SOMMERHAUSEN

Sommerhaus: Wenn Gott zur Therapie muss

Anfangsszene: Horst Kiss und Brigitte Obermeier.
Foto: B. Knüttel | Anfangsszene: Horst Kiss und Brigitte Obermeier.

365 Tage im Jahr mal 24 Stunden am Tag mal Milliarden von Menschen, die einem ihr Leid klagen: Ein wirklich harter Job. Kein Wunder, dass da mal eine Psychotherapie fällig ist. Doch wo geht man hin – wenn man kein Geringerer als Gott ist? Die Komödie „Oh, mein Gott!“ schickt den depressiven Patienten zu Ela, einer Psychologin, die sich mit ihm allerdings sichtlich schwer tut: Ein Patient ohne Mutter? Wem geben wir dann die Schuld?

Das Ergebnis ist eine fesselnde Sitzung, witzig, pointiert, bewegend – und im Sommerhäuser Sommerhaus schwungvoll in Szene gesetzt von Iwona Jera – als deutsche Erstaufführung, zu der auch Übersetzerin Gundula Schiffer angereist war. Enttäuscht wurde die sicher nicht: Horst Kiss und Brigitte Obermeier begeisterten in den Hauptrollen mit ihrer Interpretation der Vorlage.

Der Text der 2012 gestorbenen Israelin Anat Gov ist ein intelligenter, tiefgründiger und doch höchst amüsanter Schlagabtausch zwischen dem alttestamentarischen Gott (im leicht abgerissenen, punkigen Outfit) und einer – ihrer eigenen Einschätzung nach – gar nicht religiösen Therapeutin, die ihm ganz ehrfurchtslos ein Gewaltproblem diagnostiziert. Ganz verweigern will sich Ela dennoch nicht, denn wenn Gott nicht mehr weiterleben will, könnte das ernsthafte Konsequenzen haben. Und so kommt es, dass sie noch genau 50 Minuten Zeit hat, um . . . aber auch das ist ja Glaubenssache.

Was intellektuell-gesprächslastig werden könnte, hat Iwona Jera sehr bewegt umgesetzt. Man staunt, wie viel Aktionsraum die kleine Bühne auch ohne Umbau bietet. Horst Kiss und Brigitte Obermeier sind umwerfend. Sie nehmen den Zuschauer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, die den intellektuellen Wendungen und Überraschungen des Textes in nichts nachsteht. Mimik, Stimme, Gefühlsausbrüche – alles ist stimmig und glaubhaft, man könnte den beiden stundenlang zusehen.

Wenn der Einakter nach gut einer Stunde endet, nehmen nicht nur Hirn und Auge, sondern auch das Herz einiges an Futter mit nach Hause. Denn nach und nach kommt auch Elas Geschichte zutage, und schließlich hat auch ihr autistischer Sohn (Luca von Mussch) noch eine Überraschung parat. „Oh, mein Gott!“ mag ein kurzes Stück sein und auf einer kleinen Bühne Platz haben. Es ist in dieser Inszenierung ganz großes Theater. Den ausdauernden Applaus hatten sich Darsteller und Stück voll verdient.

Nächste Vorstellungen: 17., 23. bis 25. Mai. Karten: Tel. (0 93 33) 9 04 98 67

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