Volkach

Interview: Warum Claudia Koreck keinen Song über Corona machen will

Am Samstag, 29. August, macht die oberbayerische Musikerin Station in Volkach. Ein Gespräch über Motivation im Lockdown, Hassmails im Netz und die Lust am Experiment.
Positive Botschaft aus dem Lockdown: Claudia Korecks neues Album 'Auf die Freiheit'
Positive Botschaft aus dem Lockdown: Claudia Korecks neues Album "Auf die Freiheit" Foto: Gunnar Graewert

Das Interview mit Claudia Koreck beginnt etwas später als vereinbart. Die oberbayerische Songwriterin ("Fliang") und ihre Familie sind gerade aus dem Urlaub heimgekommen. Hund Marty war bei Oma und Opa und hat sich so über das Wiedersehen gefreut, dass Claudia Koreck erstmal eine längere Gassi-Runde mit ihm drehen musste. Dann aber ist sie ganz da, sprüht vor Energie und Unternehmungslust. Endlich wieder Konzerte, endlich wieder Tour. Bis Ende November ist die 34-Jährige mit ihrem neuen Album "Auf die Freiheit" in Bayern unterwegs – meist als Duo mit ihrem Ehemann, Bandkollegen und Produzenten Gunnar Graewert, ein einziges Mal sogar mit Band: am 29. August beim Kabarett-Sommer in Volkach (Lkr. Kitzingen).

Frau Koreck, die Termine auf Ihrer Homepage sehen schon wieder richtig nach Tour aus. Wie fühlt sich das an?

Claudia Koreck: Man ist froh über jeden noch so kleinen Gig, der stattfinden kann. Tatsächlich ist es immer noch eine unsichere Geschichte, es ergibt sich jeden Tag Neues. Wir selber freuen uns natürlich total, dass wir endlich wieder unserem Beruf nachgehen dürfen. Seit ich klein war, stehe ich auf der Bühne. Ich hoffe, dass das Wetter bei den Open-Air-Terminen mitspielt, und wie's im Herbst dann weitergeht, das steht noch in den Sternen.

"Ich zeige sonst meine Familie nicht so, aber für das Video haben wir unseren Alltag daheim gefilmt. Um zu zeigen, wir sind alle miteinander verbunden."
Claudia Koreck
Wie sind Sie über die Zeit gekommen, in der gar nichts ging?

Koreck: Es waren gemischte Gefühle. Am Anfang war ich natürlich auch ziemlich down und wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Dann habe ich aber versucht, das anzunehmen und dankbar zu sein für die Dinge, die ich bis jetzt gehabt habe. Ich habe es nie als selbstverständlich angesehen, dass ich Musikerin werden konnte und dass ich meinen Beruf schon so lange machen kann. Das hat mich bestärkt, und dann konnte ich auch wieder positiv nach vorne schauen. Wir hatten überlegt, die Albumveröffentlichung zu verschieben, weil sie derzeit wirtschaftlich kaum Sinn hat. Aber ich glaube, dass die Leute gerade in dieser Zeit positive Musik brauchen. Und das Album ist ein Lichtblick, der einen aus so einer dunklen Phase rausziehen kann. Deshalb habe ich gesagt, ich haue es jetzt raus – für alle, die es hören wollen, und aus tiefer Verbundenheit mit den Leuten, die mir so lange schon treu sind.

Video

Die Songs sind ja vor Corona entstanden, im Video zu "Es geht vorbei" gibt es aber Anspielungen auf den Lockdown. Jemand hält ein Schild mit "Mir bleim dahoam" hoch. Das Lied klingt mit der Textzeile "Es geht oiwei weida" fast schon prophetisch.

Koreck: Das Lied wurde aus anderen Umständen heraus geboren, aber dann dachten wir, dass die Botschaft jetzt genau die richtige ist. Ich zeige sonst meine Familie nicht so, aber für das Video haben wir unseren Alltag daheim gefilmt. Um zu zeigen, wir sind alle miteinander verbunden, egal, ob Künstler, Rentner oder Familien oder Leute, die ganz allein daheim sind. Deshalb habe ich einen Videoaufruf gemacht, bei dem ganz viele, ganz unterschiedliche Leute mitgemacht haben. Das hat eine Welle der Positivität ausgelöst. Das fand ich richtig schön.

