BAD KISSINGEN

Kissinger Sommer: Der Erkrankung zum Trotz

Am seidenen Faden hing der Auftritt des gebürtigen Berliner Geigenvirtuosen Iskandar Widjaja beim 30. Kissinger Sommer; am Vorabend hatte er sich den Magen verdorben, Fieber kam hinzu und zwei Stunden vor dem einzigen Violinkonzert von Peter Tschaikowsky im Max-Littmann-Saal des Regentenbaus wollte er schon aufgeben. Denn das Werk gilt als eines der schwierigsten in der Violinliteratur.

Wie anstrengend es trotz Infusion in letzter Minute noch für den 29-Jährigen Solisten auf der Bühne wurde, wurde erst nach seinem begeisternden Konzert mit dem Konzerthausorchester Berlin offenbar: „Ich lag einen Tag im Bett und war froh, gerade so stehen zu können. Ich habe nicht so viel mitbekommen und musste mich sehr anstrengen, die richtigen Noten zu treffen“.

Mit der Stradivari verwachsen

Da konnte der in der indonesischen Heimat seiner Eltern als Geigen-Popstar gehandelte Musiker schon wieder lächeln. Bewundernswert die Energie, mit der sich Widjaja mit einem leidenschaftlich-ungestüm vorgetragenen ersten Satz von Eugene Ysayes 2. Violinsonate („Obsession“) und einem fein ziselierten, hauchzart gespielten chinesischen Volkslied „Hua Mulan“ genussvoll für den immensen Beifall bedanken konnte.

Mit seiner Stradivari scheinbar wie verwachsen, hatte er sich vorher mit hypnotischer Intensität und betörend seidigen Klängen in den ungezwungen dahinfließenden Strom der Kantilenen in Tschaikowskys liedhaften Themen der beiden ersten Sätze versenkt.

Träume vom Glück

Unbeschreiblich war die Wirkung des schwärmerisch-zärtlichen Seitensatzes in A-Dur; ein genialer Einfall des Komponisten, und Widjaja ließ die Schönheit des geigerischen Gesangstones dank der fantastischen Saalakustik bis in die letzten Sitzreihen aufblühen. Christoph Eschenbach dirigierte das homogen spielende Konzerthausorchester geschmeidig und überließ es dem Solisten, die Funken sprühen zu lassen.

Umso stärker reizten er und das Orchester den Ideengehalt und die kompositorische Anlage von Tschaikowskys Sinfonie Nr.5 aus. So düster das Orchester diese „Schicksalssinfonie“ mit einer Art Trauermarsch begann – schon das walzerartige Seitenthema weckte Träume von ungestörtem Glück. In der Einleitung zum Finale verwandelt sich leidvolle Trauer in einen heroischen Marsch. Die Zuhörer zeigten ihre Begeisterung mit rhythmischem Trampeln.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Felix Röttger
Antonio Stradivari
Christoph Eschenbach
Fieber
Kissinger Sommer
Konzerthausorchester Berlin
Max Littmann
Peter Tschaikowski
Violinkonzerte
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!