Würzburg

Musikalischer Flirt mit Mozart

Das Klavierduo Herbert Schuch und Gülru Ensari sorgte beim 3. Meisterkonzert für Höhepunkte. Doch der Abend begann mit einem dramatischen Appell.
Nicht nur am Klavier ein Paar: Herbert Schuch und Gülru Ensari.
Foto: Felix Broede | Nicht nur am Klavier ein Paar: Herbert Schuch und Gülru Ensari.

Mit einem eindringlichen Appell wandte sich Johannes Engels, Vorsitzender der Musikalischen Akademie, an das erschreckend spärlich zum 3. Meisterkonzert erschienene Publikum in der Würzburger Musikhochschule: Es gelte weitere Besucher für die hochklassige Konzertreihe zu werben, da man an einem Punkt angelangt sei, an dem man um deren Zukunft über die nächste Saison hinaus bangen müse. Auf Dauer könne man sich bei diesen Besucher- und Einnahmezahlen Künstler, die für Qualität stehen, finanziell nicht mehr erlauben.

Mit dem Klavierduo Herbert Schuch & Gülru Ensari betraten eben solch exzellente Künstler die Bühne. Debussy zu Beginn: Mit den drei Sätzen von "En Blanc et Noir" hüllte das Ehepaar den Saal in eine schillernde Klangwolke, voll akzentuierter Einwürfe, schwebender, ja fundamentloser Energie, sprudelndem Laufwerk und repetitiver Eindringlichkeit.

Ein paar Häppchen Neuer Musik

In Wolfgang Amadeus Mozarts "Sonate für Klavier zu vier Händen" C-Dur KV 521 umspielten Schuch und Ensari sich in liebevollem musikalischen Miteinander und schickten die unzähligen verspielten Motive und Kapriolen, das quirlige Laufwerk wie einen musikalischen Flirt auf die Reise. Viel Zeit nahmen sich die vorzüglich harmonierenden Musiker fürs Auskosten der melodischen Ideen und Motive, ließen sie zu Vollkommenheit reifen. Ein Fest für die Sinne, voll elegantem Virtuosentum und geschmeidiger Raffinesse.

Und dann verabreichten Schuch und Ensari dem Publikum ein paar Häppchen Neuer Musik: Pädagogisch geschickt wählten sie einführende Worte für Bernd Alois Zimmermanns "Monologe für zwei Klaviere", pickten kleine Tonbeispiele heraus und schufen so einen den Zugang erleichternden Wiedererkennungswert für dieses komplexe Werk, in dem sich Schichten und Zitate überlagern. So war sicher mancher Skeptiker geneigter, sich auf das Hörabenteuer einzulassen, auf wilde Akkorde, rasende Klangkaskaden, brutale Cluster, rauschende Glissandi, Resonanzeffekte und Motorik.

Franz Schuberts Sonate C-Dur D 812, das "Grand Duo" wirkte danach wie eine Rückkehr in eine heimelige Wohlfühlatmosphäre längst vergangener musikalischer Zeiten. Das hätte auch fade wirken können. Doch in der intensiv erzählenden und äußerst subtilen Interpretation dieses großartigen Klavierduos geriet die Aufführung zu einem tief schürfenden Resümee, zu einer hingebungsvollen Verbeugung vor dem Schaffen Schuberts. Großformatig gedacht in der Expressivität, im Detail fein aufgeblättert: Ein bemerkenswerter, stark beklatschter Abend.

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