Würzburg

Mainfranken Theater: Ein Junge sucht das Glück

Thomas hat nicht nur mit dem autoritären Vater Probleme. Kann die Macht der Poesie helfen? "Das Buch von allen Dingen" in den Kammerspielen zeigt's.
Sucht Hilfe bei Musik und Literatur: Bastian Beyer als Thomas in 'Das Buch von allen Dingen'
Foto: Gabriela Knoch | Sucht Hilfe bei Musik und Literatur: Bastian Beyer als Thomas in "Das Buch von allen Dingen"

Thomas ist neun Jahre alt. Später, wenn er größer ist, will er „glücklich sein“. Doch wie kann man sein Glück finden in einer Familie, in der ein autoritärer Vater die Seinen nicht nur mit Worten drangsaliert. Thomas hilft sich dadurch, dass er alles aufschreibt. So versammelt „Das Buch von allen Dingen“ all das, was er erlebt und was er sieht. Dazu gehören auch jene fantastischen Dinge, die nur er sehen kann.

Aus diesem Wechselspiel zwischen harter Realität und dem Traumreich der Fantasie hat der vielfach ausgezeichnete niederländische Autor Guus Kuijer ein spannendes Jugendstück geschaffen, das dem Jungen bei der Suche nach dem Glück über die Schulter blickt. Zehn Jahre nach der deutschsprachigen Erstaufführung in Hamburg hat es Regisseurin Hanna Müller jetzt in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters in einer fesselnden 80-Minuten-Fassung auf die Bühne gebracht.

Die angebliche Hexe hilft

Ohne Schnickschnack erschafft sie mit einem engagierten und konzentrierten Darsteller-Quartett eine intensive Atmosphäre, die sekundenschnell von Beklemmung in Heiterkeit und zurück wechseln kann. Denn natürlich verläuft der Weg von Thomas nicht geradlinig, auch wenn er neben seiner liebevollen Mutter in  Frau Van Amersfoort eine zweite, überaus hilfsbereite Verbündete findet. Die als Hexe gefürchtete Nachbarin öffnet ihm bereitwillig die Türen zu Literatur und Musik, die keinem Zweck gehorchen müssen, sondern „einfach nur schön sein“ dürfen. Und erklärt ihm ganz beiläufig, dass der Weg zum Glück damit beginnt, erst mal keine Angst mehr zu haben.

Leicht gesagt, aber schwer zu verwirklichen für Thomas, zumal der strenggläubige Vater die Bibel und Gott instrumentalisiert, um genau das zu verhindern. Zuspruch findet Thomas bei Jesus, der ihn als imaginärer Gesprächspartner mehr als nur moralisch unterstützt. Zudem hat die belesene Nachbarin eine zündende Idee, die ganz auf die Kraft von Poesie und Musik setzt: Wie, wenn Thomas einen Vorlese-Club gründen und alle - Verwandte, Nachbarn, das Publikum der Kammerspiele und sogar den gestrengen Vater – einladen würde, ihm und seiner Schwester zuzuhören?

Über den Ausgang der Geschichte soll nichts verraten werden. Verraten sei nur, dass es stürmischen Applaus gab für Bastian Beyer (Thomas/Erzähler), Hannes Berg (Vater/Jesus), Maria Brendel (Mutter/Frau Van Amersfoort), Julia Baukus (Margot/Elisa) und das Regieteam. Das lenkt die Vermutung in die richtige Richtung.

Nächste Vorstellungen: 25. Februar (11 Uhr), 9. und 27. März (jeweils 18 Uhr). Vorverkauf: (0931) 3908-124

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