"Das braucht jetzt niemand: in der Krise einen Song über die Krise. Wir wissen ja alle, in welcher – auf gut Deutsch – Scheiße wir stecken."
Claudia Koreck
Könnten Sie sich vorstellen, dass Corona künftig in Songs oder in der Handlung von Büchern vorkommt?

Koreck: Ja, das denke ich bestimmt. Ich selbst war voll mit der Familie beschäftigt. Mit zwei Kindern, die ständig da sind, bist du nicht wirklich in der Lage, groß in dich zu gehen und große Gedanken zu fassen. Aber ich denke schon, dass viele Leute was zu dem Thema gemacht haben. Ich selber habe auch ein bisschen was geschrieben, aber das ist nichts, was ich jetzt veröffentlichen werde. Weil es Songs sind, die beschreiben, wie es mir gerade geht, und das braucht jetzt niemand: in der Krise einen Song über die Krise. Wir wissen ja alle, in welcher – auf gut Deutsch – Scheiße wir stecken. Deshalb habe ich lieber dieses positive Album rausgebracht. Was entstehen wird, über die Jahre, das wird man sehen. Wir wissen ja auch nicht, wie lange uns das begleiten wird. Aber es wird seine Spuren hinterlassen, auch in der Kunst und der Kultur.

Video

Im Song "Indianer" singen Sie von "Sümpfen aus Hass" und von Trollen. Wie sehr haben Sie mit Hassmails und Missgunst im Netz zu kämpfen?

Koreck: Da muss man sich dran gewöhnen. Am Anfang ist mir das sehr schwer gefallen, weil ich auf der Bühne keine andere Persönlichkeit spiele. Ich bin immer ich selber, und dann trifft es einen auch härter, wenn man unter der Gürtellinie angegangen wird. Es gab Zeiten, wo wegen meiner Figur gelästert wurde. Dass ich halt nicht ausschaue, wie man als Popstar auszuschauen hat. Oder wenn man sich für irgendwas einsetzt. Ich habe in der Zeit des großen Andrangs der Flüchtlinge in einem Artikel gesagt, dass wir alle in der Verantwortung sind, und da gab es so viele Hassmails, das war Wahnsinn. Wenn du deine Meinung so klar positionierst, dann ist das auf Dauer sehr, sehr anstrengend. Willy Michl, der macht das tagtäglich, das muss man aushalten können. Ich finde das sehr stark.

Claudia Koreck, 'Auf die Freiheit'
Claudia Koreck, "Auf die Freiheit" Foto: Gunnar Graewert
Das Album ist musikalisch sehr vielfältig – es klingt, als hätten Sie richtig Spaß am Experimentieren gehabt.

Koreck: Bei diesem Album stand von vorneherein fest, dass es kein festes Konzept gab. Bei der letzten Platte wollte ich Weihnachtslieder schreiben. Da bin ich extra nach Schweden gefahren und habe mir was für das Thema überlegt. Diesmal haben wir alle meine Songs gesammelt, die mir so eingefallen sind. Diese Freiheit, die ich beim Schreiben habe, die wollte ich auch in der musikalischen Produktion behalten. Gerade im Deutsch-Pop-Bereich gibt es derzeit viele Produktionen, die alle gleich klingen. Das ist mir persönlich einfach zu langweilig. Ich verstehe auch nicht ganz, warum da alle dasselbe Bügeleisen benutzen. Deshalb haben wir gesagt, wir machen unser eigenes Ding. Das mag wild und bunt anmuten, aber die Songs waren so unterschiedlich. Sie sind zu unterschiedlichen Zeiten meines Lebens entstanden, und dem wollten wir auch musikalisch Tribut zollen.

Das Album: Claudia Koreck, "Auf die Freiheit", Honu Lani Records (Rough Trade)
Das Konzert: Claudia Koreck und Band beim Volkacher Kabarett-Sommer, Weinfestplatz Volkach,  Samstag, 29. August, 19 Uhr. Karten bei der Touristinformation Volkacher Mainschleife, Abendkasse oder online unter www.comoedie.de

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