WÜRZBURG

Würzburger Hafensommer: Tina Dico beschwört Gefühle ohne Gefühlsduseleien

Wenn man den Freitagabend des Würzburger Hafensommers in drei Worte fassen wollte, könnten sie lauten: warm, stimmig, intensiv. Oder auch: unkompliziert, unaufgeregt, überzeugend. In zwei Worten: einfach gut. Es spielt Tina Dico. 37-jährige Sängerin und Liedschreiberin aus Dänemark, die in ihrer Heimat seit zehn Jahren bekannt bis berühmt ist und mit warmem, eindringlichem Alt sehr eigenständige, gute Musik macht. Gatte Helgi Jonsson an Keyboard, Banjo und Posaune, Dennis Ahlgren an der Gitarre und Marianne Lewandowski hinterm Schlagzeug sind an ihrer Seite. So sitzt sie mit rotem Kleid, Akustikgitarre umgeschnallt, vor voller Mainwiesen-Tribüne auf der Bühne und . . . . flüstert nicht.

„Whispers“ heißt Dicos neues Album, das frei ist von Bombast oder Kitsch, entschlackt von allem Überflüssigen. Kommen die Songs auf der Platte eher ruhig und verhalten daher, ist Dico auf der Bühne ziemlich vital und ein paar Kurven stärker und präsenter. Die vier Musiker machen – frei von jeder Affektiertheit, bar jeder Show – satten Sound und überzeugen mit Tempuswechseln und Dynamik. Die Saiten zupft Dico mal ruppig-rockig, dann, plötzlich, streichelt sie nur darüber.

Rockige Liebeslieder

Zarte, feine Töne schwellen an und werden heftig, Liebeslieder kommen durchaus rockig daher. Und soll?s ruhiger werden, rücken die vier dicht zusammen und begleiten mit Banjo, Rassel und Trommel ganz simpel alte Weisen. Folkig, ohne folkloristisch zu sein. Eindringlich, ohne schwermütig zu sein. Gefühlvoll, ohne gefühlig zu werden. Was Wunder, dass es Tina Dico mit „Whispers“ in den dänischen Charts, vorbei an U2 und Coldplay, wieder auf Platz eins geschafft hat. Die zierliche Blonde singt zu tief und dunkel, um niedlich zu klingen, schreibt Musik, die zu differenziert ist, um einfach nur nett zu sein.

Und sie schreibt Texte, die oft sehr sprachklug sind und auch musikfrei als Poesie bestehen könnten: „You don't step into Love – you fall.“ Sicher, Dico singt auf den ersten Blick, aufs erste Hören über das im Pop Übliche: Träume, Liebe, Leid, Schmerz, Sehnsucht. Doch schafft sie's, mit ihren Geschichten und Miniaturen nicht banal zu sein. Sie beschwört den Moment. Und mahnt, dass man wach bleiben und jeden Tag die richtigen Fragen stellen muss.

Am Ende des Tages? Sind Fehler Meisterwerke. Zur Zugabe der Zugabe kommt noch Teitur Larssen auf die Bühne. Der Sänger von den Färöer, mit dem der gut warme Abend unter hellblaurosa Himmel barfuß und zart, leise und romantisch begonnen hatte. Zu fünft gibt's einen intimen Schluss.

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