WÜRZBURG

Musiker und Fans in grauem Wolkenhimmel

Elektropop, visualisiert: Hundreds-Sängerin Eva Milner in der Würzburger Posthalle.
Foto: chris weiss | Elektropop, visualisiert: Hundreds-Sängerin Eva Milner in der Würzburger Posthalle.

Bei manchen Konzerten hätte man gern einen Stuhl, hat aber leider keinen – und steht sich die Beine in den Bauch. Bei anderen Konzerten sitzt man – wünscht sich aber nichts sehnlicher als zu stehen, sich zu bewegen, zu tanzen. So auch am Samstagabend, an dem das aus Lohr stammende Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner alias Hundreds in der gut besuchten Würzburger Posthalle gastierte. Im Rahmen des Internationalen Filmwochenendes veranstaltete die Filminitiative Würzburg e.V. ein Konzert der besonderen Art – eine Mischung aus Film und Musik.

The Wind-Up Robots Killed My Cat aus Würzburg lassen den Abend gut beginnen. Postrock kann man die Musik des Quartetts nennen, sie selbst bezeichnen sie als Instrumentalmusik, zusammengefügt aus Schlagzeug, Gitarre, Bass und Elektronik. Die Songs sind mit eigens für das Konzert angefertigten Visuals verschiedener Künstler hinterlegt, lassen die Betrachter nicht nur in rauschenden Tönen, sondern auch im Meer im Hintergrund versinken.

Zwei leibhaftige Drummer

Sämtliche Stuhlreihen in der mit knapp 400 Fans gefüllten Posthalle sind besetzt, es wird dunkel, die zarte Eva Milner betritt die Bühne. Hundreds sind nicht mehr zu zweit wie früher, sondern haben die für den Beat zuständigen Laptops durch zwei leibhaftige Drummer ersetzt. In ihrem schwarzen Einteiler ist die auch für die Texte von Hundreds zuständige Sängerin eins mit der Bühne, dient als zusätzliche Projektionsfläche für die Visualisierungen, die das Konzert untermalen.

Manch einer wird sich im Verlauf des Abends noch fragen, wie aus solch einem zierlichen Geschöpf eine so kräftige, warme Stimme tönen und so viel Energie sprühen kann. Die Videokunst ist auf die Musik – versponnener, atmosphärischer Elektropop – zugeschnitten, lässt zum Klavier Lichtpunkte über die Bühne hüpfen und Künstler samt dem Publikum in einem grauen Wolkenhimmel treiben. Abgesehen von den Visualisierungen ist die Kulisse düster gehalten, aufs Wesentliche reduziert, wird nur gezielt durch atemberaubendes Licht beleuchtet, mal blau, mal rot, aber nie zu viel.

Hundreds, seit Jahren schon in Hamburg beheimatet, klingen melancholisch, verträumt, doch trotzdem tanzbar – und sie schaffen die perfekte Balance aus Traurigkeit und Freude. Zwischen der Sängerin und ihrem Bruder am Klavier stimmt die Chemie im wahrsten Sinne des Wortes, und die beiden verstehen es, diese Magie auf ihre Zuhörer zu übertragen.

Der Bestuhlung zum Trotz

Auf ein langsames Klaviersolo folgt ein mitreißender Bass, der das Publikum auf den Plastikstühlen wippen, zappeln, träumen lässt. „Wir wollen tanzen!“, tönt es von irgendwoher, und bald hat sich im Barbereich ein stetig wachsendes, der Bestuhlung trotzendes Grüppchen gebildet.

Der Abend vergeht wie im Flug, trotz der zwei Zugaben, die das Publikum einfordert. „Ein ruhiges und ein wilderes Stück“ kündigt Sängerin Eva Milner an, doch das genügt noch nicht. Am Klavier erklingen die ersten Töne von „Little Heart“. „How can I walk around like this / I can see floating Hearts I miss“, singt die zarte Eva – und der Zauber ist vorbei.

ONLINE-TIPP

Viele Bilder vom Würzburger Hundreds-Konzert im Rahmen des Filmwochenendes und vom Publikum unter: www.mainpost.de

• Die weitere Berichterstattung über das Würzburger Filmwochenende lesen Sie auf Kultur, Seite 14
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