Würzburg

Kunst aus Thüringen: Ausstellung im Kulturspeicher Würzburg

Ostalgie mit Rolling-Stones-Sticker – der Kapitalismus steckt Fidel Castro die Zunge raus (Gabriele Romans 'Hasta la Victoria siempre').
Ostalgie mit Rolling-Stones-Sticker – der Kapitalismus steckt Fidel Castro die Zunge raus (Gabriele Romans "Hasta la Victoria siempre"). Foto: Joachim Fildhaut

Das Wort Statue kommt nicht von "statisch": Das erkennt man auf den ersten Blick in der Ausstellung "remember – Ich erinnere mich/Meininger Künstler" in der BBK-Galerie im Kulturspeicher Würzburg, rechter Flügel. Statuen spielen hier äußerste Beweglichkeit vor, zum Beispiel die Radfahrer von Juliane Zwerger. Man spürt, wie der Sattel des kleinen Nick schwankt, wenn die Oma ihre helfende Hand von seinen ersten Gleichgewichtsversuchen abzieht.

Elf Kleinplastiken stehen in der Saalmitte, insgesamt brachte das runde Dutzend thüringischer Künstler gut 60 Werke an den Main. Sie machen einen Gegenbesuch, nachdem der Berufsverband Bildender Künstler Unterfrankens im vergangenen Jahr mit einer Ausstellung beim Meininger Kunstverein gastierte.

Mehr als ein Werk erinnert daran, dass Künstler in der DDR technisch sehr solide ausgebildet werden konnten. Bestes Beispiel dafür scheint das titellose Gemälde von Anneliese Klienke links neben dem Aufsichtstresen zu sein, das Porträt einer selbstbewussten Frau, wie sie der Sozialistische Realismus freilich nicht zeichnete. Eher liegt das – leider unverkäufliche – Werk auf der Linie des Allerersten im Quartett führender DDR-Maler, Bernhard Heisig.

Auseinandersetzung mit vergangener Ostblockpolitik

Ein einziges Gemälde setzt sich offenkundig mit vergangener Ostblockpolitik auseinander: Gabriele Romans aufwendig lasiertes Tafelbild "Hasta la Victoria siempre" bringt sozialistische Völkerfreundschaft, starke Rituale und den Einbruch des kapitalistischen Westens – der aber möglicherweise die kubanischen Lebensfreude noch steigern konnte.

Kleinplastik erobert den Raum: einer von acht Radfahrern aus der Hand von Juliane Zwerger.
Kleinplastik erobert den Raum: einer von acht Radfahrern aus der Hand von Juliane Zwerger. Foto: Joachim Fildhaut

Keine Angst vor komplexen Botschaften: Die Ausstellung macht viel Freude, zum Beispiel bei einem Gedankenexperiment. Wenn man davon ausgeht, dass die Künstlerausbildung in Ostdeutschland ernsthafter und bodenständiger war und ist als im Westen, dann fällt einem der hohe Anteil an figurativen Ideen, und deren meist gekonnte Umsetzung, auf. Das Auge weigert sich förmlich, selbst das Bildinventar, das es nicht identifizieren kann, als etwas Abstraktes zu sehen.

Diese innere Bereitschaft des Betrachters, Dinge wiederzuerkennen, machen sich fünf sehr moderne, delikate digitale Fotomontagen zunutze, die zudem prima platziert sind: unter fünf Osterhasi-Klebearbeiten. Wenn diese Ausstellung einen Wunsch aufkommen lässt, dann den, dass ein wirklich interessierter Sammler kein einzelnes Bild aus solchen Reihen herauskauft, sondern gleich den ganzen Block nimmt.

Die Vernissage findet am Freitag, 24. Juli, ab 19 Uhr statt.Bis 30. August ist freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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