Würzburg

Wie man einem Dirigenten (s)ein Instrument verschafft

Musikhochschule und Mainfranken Theater wollen künftig enger kooperieren. Ein Projekt ist die neue Reihe "Masterkonzerte", bei der Prüflinge auf Profis treffen.
So war es bisher: Studierende dirigierten Studierende, hier Dionysis Grammenos bei der Vorbereitung seiner Masterprüfung 2016 an der Hochschule für Musik.
Foto: Christoph Weiß | So war es bisher: Studierende dirigierten Studierende, hier Dionysis Grammenos bei der Vorbereitung seiner Masterprüfung 2016 an der Hochschule für Musik.

Dirigenten haben gegenüber anderen Musikern ein entscheidendes Handicap: Sie haben kein Instrument. Zumindest keines, das ihnen jederzeit zum Üben zur Verfügung steht. Das ist während der Ausbildung ein Problem und bei der Abschlussprüfung: Studierende und Prüflinge sollen ja unter möglichst realistischen Bedingungen arbeiten.

In Würzburg haben Mainfranken Theater und Hochschule für Musik nun ein neues Modell entwickelt: In der neuen Reihe "Masterkonzerte" leiten Studierende des Masterstudiengangs Dirigieren der Musikhochschule einmal pro Semester das Philharmonische Orchester. Die Konzerte, deren erste Ausgabe am Samstag, 23. November, zu hören sein wird, sind gleichzeitig Teil der Abschlussprüfung. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Institutionen jetzt nach einjährigen Gesprächen unterzeichnet.

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung.  Von links: Dirk Terwey (geschäftsführender Direktor Mainfranken Theater), Enrico Calesso (Generalmusikdirektor Mainfranken Theater), Christoph Wünsch (Präsident der Hochschule für Musik Würzburg), Markus Trabusch (Intendant Mainfranken Theater).
Foto: Kathrin Königl | Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. Von links: Dirk Terwey (geschäftsführender Direktor Mainfranken Theater), Enrico Calesso (Generalmusikdirektor Mainfranken Theater), Christoph Wünsch (Präsident der ...

Theater und Hochschule haben immer wieder kooperiert, nun nutzen sie erstmals auf vertraglich festgelegter Basis sowohl ihre räumliche als auch fachliche Nachbarschaft. Oder, wie es Markus Trabusch, der Intendant des Mainfranken Theaters, formuliert: "Wir haben jetzt eine schriftlich niedergelegte positive Haltung zu allen Projekten, die infrage kommen."

Früher mussten die Prüflinge weite Reisen auf sich nehmen

Die bisherigen Gepflogenheiten der Abschlussprüfung, so Christoph Wünsch, Präsident der Musikhochschule, seien unbefriedigend gewesen. Da leiteten die Prüflinge das Hochschulorchester. Wünsch: "Das war ein Kompromiss, aus der Not geboren. Die Studierenden sollen ja von den Professoren dirigiert werden und nicht von anderen Studierenden." Weitaus aufwändiger noch waren Kooperationen mit auswärtigen Orchestern etwa in Coburg, Speyer oder Koblenz: "Da mussten Einzelverträge geschlossen werden, dazu kamen die Anreise und mehrtägige Aufenthalte im Hotel", erzählt Wünsch.

Generalmusikdirektor Enrico Calesso ist gespannt auf die Nachwuchsdirigenten der Hochschule: "Ich freue mich sehr, dass sie mit uns den Einstieg in den Beruf machen." Er kann sich noch gut an seine Abschlussprüfung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien erinnern – im altehrwürdigen Musikvereinssaal. Calesso: "Es ist wunderbar, wenn die Prüfung in einem richtigen Konzert stattfindet. Und wenn dann der Saal auch noch voll ist, dann ist das toll."

Die Kandidaten bekommen fünf Proben – wie das im Profi-Alltag üblich ist

Bei den drei Proben, die er zur Vorbereitung seiner Prüfung mit dem Radio-Symphonieorchester Wien bekam, habe er im übrigen mehr gelernt als in vier Jahren Studium zuvor. Nun sind Orchester nicht immer gnädig mit unerfahrenen Dirigenten und lassen schon mal den einen oder anderen Kandidaten auflaufen, der sie nicht überzeugt. Was seine Philharmoniker angeht, hat Calesso da keine Bedenken: "Die wissen, wie man mit Anfängern professionell umgeht." Teil dieses professionellen Umgangs ist übrigens auch die Probenregelung: Die Prüflinge bekommen drei Proben, plus Haupt- und Generalprobe. Wie es eben Alltag in einem Berufsorchester ist. 

Die Kooperationsvereinbarung betrifft nicht nur die Dirigenten. Schon früher haben Studierende der Instrumentalfächer Praktika bei den Philharmonikern gemacht. Künftig sollen diese Stellen gezielt projekt- beziehungsweise repertoirebezogen vergeben werden. So habe es wenig Sinn, Geiger zu Lernzwecken in die zweite Geige einer italienischen Oper zu setzen. Hochschulpräsident Wünsch: "Ein ,Rheingold' ist natürlich etwas für die Hornklasse. Und die ,Metamorphosen' von Richard Strauss etwas für die Streicher."

Und auch damit nicht genug: Die Philharmoniker waren bereits in diesem Jahr mit zwei Konzerten an den Tagen der Neuen Musik der Hochschule beteiligt und werden das auch künftig sein. Und: Wegen des Umbaus im eigenen Haus wird eine Schauspielproduktion des Mainfranken Theaters im kommenden Herbst im Theater der Hochschule in der Bibrastraße zu sehen sein.

Würzburger Masterkonzert, erste Ausgabe: Hyeju Jung aus der Klasse Prof. Ari Rasilainen dirigiert das Philharmonische Orchester mit Werken von Poulenc, Bartók und Rimski-Korsakow. Sa., 23. November, 19.30 Uhr, großer Saal der Musikhochschule, Hofstallstraße. Karten: Tel. (0931) 321870.

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