Würzburg

Mozartfest im Kino: Im Mythos der Tiefe

Der Videokünstler Lillevan präsentierte im Würzburger Kino Central die audio-visuelle Collage "Don Giovanni Metamorphosen". Wie das Mozartfest multimedial performte.
Mozartfest im Kino: Der schwedische Medienkünstler Lillevan präsentierte im Würzburger Kino Central die audio-visuelle Collage 'Don Giovanni Metamorphosen'.
Foto: Thomas Obermeier | Mozartfest im Kino: Der schwedische Medienkünstler Lillevan präsentierte im Würzburger Kino Central die audio-visuelle Collage "Don Giovanni Metamorphosen".

Mozartfest-Stammgäste fragen sich, ob sie am Freitag etwas verpasst haben, als sie nicht ins Würzburger Kino Central zur Uraufführung der "Don Giovanni Metamorphosen"gingen. Die Ankündigung verriet ja eher abstrakt: "Das Projekt begibt sich auf eine Reise in die tiefen Schichten des Mythos." Wie sah das aus, wie klang das?

Auf der Leinwand des halbbesetzten Kinos 1 schichtete der schwedische Medienkünstler Lillevan Bilder über- und hintereinander: Großaufnahmen alter Opernaufführungen, elektronische Muster, Wasser und Wolken. Das grundlegende Schwarzweiß-Material hatte er rot, grün und sepia eingefärbt, seine Palette darauf abgestimmt. Fast durchweg in Zeitlupe, wirkten die Gesichter der Sängerinnen ungemein fleischlich. Die digitalen Videoeffekte lösten die Frauen streckenweise auf – so wie es Don Giovannis Gier auch tat.

Der schwedische Videokünstler Lillievan.
Foto: Martin Eberle | Der schwedische Videokünstler Lillievan.

Aufs Ganze gesehen hatte die 70-minütige Performance einen klaren Ablauf. Doch was im Einzelnen was bedeutete – diese Frage musste man sich rasch aus dem Kopf schlagen, um nicht an sich selbst oder dem schönen Sommerabend draußen zu verzweifeln. Wer die Frage strich, saß inmitten einer interessanten Wahrnehmungsflut.

Nur: Welche Projektionen der Video-Jockey live kombinierte und welche standardisiert abliefen, das konnte das Publikum nicht unterscheiden. Lillevan agierte zusammen mit Leonardo Francesconi und Paolo Bragaglia, zwei Musikern aus dem Opernland Italien, die denn auch wunderschön gesungene Arienaufzeichnungen hernahmen und verfremdeten. Und nachbuchstabierten mit Keyboard-Sounds in der Kargheit werkseits gelieferter Synthesizer-Einstellungen von Neue-Deutsche-Welle-Schlagern. Schnell wieder auf Kunstniveau angehoben wurde die Klangspur durch, drittes Element, die rauschende Elektronik aus den Radiolabors der 1960er Jahre.

Nur ein gutes Dutzend Gäste verließen vorzeitig das Kino

Zu den Kunstgattungen Oper und Film gehört das Wort. Literatur wurde denn auch eigens in die Giovanni-Metamorphosen eingespeist, in mindestens fünf verschiedenen Sprachen, auch das Deutsche nicht immer verständlich, aber egal: Es handelte sich meist um Texte mit Bezug auf den Don-Giovanni-Stoff. Dass Oper, Film und Text wieder eine Dreizahl in die Vorführung brachte, kam dieser insgesamt zugute. Sie förderte den Eindruck eines strukturierten Ganzen, in dem die drei Künstler werkeln konnten, ohne sich um eine detaillierte Synchronie von Bild und Ton zu kümmern.

Bleibt als letzte Frage: Hätte das Mozartfest die "Metamorphosen" im Kaisersaal der Residenz gezeigt, wäre das 2019 noch ein Skandal? 1999 einer gewesen? Oder müsste man bis zu den 1980ern zurückgehen, um mit einem etwas altbackenen Experiment wie dem Lillevanschen das konservative Stammpublikum zu schocken? Eigentlich die spannendste Frage, leider auch unlösbar. Das Kino am Stadtrand verließ nur ein gutes Dutzend Gäste vorzeitig. Der Rest applaudierte in der Mehrzahl gern und nicht zu kurz.

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