Meinung

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Scheurings Wort zum Samstag: Das Glück der Fische

Unsere Schwestern und Brüder jenseits des Ärmelkanals haben seit jeher eine besondere Beziehung zum feuchten Element, insbesondere zum Fisch. Das mag daran liegen, dass das nach oben hin ausfransende Stück Land, auf dem sie leben, vollständig von Wasser umgeben ist. Die innere Beziehung zum Fisch ist tief in der britischen Seele verwurzelt: Bereits die Angelsachsen sahen – wie der Name schon sagt – vor 1500 Jahren den Zweck ihres Daseins vor allem darin, Fische aus dem Wasser zu ziehen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Die Fischfangquote war daher eines der Hauptthemen beim Brexit. Die Briten lieben den Fisch – und offenbar werden diese Gefühle erwidert. Weshalb der britische Politiker Jacob Rees-Mogg unlängst erklärte: „Entscheidend ist, dass wir unseren Fisch zurückhaben. Es sind jetzt britische Fische und damit bessere und glücklichere Fische.“ Das Glück der Fische, wer kann es ermessen? Womöglich wird die Queen bald einen Heilbutt zum Ritter schlagen, und ein toller Hecht wird Premier. Dann werden die britischen Fische sicher aus Dankbarkeit im Linksverkehr um die Insel herumschwimmen. Das Glück der Fische, es wächst von Tag zu Tag. Ein englischer Fischereiverband will Meerestieren nun sogar schönere und appetitlichere Namen geben: Der Megrim Fish soll Cornwall-Seezunge und die Seespinne soll Riesenkrabbe heißen. Vielleicht wird die Stachelmakrele bald umbenannt in „Ein Fisch namens Wanda“. Und wenn die Wirtschaft der Insel in noch tiefere Strudel gerät und durch den Brexit kaputtgeht, dann wird man sagen: Großbritannien ist Butt.
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