Meinung

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Scheurings Wort zum Samstag: Die nackte Wahrheit

Die Amtszeit von Donald Trump geht nun in wenigen Tagen unbegreiflicherweise zu Ende. Manche Menschen behaupten, der US-Präsident habe es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau genommen. Daher frage ich Sie: Wann hat Trump denn je gelogen? Vor seiner Wahl versprach er, er werde „der beste Präsident, den Gott je erschaffen hat“. Gut, hierüber kann man streiten. Kaum im Amt, erklärte er, noch nie sei bei der Amtseinführung eines US-Präsidenten eine größere Menschenmenge versammelt gewesen. Nun ja, das stimmte auch nicht, nicht einmal halbwegs. Dafür versprach er, er werde eine gewaltige Mauer bauen, und Mexiko werde für sie bezahlen. Also gut, das ist natürlich nicht passiert. Anfang 2020 erklärte er, das Coronavirus werde schon bald „wie durch ein Wunder verschwinden“. Okay, das kam jetzt auch ein wenig anders. Seit der US-Wahl im November teilt Trump dem Volk bei jeder Gelegenheit mit, er habe die Wahl haushoch gewonnen. Leider besagen die Fakten, dass er klar verloren hat. Doch hat Trump – von all dem jetzt einmal abgesehen – jemals die Unwahrheit gesagt? Ja, hin und wieder. Mehr als 22 000 Falschaussagen, glatte Lügen und irreführende Behauptungen hat Trump in seiner Amtszeit verbreitet, wie die „Washington Post“ dokumentiert hat. Dass jemand so oft lügt, ist zweifellos ein hochinteressantes psychologisches Phänomen. Das eigentliche Problem aber ist, dass ihm viele Millionen Menschen trotzdem glauben. Es führt wohl kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns weit überschätzt wird.
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Scheurings Wort zum Samstag: Alle Wetter!

Alle reden über das Wetter, aber keiner tut etwas dagegen! Diese durchaus berechtigte, dem Schriftsteller Mark Twain zugeschriebene Klage hat seit dieser Woche an Dringlichkeit verloren. Denn nun tun einige etwas gegen das Wetter – zumindest gegen die Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Mit der Kampagne „#Wetterberichtigung“ will das Netzwerk „Neue Deutsche Medienmacher*innen“ die Vielfalt in der Bevölkerung sichtbar machen. Die Initiatoren beklagen, dass die Wetterhochs und -tiefs fast immer nur Namen wie Gisela und Helmut tragen, obwohl viele Deutsche inzwischen auch Ahmet oder Romani heißen. Daher haben sie beim Institut für Meteorologie Patenschaften für Hoch- und Tiefdruckgebiete im Jahr 2021 gekauft. In den ersten Wochen dieses Jahres werden daher häufig Namen mit Migrationshintergrund auf der Wetterkarte stehen. Ob es klug ist, dass mit „Ahmet“ ausgerechnet ein Tief den Anfang macht, darüber möge der Wettergott richten. Immerhin sorgt die Bemühung, „das Wetter diverser zu machen“ – mir ist das Wetter eigentlich divers genug – für Abwechslung. Vor allem in Ehen, in denen nur das Tiefdruckgebiet Erna oder der Orkan Karlheinz für Turbulenzen sorgen. Dem Wetter auch „migrantische Namen“ zu geben, ist jedenfalls nicht verkehrt. Denn wenn man auf die Bewegungen am Himmel blickt, wird eines schnell klar: Nichts auf dieser Welt hat so viel Migrationshintergrund wie das Wetter. Wenn ein Hoch dann nicht plötzlich Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah heißt, ist mir das alles recht.

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Unterm Strich: Nicht mehr ganz dicht

Der Mensch hat es im Laufe der Evolution bei der Produktion von Löchern zu einer gewissen Perfektion gebracht. Wir produzieren formvollendete Löcher im Käse. Mit den Jahren bekommen wir Löcher in den Zähnen.

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