WÜRZBURG

Würzburg: Florian Silbereisen befreit den Tanzboden vom Staub

Mannomann: Florian Silbereisens Burschenschaft.
Foto: Chris Weiss | Mannomann: Florian Silbereisens Burschenschaft.

Die Tänzerinnen zeigen Haut, ein durchtrainierter junger Mann hantiert mit Feuer, ein anderer verrenkt sich beim Breakdance, der Einpeitscher ist schwerstens tätowiert. Dazu Disco-Beats. Willkommen beim Fest der Feste. Jawohl: bei Volksmusik. Und bei Florian Silbereisen.

„Volksmusik macht Spaß.“ Sagt der Helene-Fischer-Freund via Plakat. Ein Sternchen pappt hinterm Slogan: „Auch wenn's nicht jeder zugibt.“ Dazu ein Smiley. Gfreit's eich, junge Leit, jetzt seid's a dabei beim Schunkeln und Schmachten.

Aber halt: Das, was der Silbereisen Flori da zusammen mit dem DJ Ötzi, der No-Angels-Lucy und dem VoxxClub den gut 2000 Zuschauern auf die Bühne der Würzburger s.Oliver-Arena haut, das ist wirklich weitab vom Musikantenstadl.

Florian Silbereisen hat längst sein Image geändert, trägt Dreitagebart und Tattoo, enge Jeans und rockige Shirts. Songs wie „Aufsteh'n, aufdreh'n“ sind schmissig, kein Alpenkitsch. Die sechs feschen A-cappella-Schwiegermutter-Rocker von Voxxclub („Rock mi“, „Ziwui“) schauen nicht viel anders aus und sorgen mit ihrem Gastgeber für entstaubte Tanzbodenstimmung. Dazu geigt Joanna Suchon im silbernen Fetzchen auf der Elektro-Fidel. Die sexy Slowakin hat schon für Sting und Xavier Naidoo gespielt und kann was. Wenn die Herrschaften in blecherne Badewannen kraxeln und, im Schaum planschend, Gloria Gaynors „I will survive“ von der Showtreppe schmettern, dann hat das was von ZDF-Abendunterhaltung der Siebziger – nur fetziger.

Zu solchen Abenden gehören Gaststars. Wie schon auf der letztjährigen Fest-der-Feste-Tour übernimmt diesen Part DJ Ötzi. Ohne „Anton“, „Hey Baby“ und „Sweet Caroline“ geht das nicht. Dann erzählt Silbereisen in Liedermacher-Manier von seinen ersten Gehversuchen auf Skiern. Um danach mit dem VoxxClub musikalisch durch Europa zu reisen: „Viva Espana“, „Theo, wir fahr'n nach Lodz“, das „Kufsteinlied“. Dazu turnt Silbereisen putzmunter durch die Stuhlreihen, und jetzt sind endlich auch alle beseelt, die zuvor ob der modernisierten Schlagerwelt etwas verdutzt aus der Trachtenwäsche geschaut haben. Mit Ötzis „Stern“ geht's in die Pause.

Teil zwei eröffnet eine weitere Genre-Grenzgängerin: Lucy. Die quirlige Bulgarin kommt vom Musical, gehörte mit den No Angels zu den Müttern der Casting-Show-Gören und ist mit sich im Reinen, wenn sie nach „Daylight in your eyes“ auch mal Schmachtfetzen („Guten Abend, gute Nacht“), russische Folklore oder Austropop („Weus'd a Herz hast wie a Bergwerk“) anstimmt. So richtig zur Geltung kommt ihre voluminöse Stimme aber erst im gelernten Handwerk: „Tanz der Vampire“ – samt toller Feuershow und den brillanten TV-Star-Dancern um den austrainierten Blickfang Evelyn und den gelenkigen internationalen Breakdance-Meister Benedikt.

Halbzeit zwei ist mehr Revue. Da blüht Silbereisen auf, als Entertainer, der den Laden im Griff hat: charmant und souverän. Die Übergänge sind fließend, vom besinnlichen STS-Cover mit DJ Ötzi („Großvater“) über eine ABBA-Show in quietschbunten Kostümen bis hin zur Finaltrilogie aus „Sierra Madre“, „Oh wie ist das schön“ und „So ein Tag“.

Und ja: Zwischendurch ist auch noch Platz für Silbereisens Harmonika („Heute will ich explodieren“) und einen Knall, dass die ganze Halle nach Zündplättchen riecht. Spätestens als alle noch mal rauskommen und „Nur nicht aus Liebe weinen“ singen, ist klar: So schaut – auch wenn's nicht jeder zugibt – perfekt arrangierte Abendunterhaltung aus.

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