Philharmonische Orchester Würzburg mit Generalmusikdirektor Enrico Calesso

Die Begegnung mit einer außergewöhnlichen, in sich ruhenden, starken Künstlerpersönlichkeit war eines der intensiven Erlebnisse beim Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Würzburg: Anika Vavic, serbische Pianistin, brillierte als Solistin in Sergej Prokofjews Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 C-Dur op. 26.

Starallüren hat die 43-Jährige nicht nötig, dazu ist sie zu souverän, egal ob es um Spieltechnik oder interpretatorische Belange geht. Den tonreichen Solopart, die Akkordkaskaden, die höchst virtuosen Passagen nimmt sie mit einer verblüffenden Leichtigkeit, einer geradezu abgeklärten Konzentration auf die Musik. Mitunter scheint sie in der Umarmung des von Enrico Calesso geführten Orchesters zu versinken, zaubert mit ihm gemeinsam schimmernde Flächen und eine musikalische Opulenz, die wie von Sonne durchflutet wirkt.

Generalmusikdirektor Calesso agiert eng mit ihr zusammen, beobachtet Vavics Akzentuierungen genau, schmiedet völlige Homogenität. Der erste Satz darf stampfen und rollen, tanzen und jubilieren, der zweite sich zunächst wie schlaftrunken ins Geschehen räkeln. Ein düsteres, geheimnisvolles Farbenspiel entsteht, mit ausgekosteten Ruhepunkten und kraftvollem Vorwärtsgehen.

Eine schillernde Klangüberflutung

Ein pianistischer Höllenritt im Allegro ma non troppo, gespickt mit vollgriffigen Läufen, Glissandi - augenscheinlich keine anstrengende Angelegenheit für Vavic, die ihren Solopart so ungeheuer weich und rund gestaltet. Auf die schillernde, schwebende Klangüberflutung Prokofjews, die mitunter etwas Cineastisches aufweist, setzt sie zwei traumverlorene, innige, berückend schön gespielte Miniaturen als Zugaben, macht damit den Genuss mehr als vollkommen.

Tschaikowski nach der Pause: Die Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64, die "Schicksalssinfonie" des 48-jährigen Komponisten wird nie ihre emotionale Wirkung verfehlen. Calessos Grundhaltung war hier äußerst ruhig, was den überschäumenden Passagen noch mehr Expressivität erlaubte.

Die Einleitung allerdings geriet hinsichtlich des Zusammenspiels gefährlich breit, doch schnell schwelgte das Orchester voll Leidenschaft; kleine Präzisionsmängel fielen nicht in die Waagschale. Überzeugend präsentierten sich auch diesmal wieder die Bläser: Nicht nur der Hornist bekam zum Schluss Sonderapplaus für sein schlank dargebotenes Solo im Andante cantabile; auch die Solofagottistin, der Paukist, das gesamte Orchester und der Dirigent wurden mit Bravorufen gefeiert.

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